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Die schiache Kröte

Meinung Herbert Rolle über das Thema Rassismus

Weit hüpft sie wieder herum in Österreich. Die schiache Kröte. Früher war sie ja fast „ehrlich“. Sie ist zum Dreck, den sie verbreitet, gestanden. Früher nannte sie sich „Rassismus“. Früher haben die Kröten sagen können: Zwischen den sogenannten „Rassen“, zwischen einer Chinesin und einer Wienerin, zwischen einem Inder und einer Kärntnerin, gibt es haushohe Unterschiede. „Es gibt“ – so erbrach man sich damals laut – und heute leise – „höherwertige und minderwertige Rassen“.

Seitdem die Gene der Menschen entschlüsselt sind, ist dieser Hokuspokus als dummes Gequake entlarvt: Zwischen Menschen aus Österreich und Übersee gibt es einen genetischen Unterschied von ca. 0,05 Prozent. Und dieser Mini-Mini-Mini-Unterschied betrifft nur das äußere Erscheinungsbild. Innen ticken wir alle nach demselben Schema.

Das Beste: Selbst die schiachste rassistische Kröte muss nach einer Analyse ihrer Gene zur Kenntnis nehmen: Auweh! Unter meinen Vorfahren sind Afrikaner, Türken und der Hunnenkönig Attila. Genau: Gene sind und waren immer schon dafür da, dass man sie austauscht. Gene sind nicht für Monogamie gedacht. Sondern für die fröhliche Verbreitung. Die Migrationsbewegungen der letzten Jahrtausende und all die fruchtbaren Seitensprünge haben sich ausgezahlt. Rassische Reinheit gibt es beim Schäferhund, nicht aber bei Menschen: Es gibt genetisch gesehen gar keine Rassen. Wir sind alle bunte Straßenkreuzungen. Wie der Waldi von nebenan.

Blöd gelaufen für Nazi, Kröte & Co. Der Bauchfleck ist halt das Schicksal der Kröte. Weil sie den Rassenwahn nicht mehr argumentieren können, tarnen sich die Kröten heute als Hüter der Kultur. Sie trällern jetzt ein neues Lied: „Asylanten passen nicht zu unserer christlichen Kultur. Sie passen gar nicht zu unseren Werten.“ Die Frage ist nur: Was sind bitte unsere Werte?

Dass immer mehr WählerInnen die Demokratie dafür nutzen, den Krötenteich zu wählen, der die Demokratie abschaffen wird? Oder, dass eine Schülerin afrikanischer Herkunft in der Straßenbahn von drei feschen besoffenen Mühlviertler-Buam als „Negerhure“ beschimpft und angespuckt wird? Oder, dass in Österreich die Steuern hinterzogen werden, wo es nur geht und man damit als clever gilt und nicht als Gauner?

„Aber, aber“ – wirst du, liebe LeserIn, dir vielleicht denken – „das sind ja nur Negativbeispiele“. Genau. So schnell gerät ein ganzes Land in die falsche Optik. Bezüglich AsylwerberInnen werden auch meist nur die Negativbeispiele kolportiert. Und so wird das Lügenbild vom „gefährlichen Asylanten“ politisch von den Kröten gezielt aufgebaut. Was wäre denn geschehen, wenn jener „echte“ Österreicher, dessen Kinderpornos zusammengerechnet 61 Tage Laufzeit haben, ein Afghane gewesen wäre? Was wäre denn los, wenn das Hypo-Alpe-Adria Debakel von marokkanischen Muslimen verursacht worden wäre und nicht von der Buberlpartie der FPÖ?

Wer auch immer am Stammtisch die „Werte“ aus dem Ärmel zieht, soll sich fragen: Dienen die Werte, die ich meine, dem Zusammenleben? Dienen sie dazu, dass Menschen aufeinander zugehen? Oder dienen sie dem Hass? Dienen sie einer gemeinsamen Zukunft oder einem gemeinsamen Unglück? Und diejenigen, die jetzt davon reden, dass ihnen die „christliche Kultur“ so wichtig ist, sollen sich fragen, was sie vom Christentum 1. wissen, und was sie 2. davon kapiert haben. Floskeln sind und bleiben nur Gequake.

Es ist schon klar: Falsch darf man Toleranz nicht verstehen. Freiheit ist ein hohes Gut. Sie will geschützt werden. Haltungen, die die Demokratie zurückweisen, können nicht geduldet werden. Haltungen, die die Menschenrechte ablehnen, müssen zurückgewiesen werden. Sie alle passen nicht in ein modernes Österreich. Das gilt aber nicht nur für die wenigen, die einen völlig falsch interpretierten Islam vertreten. Es gilt besonders auch für Kröten, die den Hass und Unfrieden verbreiten indem sie Schwarz-Weiß-Bilder zeichnen.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß. Sie ist bunt. Es geht nicht nur darum, dass wir hierzulande nur zusammen-leben. Wir sollten zusammen-legen, was uns ausmacht, was uns froh macht, was uns stark macht, was uns mutig macht und was uns bunt macht. Dann – und nur dann – wird Österreich dem menschlichen Reichtum eine Heimat geben. Lieber das Minarett in der Nachbarschaft, als eine Kröte, die die Farben abschafft.

Herbert Rolle ist Betriebsrat im Diakoniewerk Gallneukirchen