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Verzicht des ÖGB auf Arbeitszeitverkürzung forcierte Prekarisierung

News Laut der letzten Eurostat-Statistik ist Österreich nach Slowenien (43,3) mit einer tatsächlich geleisteten Arbeitszeit von 42,9 Stunden pro Woche „Vizeeuropameister“. Auf den Plätzen folgen Deutschland (42,3), Tschechien (42,0), Slowakei (41,6), Ungarn 41,4) und Italien (40,3). Österreich liegt mit seinem Wert sowohl über dem Durchschnitt der EU15 (40,8) als auch der zehn neuen EU-Mitgliedsländer (41,9). Damit arbeiten die vollbeschäftigten ÖsterreicherInnen durchschnittlich um 4,1 Stunden länger als der Durchschnitt der Kollektivverträge (38,8 Stunden) vorsieht. Die Spannweite der KV-Arbeitszeit bewegt sich zwischen 35 Stunden in Frankreich und 40 Stunden in Griechenland. Während im Schnitt der EU15 die Beschäftigten im öffentlichen Dienst 37,1 Wochenstunden arbeiten, gilt für Österreichs öffentlich Bedienstete immer noch die 40-Stundenwoche.

„Der ÖGB fordert zwar seit 1987 regelmäßig die 35-Stundenwoche, tatsächlich hat er sich auf die Unternehmerformel der Flexibilisierung eingelassen, das Ergebnis ist eine der längsten realen Arbeitszeiten Europas. Während als Kehrseite immer mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit oder in prekäre Arbeitsverhältnisse abgedrängt werden“, stellt dazu Karin Antlanger, Bundesvorsitzende der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) fest: „Die enorm gestiegene Produktivität der Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren weder bei der Arbeitszeit noch bei den Löhnen niedergeschlagen“, kritisiert Antlanger weiters.

Wenn der ÖGB jetzt wieder einmal zu Recht Verbesserungen für atypisch Beschäftigte fordert, gilt es ihn daran zu erinnern, dass er mit dem Verzicht für eine Arbeitszeitverkürzung zu kämpfen und gleichzeitig die Unternehmerformel der Flexibilisierung – die real auf den Abbau von der Zuschläge für Überstunden und damit die Verbilligung der Arbeit hinausläuft – mitzutragen die Prekarisierung selbst begünstigt hat. Die Durchsetzung einer Vollversicherung für alle prekären Arbeitsverhältnisse, vor allem der geringfügig Beschäftigten, ist daher sozialpolitisch geradezu ein Muss.

Nach dem Motto „Gibst du mir den kleinen Finger, dann will ich gleich die ganze Hand“ nutzen Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung offensichtlich die Bereitschaft der Gewerkschaften für flexible Arbeitszeiten für eine weitere Ausdehnung der Arbeitszeiten. Der bekennende Sozialpartner WKÖ-Präsident Christoph Leitl forciert dabei sogar eine 60-Stunden-Woche.

Der GLB bekräftigt daher neuerlich seine Forderung nach rascher Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohn – was durch die enorm gestiegene Produktivität auch finanzierbar wäre – und einen radikaleren Kurs der Gewerkschaften insbesondere in der Arbeitszeit- und Lohnpolitik. Antlanger verweist dazu auf die Ergebnisse der ÖGB-Urabstimmung vom Herbst 2001, bei der die Gewerkschaftsmitglieder mit 88 Prozent auch für Kampfmaßnahmen zur Durchsetzung wichtiger Forderungen der Lohnabhängigen gestimmt hatten.