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Gradmesser für Zufriedenheit

Meinung Heike Fischer über den Arbeitsklima Index

Neben Arbeitszeit und Einkommen, die großen Einfluss auf die Zufriedenheit von ArbeitnehmerInnen haben, spielt auch das Arbeitsklima eine wesentliche Rolle. Teamarbeit und Kooperation werden immer wichtiger, Konflikte mit Vorgesetzten oder KollegInnen können belasten, auch Konkurrenzdruck, Personalabbau und höherer Leistungsanspruch machen Stress. All diese Komponenten wirken sich auf das Arbeitsklima aus.

Während die wirtschaftliche Entwicklung in „harten“ Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreisindex oder Börsenindex gemessen wird, ist es kaum möglich in Zahlen zu erfassen, wie es den direkt Betroffenen im Arbeitsalltag geht.

Seit Juni 1997 gibt es den Österreichischen Arbeitsklima Index als Maßstab für den wirtschaftlichen und sozialen Wandel aus Sicht der ArbeitnehmerInnen. Er ist ein Produkt der oö Arbeiterkammer und der Sozialforschungsinstitute IFES (Institut für empirische Sozialforschung) und SORA (Institute for Social Research and Analysis). Der Arbeitsklima Index dient als „Mess-Sonde“ für Veränderungen in der Arbeitswelt, die sich unmittelbar im Erleben und Empfinden der Beschäftigten ansetzt. Damit kann er Veränderungen in den Einstellungen, Umbrüche oder langfristige Entwicklungen früher wahrnehmen als „harte“ Wirtschaftsindikatoren.

Durch eine Vielfalt von Analyse- und Anwendungsmöglichkeiten stellt der Arbeitsklima Index ein wertvolles Instrument für alle dar, die sich für die Entwicklung der Arbeitswelt interessieren. Durch ihn kann die gesamte Bevölkerung für die Trends im zentralen Lebensbereich „Arbeit“ sensibilisiert werden.

Der Arbeitsklima-Index beruht auf Befragungen von Stichproben unselbstständig erwerbstätiger Personen in ganz Österreich. Vierteljährlich werden zur Erhebung der Daten jeweils 900 ArbeitnehmerInnen bundesweit befragt. Mit Hilfe eines Fragebogens werden in persönlichen Gesprächen durch MitarbeiterInnen des IFES Befragungen durchgeführt.

Der Fragebogen umfasst 26 Themengebiete wie Arbeitszeitregelungen, Betriebsgröße oder Zufriedenheit mit betrieblichen Sozialleistungen. Zur Neuberechnung des Index werden halbjährlich im Mai und November jeweils zwei Erhebungswellen, also insgesamt 1.800 Interviews, herangezogen. Dazwischen, also im Februar und im September, gibt es Sonderauswertungen zu besonderen Aspekten des Index, etwa zu Leiharbeit, Länge der Arbeitszeit, Zufriedenheit mit dem Urlaub und ähnliches.

Die Berechnung und Interpretation der Daten wird von SORA durchgeführt, die Ergebnisse vierteljährlich präsentiert und als Arbeitsklima Index-Newsletter publiziert. Der Newsletter kann bei der oö Arbeiterkammer gratis abonniert werden.

Auch innerhalb eines Unternehmens lässt sich der Arbeitsklima Index nutzen, um die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen unabhängig von der Analyse der Situation aller Beschäftigten Österreichs zu messen. Dies kann durch die Erhebung der Stimmung und Zufriedenheit im Betrieb erfolgen oder durch das Feststellen von Gesundheitsrisiken und -belastungen für die Beschäftigten. Ebenso lassen sich Angebote für die Aus- und Weiterbildung evaluieren oder die Bewertung von Arbeitszeitregelungen und -modellen. Eine Zufriedenheitsbefragung kann im Idealfall ein langfristiges Instrument zur MitarbeiterInnenbeteiligung schaffen.

Durch professionelle, externe Unterstützung wird ein reibungsloser Ablauf garantiert. IFES als Partner der AK hat bei der Durchführung von Befragungen quer durch alle Branchen langjährige Erfahrung. Durch die Wahl eines externen Partners werden Datenschutz, Anonymität und Professionalität der Durchführung gewährleistet. Unter Einbeziehung des Betriebsrates und in gemeinsamer Abstimmung wird ein auf den Betrieb maßgeschneidertes Frageprogramm entwickelt, in dem die erprobten Fragestellungen des Arbeitsklima Index teilweise oder zur Gänze enthalten sind. In weiterer Folge können betriebsspezifische Ergebnisse mit anderen Unternehmen der gleichen Branche oder dem Gesamtindex verglichen werden. Wesentlich sinnvoller ist es jedoch, mit den Ergebnissen innerhalb des Betriebes verantwortungsvoll umzugehen, positive Veränderungen zu initiieren und das eigene Betriebsklima zu verbessern.

Der Arbeitsklima Index beschreibt die Realität der Arbeitswelt und die subjektive Arbeitszufriedenheit. Daraus lassen sich Entwicklungspotentiale und Handlungsmöglichkeiten ableiten. So wurde etwa im Frühjahr 2016 evaluiert, dass für fast ein Viertel der Beschäftigten der Urlaub nicht ausreicht, um sich von den Strapazen des Berufs zu erholen. Viele Menschen schaffen es nicht, im Urlaub abzuschalten und sich auszuruhen. Oft kann der Jahresurlaub wegen der Arbeitsmenge oder betrieblicher Umstände nicht ausgeschöpft werden. Andere wiederum müssen Teile ihres Urlaubs verwenden um zum Arzt zu gehen bzw. Krankheiten auszukurieren oder um die Kinder zu betreuen. Dies trifft vor allem Frauen. Auf Grund dieser Indizien ist die Forderung nach sechs Wochen Urlaub für alle nur gerechtfertigt.

Wer sich mit dem Arbeitsklima Index konstruktiv auseinandersetzt, wird erkennen, wo gewerkschaftliche Arbeit ansetzen muss und sollte.

Heike Fischer ist Diplompädagogin und Betriebsratsvorsitzende im Diakonie Zentrum Spattstraße Linz und GLB-Landesvorsitzende in OÖ