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Internationaler Frauentag

Meinung Von Claudia Klimt-Weithaler
Leiterin der Kinderkrippe des Vereins "Modellino" in Graz
KPÖ-Landtagsabgeordnete in der Steiermark

Mädchen wachsen heute in dem Gefühl auf, dass sie gleichberechtigt sind und ihnen später alle Türen offen stehen. Die Frauenbewegung erscheint ihnen antiquiert, deren Ziele sind ja vermeintlich schon erreicht. Das böse Erwachen kommt nach dem Schulabschluss, bei Studentinnen nach dem Examen: ihre Berufs- und Aufstiegschancen sind schlechter, Frauen bekommen für gleiche Arbeit weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Durch Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse weitet sich die Ungleichheit in der Einkommensverteilung aus. 37,1 Prozent der Frauen sind teilzeitbeschäftigt, jedoch nur 3,9 Prozent der Männer. Die Einkommen von Frauen lagen 2003 bei 67, 2 Prozent der Männereinkommen – der Abstand war um 1,5 Prozentpunkte größer als Mitte der 90er Jahre. Frauen werden weltweit benachteiligt, auch in unserer Gesellschaft ist dies eine Tatsache. Für viele Frauen steht Gewalt an der Tagesordnung.

Der Internationale Frauentag entstand im Kontext der ArbeiterInnenbewegung. 1911 fanden dazu in Österreich erstmalig Veranstaltungen statt. Mehr als 20.000 Frauen forderten in einer Demonstration auf der Ringstraße in Wien die Einführung des Frauenwahlrechtes. Verboten wurde er unter den Nazis, entpolitisiert in den Nachkriegsjahren. Ende der 60er Jahre entwickelte er sich wieder zu einer wichtigen Plattform der Frauenbewegung, in der frauenspezifische Unterdrückung angeprangert und Bedürfnisse lautstark und kreativ formuliert wurden. Auch heute noch steht der Frauentag für die Durchsetzung elementarer Rechte von Frauen, unabhängig von Alter und Herkunft!

Wir brauchen eine Frauenpolitik mit Mut zur Utopie. Wir müssen auf unsere eigenen Bedürfnisse hören und sie nicht Sachzwängen unterordnen! Mut zur Utopie heißt auch, Alternativen zu entwickeln und auszuprobieren und sich mit Menschen, die gesellschaftliche Veränderungen anstreben solidarisch auseinander zusetzen. Wir brauchen eine Frauenpolitik, die Maßnahmen setzt – Plakatwände mit Frauenthemen sind allein zu wenig!

Bei Einrichtungen und Projekte, die Mädchen und Frauen beraten und unterstützen, darf nicht der Sparstift angesetzt werden! Wir brauchen flächendeckende, hochwertige und leistbare Kinderbetreuungseinrichtungen! Wir brauchen eine Frauenpolitik, die an den Lebensrealitäten der Frauen ansetzt: Schon vor über 200 Jahren formulierte die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges: „Dass auch die Menschenrechte ein Geschlecht haben!“

Letztendlich muss unser Ziel eine Gesellschaft sein, in der das Geschlecht keine Rolle mehr spielt, weil wir alle, Frauen, Männer und Kinder unseren Bedürfnissen entsprechend gleich behandelt werden!