Leserbrief von Karin Antlanger, Betriebsrätin von EXIT-sozial Linz an die OÖ Nachrichten.

Alle Jahre wieder geistert eine Chimäre durch die Haus-und Hofpostille der Landesregierung, die OÖ Nachrichten: die Chimäre von den „überzogenen Gehältern bei pro mente und EXIT-sozial“. Was in Schottland Nessie zur Unterhaltung der TouristInnen ist, das sind für oberösterreichische PolitikerInnen und Zeitungen die angeblich so aberwitzig hohen Gehälter bei diesen beiden psychosozialen Betrieben. Das mediale Sommerloch will gefüllt sein genauso wie das Budgetloch, das die Bankenrettungspakete und Steuergeschenke an große Unternehmen und Konzerne quer durch Österreichs öffentliche Kassen gerissen haben. Nur: woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Eine Beamtin der Sozialabteilung des Landes hat schon vor Jahren gemeint: „Zwanzig Prozent weniger geht immer.“ Das ging eine Zeit lang tatsächlich, nämlich solange, bis z.B. bei EXIT-sozial alle Angestellten auf das Niveau des SWÖ-Kollektivvertrages (vormals BAGS-KV) hinunter nivelliert waren. Eine Handvoll ÄrztInnen ausgenommen. Aber bisher hat nicht einmal im Scherz irgendjemand gemeint, dass man eine FachärztIn zu SWÖ-KV-Gehaltsbedingungen gewinnen könnte.

Bei einer Diskussion mit Betriebsräten meinte ein Voest-Kollege sogar: „Das was ihr in der Verwendungsgruppe 9 (AkademikerInnen und PsychotherapeutInnen) lt. KV bezahlt, das bekommt bei uns der, der den Hof zusammenkehrt.“ Kommentar überflüssig.

Nun ist bei EXIT-sozial durch die letzten „freiwilligen“ Änderungsvereinbarungen der Boden erreicht, die Beschäftigten praktisch alle gehaltsmäßig auf KV-Niveau herunten – aber 20 % weniger geht immer noch. Die Sozialabteilung des Landes hat auch schon herausgefunden, wie das gehen soll. So sollen im Wohnbereich wie z.B. sozialpsychiatrische Wohneinrichtungen, mobile Wohnbetreuung etc. in Zukunft überhaupt keine AkademikerInnen (etwa PsychologInnen) bezahlt werden, dafür aber HeimhelferInnen.

Es darf also an der fachlichen Qualifikation des Betreuungspersonals gespart werden. Es geht wieder in Richtung Versorgungsinstitutionen nach dem Motto „warm – satt – sauber“ und sonst brauchen die Leut eh nix. Tagsüber vielleicht noch in einer Beschäftigungseinrichtung ein bisserl niedergebastelt werden, das geht sich finanziell grad noch aus. Vorwärts, mit Volldampf zurück zu den Verwahranstalten des vorigen Jahrhunderts! So sieht schwarz-blaue Sozialpolitik unter rot-grüner Beihilfe aus.

Mit freundlichen Grüßen
Karin Antlanger