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Frauen im Tourismus: Frust und Enttäuschung

Meinung Von Leo Furtlehner

Der Tourismus ist eine Frauenbranche, zwei Drittel der 163.644 Beschäftigten sind weiblich. Und das obwohl die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerade in diesem Wirtschaftszweig oft unmöglich gemacht wird. Dem Interesse am „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ (AMS-Motto zur Anwerbung von Arbeitskräften aus Ostdeutschland) folgt meist bald Frust und Enttäuschung. Das ist das Ergebnis einer Studie der Gewerkschaften HGPD und GPA und der AK-Wien. Die Gründe für den Frust liegen vor allem in einer sogar vom Industriellen und Arbeitsminister Martin Bartenstein bestätigten schlechten Bezahlung – die im auffallenden Widerspruch zu den ständigen Rekordmeldungen etwa über die Wintersaison oder den Städtetourismus steht. 2004 verdienten ArbeiterInnen und Angestellte im Durchschnitt 2.105 Euro brutto, im Tourismus waren es nur 1.429 Euro monatlich, was viele aus der Branche vertreibt, wie HGPD-Vorsitzender Rudolf Kaske zum Auftakt der KV-Verhandlungen feststellte.

Dazu kommen das raue Arbeitsklima, Verunmöglichung des Wiedereinstiegs nach der Karenz und das Fehlen spezifischer Weiterbildungsangebote für Beschäftigte mit Betreuungspflichten. Verglichen mit der Gesamtwirtschaft ist auch die Arbeitslosigkeit im Tourismus auffallend hoch: Seit dem Jahre 2000 ist zwar die Beschäftigtenzahl um 14.000, das sind 9,4 Prozent gestiegen, die Arbeitslosigkeit aber um fast 7.000, das ist ein Plus von 23 Prozent. Eine Übernahme in das Angestellten-Schema gilt als Belohnung: 84 Prozent der Frauen und 86 Prozent der Männer im Tourismus sind immer noch ArbeiterInnen.

Kommen in der Gesamtwirtschaft auf hundert Arbeitsplätze im Jahresdurchschnitt 120 Beschäftigte, sind es im Tourismus 170. Nur ein Drittel hat eine ganzjährige Beschäftigung. In der früher „Fremdenverkehr“ genannten Branche haben nur die Jungen und Starken eine Chance: 40 Prozent der Beschäftigten sind unter 30, nur elf Prozent über 50. In den letzten 15 Jahren hat kaum jemand eine Chance bis zur Pensionierung durchzuhalten. Verlassen in der Gesamtwirtschaft nach zehn Jahren ein Viertel die Branche ohne Pensionierung, im Tourismus sind es fast die Hälfte.

Österreich ist ein Tourismusland. Entsprechend werden auch die zahlreichen Angebote für entsprechende Ausbildungen von der Lehre bis zur Universität massiv beworben. Dass dabei oft nur die billige Arbeitskraft gewünscht wird, macht das Drängen der Unternehmer deutlich, dass Lehrlinge jeden Sonntag arbeiten müssen. Derzeit dürfen sie das nur jeden zweiten Sonntag, mit Genehmigung des Arbeitsinspektorats kann das in der Saison freilich bis zu elf Wochen durchgehend auf jeden Sonntag ausgedehnt werden. Kein Wunder, dass eine Aktion der HGPD-Jugend gegen die Sonntagsarbeit in kurzer Zeit von 12.000 Menschen unterstützt wurde.

Aus: „Die Arbeit“, 2/2006