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Frauen in der Gremienfalle

Meinung Von Karin Antlanger

Ob Muttertag, Frauentag, Valentinstag – sie alle haben eines gemeinsam: die Medien sind einen Tag lang voll mit Erklärungen, welchen Ursprungs dieser Tag ist, woher er kommt, was an diesem Tag ausgedrückt werden will und was erreicht werden soll und dass wir alle nett zueinander sein sollen. Auch wenn der Internationale Frauentag (noch) nicht verkommerzialisiert ist, so läuft auch dieser schon sehr ritualisiert ab. Die sozialdemokratischen GewerkschafterInnen verteilen in vielen Betrieben die obligaten roten Billig-Import-Nelken, GLB und KommunistInnen machen dies zumindest in Verbindung mit der Verteilung inhaltlicher Folder, die ÖVP gibt staatsmännische Erklärungen zum Thema ab, die Grünen werden in der Frauenfrage von Jahr zu Jahr lahmer und selbst die autonome feministische Szene zieht sich mehr und mehr in ihr Schneckenhaus zurück. Vorbei die Zeiten starker bunter Demonstrationen und Veranstaltungen zum 8. März – der gesellschaftliche back-lash hat die Frauenbewegung mit der vollen Breitseite erwischt.

Zu Zeiten einer Johanna Dohnal als Frauenstaatssekretärin standen noch Forderungen wie die nach einer Entfernung aller (billigeren) Frauenlohngruppen aus den Kollektivverträgen auf der Tagesordnung. Heute, rund zwanzig Jahre später, haben wir zwar keine Frauenlohngruppen mehr, dafür aber frauendominierte Branchen, wie die der Sozial- und Gesundheitsberufe, in denen generell schlecht bezahlt wird.

Wenn nach wie vor die Rede davon ist, dass die Einkommensschere immer weiter auseinanderklafft, so liegt dies nicht nur daran, dass Branchen mit hohem Lohnniveau für Frauen weiterhin nicht zugänglich sind (z.B. Metaller-KV), sondern auch daran, dass die Frauengremien des ÖGB oder der einzelnen Gewerkschaften als Sackgassen konstruiert sind: zum einen sind es meist Gremien, die kaum über Entscheidungskompetenz verfügen und somit zwar ein wenig diskutieren dürfen, aber mehr schon nicht. Zum anderen verlieren engagierte Frauen binnen Kürze jegliches Interesse an einer Delegierung in gewerkschaftliche Frauenausschüsse jedweder Art, da sie bald erkennen müssen, dass sie für jedes Gremium damit praktisch beinahe einen doppelt so hohen Zeitaufwand haben wie ihre männlichen Kollegen und die Entscheidungen dann eh nur in den gemischt geschlechtlich besetzten Gremien fallen.

Wenn Frauen immer noch den größeren Teil an der gesellschaftlichen Reproduktionsarbeit (Haushalt, Kindererziehung etc.) leisten, wenn daraus abgeleitet wird, dass sie deswegen „natürlich“ auch weniger Zeit und Interesse für Gewerkschaftsarbeit haben können, dann wird ihnen allein aufgrund ihres Geschlechts auch noch zugemutet, dass sie sich z.B. nicht nur in einen Regionalvorstand einer Gewerkschaft wählen lassen sondern sich auch noch zusätzlich in den dazugehörigen Frauenregionalvorstand delegieren lassen, der aber eh nichts entscheiden kann…

Vielleicht sollten wir die alte Redensart der feministischen Frauenbewegung, die da sinngemäß hieß „Die Frauen tragen den Großteil der gesellschaftlich notwendigen Arbeit“ umwandeln und im Hinblick auf die Alltagspraxis in der Gewerkschaftsarbeit modifizieren: „Die Frauen sind nicht mehr gewillt, einen großen Teil ihrer Arbeit in gesellschaftlich nicht notwendigen Gremien zu leisten.“

Karin Antlanger, Juristin und Sozialpädagogin, BRV EXIT-sozial Linz, GLB-Bundesvorsitzende