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Ist die Zerstörung der Post noch aufzuhalten?

OÖ Protestaktion gegen Postamtsschließung in Altenhof

Die erste Welle der Postamtsschließung ist vorüber – zurück bleibt ein Scherbenhaufen. 94 Postämter – also jedes vierte Postamt – allein in Oberösterreich wurden zugesperrt, in nahezu allen Fällen unter mehr oder weniger großem Protest der Bevölkerung. Tausende Haushalte sind betroffen. Besonders für ältere Leute bedeutet dieser rigorose Sparkurs eine wesentliche Einschränkung an Lebensqualität und zusätzliche Erschwernis. Mit großem Trara wurde versucht, sogenannte ”Postpartner” aus dem Hut zu zaubern. Aber in nicht einmal für 20 Prozent der von der Schließung betroffenen Postämter wurde ein ”Partner” gefunden. Und auch die machen nur solange mit, wie sich das Geschäft rentiert. Vielfach wurden die Gemeinden nicht einmal rechtzeitig verständigt und wo es Anfragen gab, wurden die Schließung abgestritten.

Zu sagen wäre noch , daß die Medien zu diesen möglichst in aller Stille erfolgten Schließungen auffallende Zurückhaltung übten. Egal ob Regionalfernsehen, große Tageszeitungen oder Bezirksblätter, die sonst über jeden „Schas“ berichten (ein Feuerwehreinsatz über die Rettung einer in der Dachröhre verirrten Katze etc.) kündigen die Schließungen (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nicht an, auch Protestaktionen werden mit keinem Wort erwähnt.

Kein öffentlicher Dienst im ländlichen Raum?

Interessant ist auch folgender Gesichtspunkt: Beinahe alle der geschlossenen Postämter befinden sich im ländlichem Raum, dem in einem ÖVP-Papier großer Stellenwert eingeräumt wird. Fast alle betroffenen Orte werden von ÖVP-Bürgermeistern ”regiert”, von denen sich nicht wenige (zumindest insgeheim) die Hände reiben, weil viele Postkunden aus berechtigtem Ärger ihre Konten von der PSK zur ortsansässigen Raika wechseln. So ist neben dem Imageschaden der Post auch ein beträchtlicher finanzieller Verlust zu verzeichnen.

Dazu kommt eine enorme Geldvernichtung, die das verantwortliche Management auf dem Gewissen hat. Zahlreiche Postämter wurden während der letzten Jahre völlig neu renoviert und/oder haben langjährige Mietverträge – alles für den Hugo. Ein bezeichnendes Beispiel dazu: Das Postamt Altenhof wurde mit beträchtlichem Mehraufwand speziell für die 145 Rollstuhlfahrer des ”Dorfes” behindertengerecht gebaut – seit 14. Juni 2002 geschlossene Sache.

Altenhof: Der GLB protestiert

Der GLB hat zu dieser besonders empörenden Schließung zum Protest aufgerufen. Unterstützt wurde diese Aktion am 10. Juni 2002 vom Dorfrat, den Sprechern der Behinderten und dem Betriebsrat. Weiters beteiligten sich der SPÖ-Landtagsabgeordnete Erich Pilsner und der Angestelltenbetriebsrat einer ortsansässigen Firma. Neben betroffenen RollstuhlfahrerInnen wurde der Protest auch von Ortsbewohnern unterstützt, wobei besonders einige Frauen die gesamte Problematik recht genau einschätzten. ”Wenn wir uns alles gefallen lassen”, meinten sie ”so werden auch bald die nichtgewinnbringenden Postautobuslinien im ländlichen Raum zugesperrt. Die Pläne dafür liegen ja bereits auf dem Tisch”.

Hinter den 13. Juni 1913 – der Eröffnung des K.u.K. Postamtes Altenhof am Hausruck - fällt die „Gelbe Post“ mit der Schließung des 1990 laut örtlicher Postchronik neu errichteten Altenhofer Postamtes am 14. Juni 2002 zurück – ein Schildbürgerstreich ersten Ranges. Zum besseren Verständnis baten die Verantwortlichen am 10. Juni (also fünf Tage vor Ultimo) zum „Infotag“ und versüßten das Ganze mit Kaffee und Kuchen...

Deregulierung – Liberalisierung – Privatisierung

Wie bei der Telekom, der Bahn usw. werden tausende Arbeitsplätze abgebaut. Egal ob durch Frühpensionierung, durch großzügige Abfertigung, Aufnahmestop, freiwillige oder erzwungene Trennung von Mitarbeitern – Ziel ist, die Unternehmen für private Interessen profitabel zu vermarkten.

Die Frage ist, wie lange können sich die Gewerkschaften noch leisten, diese Zerstörungspläne der Regierung nahezu tatenlos hinzunehmen. Der Unmut über diese Politik wird immer größer. Wann endlich folgen auf verbale oder papierene Proteste Kampfmaßnahmen, um diese Raubritter in die Schranken zu weisen und letztes öffentliches Eigentum vor der Zerschlagung und Privatisierung zu bewahren?

Stefan Krenn