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BAGS-KV: Gewerkschaften geben klein bei!

Meinung Von Selma Schacht
Diplomsozialarbeiterin
Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung
Betriebsratsvorsitzende
Vorsitzende GLB-GPA

Am 12.12. einigten sich die Arbeitgeber der BAGS (Gesundheits- und Sozialberufe) und die Gewerkschaften GPA, HGPD und HTV auf einen Lohnabschluss von 2,7% (auf KV-Lohn, 2,65% auf den IST-Lohn). Am Beginn der Verhandlungen stand der Gewerkschaftsbeschluss, 4,1% zu fordern und dafür jegliche Diskussion um andere Inhalte des Kollektivvertrags hinan zu stellen.

Die Arbeitgeberseite beantwortete dies mit dem undiskutablen „Angebot“ von 1,4 % - und siehe da, die Gewerkschaftsforderungen schmolzen nur so dahin.

War Anfangs von 4,1% die Rede, lag man bald nur mehr bei „na schon mindestens drei Prozent“ bis hin zu „2,7% ist wirklich die unterste Schmerzgrenze“.

Bereits um die Mittagszeit des 12.12. stand fest, dass sich die Arbeitgeber bei 2,7 einzementieren würden da sie nicht bereit waren, einen höheren Abschluss als im Öffentlichen Dienst zu akzeptieren. Schon an diesem Punkt traten die GLB-VertreterInnen Karin Antlanger und Michael Gehmacher dafür ein, die Verhandlungen zu unterbrechen und mit politischem Druck aus den Betrieben zu versuchen die Arbeitgeber zu einem höheren Angebot zu bringen.

Die Angst vieler KollegInnen die betroffenen Belegschaften nicht mobilisieren zu können zog sich wie ein roter Faden durch viele Debattenbeiträge und war letztlich wohl auch ausschlaggebend für die Zustimmung zu diesem untragbaren Abschluss.

Wen wunderts´s da schon, dass laut einer aktuellen Meinungsumfrage - nur ein Drittel der ÖsterreicherInnen den ÖGB als kraftvoll, kämpferisch und angriffslustig sehen?

Es stellt sich dabei allerdings die Frage, wie sich im Sozialbereich jemals eine größere Kampfkraft entwickelt, wenn nicht heute versucht wird rund um Fragen der Bezahlung, der Arbeitszeit und der Absicherung von Arbeitsplatz und Arbeitsqualität die KollegInnen zu mobilisieren.

Schaffen es die Gewerkschaften und Betriebsräte nicht das Jahr 2006 zu ersten Mobilisierungsschritten - etwa gegen die EU-Dienstleistungsrichtlinie - zu nutzen, werden die KV-Verhandlungen nächstes Jahr noch viel schwieriger werden.

Die 37.000 Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitsbereich müssen also auch in Zukunft im Niedriglohnsektor arbeiten, die Masse der „working poor“ - gerade hier sind viele Frauen, und diese oft Teilzeit, beschäftigt – wird weiter ansteigen.Die Schmerzgrenze ist (nicht erst jetzt) erreicht – und die GPA übertitelt dies mit „erfolgreicher KV-Abschluss“ und freut sich über „doch noch ein Reallohnzuwachs“.