Von Claudia Krieglsteiner

Wochenlang tobte in Wien in den Meinungsspalten und auf Leserbriefseiten von Zeitungen der ideologische Streit um weibliche Piktogramme. Um symbolische Bildchen also, die Hinweise auf reservierte Sitzplätze in öffentlichen Verkehrsmitteln, Fluchtwege oder die Straßenverkehrsordnung geben sollen. Bislang sind diese symbolischen Darstellungen nämlich unschwer als männliche Wesen zu entziffern. Die Stadt Wien hat nun beschlossen einen Teil dieser Hinweisschilder mit weiblichen Menschen-Symbolen auszustatten. Eine Selbstverständlichkeit, über die kein Aufhebens zu machen wäre, oder vielleicht auch eine Sache, die gar nicht soo wichtig? Mitnichten. Wochenlang DER Aufreger in der Stadt.

Im Jänner 07 erklärte der Vorsitzende des Verbandes der Österreichischen Sicherheitsingenieure, ehedem Sicherheitschef der Wiener Linien, Franz Kaida, warum die geplanten Tafeln nicht kommen werden. "Man muss sich vorstellen, dass Menschen (!) in Paniksituationen, etwa wenn es in einem Haus brennt, verwirrt werden könnten und denken könnten, das ist ein Fluchtweg nur für Frauen - und ich muss woanders hinrennen."

Glücklicherweise müssen die Menschen sich dieser Verwirrung aber ohnehin nicht aussetzen, weil die geplanten neuen Fluchtwegtafeln nicht der einschlägigen EU-Norm entsprechen sollen. Denn, so zitiert Franz Kaida die EU-Norm: "Geringfügige Abweichungen sind nur dann zulässig, wenn die Bedeutung der Aussage nicht verändert oder vermindert wird".

Und selbstverständlich ist zum Beispiel die Aussage, dass sich hier ein Fluchtweg befindet verändert oder wahrscheinlich eher vermindert, wenn statt des symbolischen männlichen Menschen eine Frau abgebildet wird.

Gleichzeitig mit der Schilder-Kampagne und ihrer anschließenden Beendigung veröffentlichte der Rechnungshof übrigens seinen Bericht über das Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen. Die Schere geht weiter auf: Frauen verdienen um 40% weniger als Männer! Die Ursachen für diese enorme Ungleichheit? Mehr als dreiviertel der Frauen arbeiten in klassischen Frauenberufen in denen systematisch unterbezahlt wird. Nach wie vor ist die starke Teilzeitbeschäftigung ausschlaggebend für schlechten Verdienst und nicht existenzsichernde Pensionen von Frauen.

Diese ergibt sich aber auch den Nicht-Erwerbsarbeits-Verpflichtungen dieser Frauen. Aber selbst in führenden Tätigkeiten bekommen Frauen nur die Hälfte des Gehalts von Männern in vergleichbaren Positionen. Sicher - mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes, in dem aber dafür nach wie vor die gläsernen Decken tief hängen.

Dieser Bericht des Rechnungshofes hat kaum Reaktionen hervorgerufen, wurde nirgendwo skandalisiert, geschweige denn so rasch Abhilfe durch EU-Normen gefunden. Es scheint ein Unrecht zu sein, an das sich alle - selbst die Betroffenen - seit langem gewöhnt haben.

Also entweder ist das die Erklärung, weil man sonst nicht gerade sagen kann, dass Einkommensfragen eh nicht so wichtig sind, oder es gibt Aufregung immer nur dann, wenn sich etwas zu Gunsten der Frauen verändern soll, sogar dann, wenn es sich um rein symbolische Bilder handelt.