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Es geht nur ums Geld

Meinung Werner Beier zum Thema Pensionsfinanzierung

Nahezu alle Kolleg_innen, die den 40. Geburtstag hinter sich haben, sind zumindest in diesem Punkt ähnlich geprägt: Irgendwann in Kindheit und Jugend wurde ihnen eingeredet, dass man nur eine erkleckliche Zahl an Jahren brav arbeiten und einzahlen muss, um auch im Alter ein gutes und sorgenfreies Auskommen zu haben. Das war so festgemeißelt wie der Text auf den Steintafeln, die angeblich Moses vom Berg Sinai geschleppt hat. Seit rund 25 Jahren – also ziemlich zeitgleich mit dem damals verkündeten „Ende der Geschichte“ und dem Beginn des totalen neoliberalen Umbaus – werden die BeitragszahlerInnen kontinuierlich durch für sie nachteilige Pensionsreformen und Novellierungen aus ihrem sanften Schlummer geweckt.

Immer wieder wurde uns erklärt, was alles zur Sicherung des Systems zu tun sei und wir eigentlich alle Verschlechterungen - die ja in Wahrheit nur Reformen seien - gefälligst und voll Dankbarkeit mittragen sollen. Ich erspare uns Details darüber, wie unsere Rechte im Laufe der Jahre abmontiert wurden und wie wenig fundiert die Argumente der „Reformer“ sind.

Unvergessen die Demonstration zum Pensionsgesetz 2003 zu der vom ÖGB rund 50.000 Erboste mühsam zusammengekratzt und aus ganz Österreich herangekarrt wurden. Theatralisches Kettengerassel, denn schließlich war ja auch kein SPÖ-Politiker legislativ beteiligt. Dem großen Rest der betroffenen Menschen schienen die Vorgänge allerdings am A…. vorbei gegangen zu sein.

Denn die sechs Wochen später stattgefundene Regenbogenparade konnte doppelt so viele Menschen aktivieren. Ein deutlicheres Signal der politischen Apathie gibt es wohl kaum. Bemerkenswert auch deshalb, weil die damaligen Einschnitte unmittelbarer Auslöser der durch die persönlichen Pensionskonten erfolgten gegenwärtigen Frustration der Versicherten sind. Gestern geschlafen und verdrängt – heute böses Erwachen!

Knackpunkt dabei – neben anderen Unappetitlichkeiten – ist die stufenweise Ausweitung des Bemessungszeitraumes von den besten 180 Beitragsmonaten auf eine nahezu arbeitslebenslange Durchrechnung. Das bedeutet aber, dass sich Abgründe auftun zwischen der zu erwartenden Pensionshöhe und jener, die man sich irgendwann am Küchentisch selbst ausgerechnet hat. Die verständliche Frage der kleinen Frau und des kleinen Mannes: Wie komm ich dann über die Runden?

Punktgenau diese Frage wird von den professionellen Reparateuren geplatzter Erwartungen vom sorgenfreien Lebensabend bedient. Eine Palette von Vorsorgeprodukten und Pensionslückenfüllern der umtriebigen Finanz- und Versicherungswirtschaft wird da dem geneigten Publikum angeboten. Nun scheint das Publikum aber gar nicht so geneigt, denn für die Alten sind die Prämien einfach zu hoch und die Jungen haben naturgemäß andere finanzielle Sorgen.

Das bedeutet im Gegenzug den mentalen Druck kontinuierlich zu erhöhen und da wird vom eingekauften Experten über die werbeabhängigen Medien bis zum korrumpierten Politikdarsteller alles aufgeboten, was die reich gefüllten Kriegskassen hergeben. Immerhin ein Milliardenmarkt in deutlich zweistelliger Höhe und auch ein Heer von Keilerinnen und Keilern träumt von glühenden Vorsorgerechnern und fetten Verkaufsprämien. Der saftige Kuchen ist einfach zu verlockend.

Besonders pikant sind die Organigramme über Beteiligungen der heimischen politischen Kräfte, Interessensverbände und Organisationen, die nahezu ausnahmslos in verschiedenem Ausmaß mit dem Finanz- und Versicherungskapital vernetzt und verfilzt sind. Ich unterstelle auch der AK sowie dem ÖGB und seinen Gewerkschaften wirtschaftliche oder über die parteipolitische Schiene laufende Verknüpfungen die mit den Interessen der Pensionsversicherten entsprechend korrelieren oder eben auch nicht.

Der einer besonderen Nähe zu den Interessen der ArbeitnehmerInnen völlig unverdächtige frühere deutsche CDU-Generalsekretär Heiner Geissler hat es mit dieser Aussage auf den Punkt gebracht: „Die ganze Diskussion über die Rente ist nichts anderes als der gigantische Versuch an das Geld der Leute heranzukommen“.

Machen Sie sich bewusst, dass viele Millionen Euro eingesetzt werden um Sie zu belügen und um an Ihr Geld zu kommen. Das bewährte System krank zu reden ist eine besondere Kunst, die nur gelingt, weil die wenigsten Menschen mit den Details vertraut sind. Machen Sie sich daher mit den Details vertraut und nutzen Sie dazu alternative Informationsquellen. Verabschieden Sie sich vom „betreuten Denken“. Werden Sie aktiv!

Auch wenn etwa Versicherungen das aus Eigeninteresse bestreiten: Kapitalgedeckte Pensionslösungen fußen ebenso auf einem Generationenvertrag. Auch bei „Kapitaldeckung“ werden die Pensionen immer von der Erwerbsgeneration bezahlt.

Sollten Sie sich dennoch in das langfristige Lebensabenteuer „private Pensionsvorsorge und Pensionslückenabsicherung“ stürzen wollen, dann trauen Sie keinen Zusagen über Leistungen, Förderungen, Prämien und Gewinnerwartungen. Die sind erfahrungsgemäß das Papier nicht wert.

Werner Beier ist GLB-Aktivist in Wien