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Arbeitszeitflexibilisierung öffnete Tür und Tor für weitere Unternehmervorstöße

News „Die demonstrative Bereitschaft für flexible Arbeitszeitmodelle und der Verzicht auf den Kampf für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung war offensichtlich eine falsche Strategie des ÖGB“ meint Karin Antlanger, Bundesvorsitzende der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB). Sie verweist dazu auf die ständigen Vorstöße der Unternehmerseite für längere Arbeitszeiten sowie auf die Tatsache, dass Österreich mit 44,1 Stunden nach Griechenland (44,3) EU-weit die längste reale Wochenarbeitszeit aufweist. Nach dem Motto „Gibst du mir den kleinen Finger, dann will ich gleich die ganze Hand“ nutzen Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung offensichtlich die Bereitschaft der Gewerkschaften für flexible Arbeitszeiten für eine weitere Ausdehnung der Arbeitszeiten. Der bekennende Sozialpartner WKÖ-Präsident Christoph Leitl forciert dabei sogar eine 60-Stunden-Woche. Vor allem geht es bei diesen Vorstößen darum, durch Streichung von Überstundenzuschlägen die über die Regelarbeitszeit hinaus geleisteten Stunden zur Normalarbeitszeit zu machen.

„Mit einer solchen Arbeitszeitverlängerung verbunden wäre ein Kaufkraftverlust, der wirtschaftspolitisch völlig kontraproduktiv wäre. Dem muss aber von den Gewerkschaften ein Riegel vorgeschoben werden, insbesondere auch in Hinblick auf den Widerspruch, dass einerseits ein Teil der Lohnabhängigen ständig Überstunden zu leisten hat, andererseits immer mehr Menschen keine Arbeit haben“, meint Antlanger dazu.

Der ÖGB hat zwar erstmals beim Bundeskongress 1987 eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Wochenstunden gefordert und seither regelmäßig bei jedem Kongress bekräftigt. Realpolitisch wurde jedoch aus Rücksicht auf die „Standort“-Argumentation der Unternehmerseite darauf verzichtet, die Arbeitszeitverkürzung durchzusetzen. Im Ergebnis weist Österreich ein extrem hohes Ausmaß an Flexibilisierung auf, das auch einkommensmässig keineswegs abgedeckt wird, wie ein Vergleich der Lohnkosten mit anderen EU-Ländern beweist.

Der GLB bekräftigt daher neuerlich seine Forderung nach rascher Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich und einen radikaleren Kurs der Gewerkschaften insbesondere in der Arbeitszeit- und Lohnpolitik. Antlanger verweist dazu auf die Ergebnisse der ÖGB-Urabstimmung vom Herbst 2001, bei der die Gewerkschaftsmitglieder mit 88 Prozent auch für Kampfmaßnahmen zur Durchsetzung wichtiger Forderungen der Lohnabhängigen gestimmt hatten.