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Amazon – was nun?

Meinung Von Franz Grün

Amazon gibt nach der im ARD ausgestrahlten Reportage „Ausgeliefert – Leiharbeiter bei Amazon“ zu: Es ist uns eindeutig nicht gelungen, die Einhaltung unserer hohen Standards zu gewährleisten. Auch wenn sich der Internethändler von den in der Reportage genannten Vertragspartnern getrennt hat seien die Probleme nicht gelöst, so ein Sekretär der deutschen Gewerkschaft ver.di. Amazon ist der mit Abstand größte Online-Händler der Welt, in Deutschland Nummer eins und auch in Österreich bestens bekannt. Fast jedes Produkt lässt sich hier günstig bestellen, geliefert wird oft über Nacht. Doch wer packt die Pakete ein?

Der Online-Riese beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland etwa 7.700 festangestellte MitarbeiterInnen in den Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. Jedes Jahr zur Hochsaison wirbt Amazon Deutschland um tausende Wanderarbeiter aus dem Ausland, vor allem aus Spanien.

Für viele Spanier ist der Ruf nach Deutschland in Zeiten der Eurokrise wie ein Lottogewinn. Erst kurz vor der Abreise aus Spanien wurden die Arbeiter von ihren Agenturen informiert was sie tatsächlich erwartet, nämlich eine böse Überraschung. Nicht Amazon legt ihnen in Deutschland einen Vertrag vor, sondern eine Leiharbeitsfirma. Deutlich weniger Lohn als bei der Anwerbung in Spanien versprochen, nach Feierabend stundenlanges Warten auf den überfüllten Bus, der sie über zig Kilometer Autobahn in ihre Unterkünfte bringen soll, war die Realität.

Die Unterbringung der Leiharbeiter in der vom ARD ausgestrahlten Reportage erfolgte auf engstem Raum in einem zu dieser Zeit verlassenen Ferienpark. Hier führt ein Sicherheitsdienst ein Regime, das auf Einschüchterung setzt und immer wieder in die Privatsphäre der Arbeiter eindringt. Alleine durch ihr Auftreten vermitteln Mitarbeiter der Firma Hensel European Security Service (H.E.S.S.) eher ein Bewachen als Beschützen der im Ferienpark untergebrachten Wanderarbeiter.

Auch wenn die Firma H.E.S.S. jegliche Kontakte zur Neonazi-Szene bestreitet, mutet es doch befremdlich an, dass Mitarbeiter neonazi-typische Kleidungsmarken (wenn auch angeblich in ihrer Freizeit) getragen haben. Auch zeigt sich der Geschäftsführer der Firma auf Fotos im Internet mit verurteilten Rechtsextremen.

Im Visier des deutschen Arbeitsministeriums ist im Zusammenhang mit den katastrophalen Arbeitsbedingungen an deutschen Amazon-Standorten die deutsche Tochter der niederösterreichischen Leiharbeitsfirma Trenkwalder gekommen. Die Sozialbeiträge für die Beschäftigten seien nicht korrekt abgeführt worden. Die Sonderprüfung, die bereits im Februar eingeleitet wurde, betreffe Trenkwalder, bestätigte eine Sprecherin von Ministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Amazon hat im Zuge der Schadensbegrenzung die Reißleine gezogen und sich von den in der Reportage kritisierten Partnern getrennt. Ob es ausreichen wird um die vom Internet-Großhändler selbstauferlegten hohen Standard Genüge zu tun wird sich weisen. Man wird sich eben in Zukunft seine Vertragspartner besser aussuchen müssen.

Aber nicht nur die Firma selbst hat die Verantwortung für seine MitarbeiterInnen, seien es festangestellte oder Leiharbeiter zu tragen. Die Politik ist gefordert gesetzliche Standards so festzulegen, dass Menschen unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen ihrer Tätigkeit nachgehen, und entsprechend entlohnt werden.

Dieser Beitrag soll keinesfalls dazu auffordern, die Geschäftsverbindungen einzelner zu Amazon zu boykottieren, jedoch sollte sich jeder überlegen, in welcher Form er seinen persönlichen Protest oder Unmut über derartige Arbeitsbedingungen kundtut.

Franz Grün ist Sekretär des GLBvida