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Der Kampf um Gleichberechtigung – eine unendliche Geschichte?

Meinung Von Anita Kainz

Am 19. März 1911 gingen 20.000 Frauen (und Männer) zum ersten Mal für Frauenrechte auf die Wiener Ringstraße. Es wurde gefordert: Frauenwahlrecht, Frieden, Acht-Stunden-Tag, Mutter- und Kinderschutz, Senkung der Lebensmittelpreise, Einführung der Sozialversicherung, Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Hundert Jahre später wurde die „Plattform 20.000frauen“ gegründet. In ihr vereinten sich die verschiedensten Frauenorganisationen, um eine gemeinsame Demonstration am 19. März 2011 zu organisieren. Trotz Kälte kamen rund 5.000 Frauen (und Männer) zum Treffpunkt am Schwarzenbergplatz um dann gemeinsam über den Ring zum Parlament zu marschieren.

Die Plattform organisierte auch im nächsten Jahr am Ring die „Zeltstadt der Frauen“, wo trotz Regen verschiedene Projekte in vielen Zelten vorgestellt wurden und alle eifrig bei der Sache waren. Und dann beschlossen 29 Frauen ein Buch mit dem Titel „Frauen – Fragen“ zu schreiben. Es behandelt die Geschichte der Frauenbewegung und enthält auch Beiträge und Fotos der Plattform 20000frauen. Mehr Informationen dazu gibt es im Internet unter www.20000frauen.at.

Jedes Jahr am internationalen Frauentag, den 8. März stellt sich aber die gleiche Frage: Gibt es Erfolgsmeldungen bei den Frauenforderungen? Ja, es gibt ein paar Frauen mehr in Aufsichträten und Vorstandsetagen. Aber ist das wirklich ein Erfolg? Für die betroffen Frauen auf jeden Fall, aber allen anderen bringt es nichts. Die prekären Arbeitsverhältnisse bei Frauen steigen und das bedeutet weniger Lohn, im Alter eine geringere Pension und die Gefahr, in die Armut abzusinken.

Frauen kämpfen seit über hundert Jahren für die Gleichberechtigung. Es gab schon einige Erfolge und natürlich auch Rückschritte. Aber dass jemand öffentlich die Schlechterstellung der Frauen fordert, das ist doch neu.

In einem „Kurier“-Interview (2.1.2013) fordert der Unternehmer Erhard F. Grossnigg wörtlich: „Frauen müssen um 20 Prozent weniger verdienen. Frauen gehen fünf Jahre früher in Pension und leben sieben Jahre länger. Sie sind sieben Prozent der Arbeitszeit im Krankenstand – weil sie zu Hause bleiben, wenn die Kinder krank sind-, Männer drei Prozent. Für diese ungleiche Verteilung muss der Staat bezahlen und nicht die Unternehmen.“

Abgesehen davon, dass Herr Grossnigg aufzeigt, dass Kinderpflege noch immer Frauensache ist, will er gleich die gesetzlich verankerte Pflegefreistellung abschaffen. Aber dass er verlangt, dass Frauen für die gleiche Arbeit wie sie Männer leisten um 20 Prozent weniger verdienen sollen ist einfach eine Frechheit. Er hätte sich diese Forderung eigentlich sparen können, denn in Österreich verdienen Frauen sowieso um 15 bis 20 Prozent weniger als Männer.

Natürlich bestärken solche öffentlichen Aussagen noch viele Männer in ihrer frauenfeindlichen Meinung, die da lautet: Frauen dürfen zwar arbeiten gehen und Karriere machen, aber Frauen sollen sich allein um Hausarbeit, Kinderbetreuung und Altenpflege kümmern und Frauen müssen immer folgsam sein und funktionieren.

Noch schlimmer steht es um die Rechte von Frauen in Ländern wie z.B. Indien, wo sie oft schlimmer als Tiere behandelt werden (In Neu-Delhi wird alle 18 Minuten eine Frau vergewaltigt). Oft werden noch Mädchen wegen der Mitgift umgebracht. In manchen afrikanischen Ländern werden Mädchen grauenvoll verstümmelt, damit sie keine Lust beim Sex empfinden. Dagegen ist es direkt harmlos, dass Frauen in Saudi-Arabien noch immer nicht ein Auto lenken dürfen.

Diese wenigen Beispiele zeigen, dass der Kampf für die Frauenrechte international weitergehen muss! „Jede Frauengeneration, die gewonnene Rechte nicht verteidigt hat und neue nicht erobern wollte, hat schon ein Stück von ihnen verloren“ (Marielouise Jansen-Jurreit)

Anita Kainz ist GLB-Aktivistin in Wien