Von Anita Kainz

Maria (81 Jahre) sitzt im Rollstuhl in einem Wiener Pflegeheim. Sie lebt nur mehr von ihren Erinnerungen. Da waren der Krieg und die schwierigen Nachkriegsjahre. Sie hat ihr ganzes Leben schwer gearbeitet und musste sparsam mit ihrem Geld umgehen. Ihr niedriger Lohn wirkte sich natürlich auf die Höhe ihrer Pension aus. Zum Glück bekommt sie nicht mehr mit, dass sie laut Medienberichten zu den Sozialschmarotzern gehört, die dem Staat zur Last fallen. Anna, Marias Tochter hatte einen Lehrabschluss und begann als Verkäuferin beim Konsum zu arbeiten. Der Beruf machte ihr Spaß und sie konnte sich mit ihrer Tochter sogar einen Urlaub leisten. Doch da kam die Konsumpleite und Anna stand von heute auf morgen ohne Arbeit da. Sie bekam keinen Vollzeitarbeitsplatz mehr und verdiente daher auch viel weniger. Zwei Jahre vor der Pension wurde sie krankheitshalber arbeitslos. So wie ihre Mutter ging sie mit einer Mindestpension in den Ruhestand. Regelmäßig besucht sie ihre Mutter im Pflegeheim und wünscht sich, nie in deren Lage zu kommen.

Lena, Marias Enkelin hatte eine bessere Voraussetzung für ihr Berufsleben. Sie konnte mit Unterstützung ihrer Mutter studieren und fand nach Beendigung des Studiums einen gut bezahlten Job. Doch nach einigen Jahren ging die Firma Pleite und Lena erhielt nicht einmal eine Abfertigung. Sie musste eine schlechter bezahlte Arbeit annehmen, da ihr sonst das Arbeitslosengeld gestrichen worden wäre. Lena wird trotz ihrer guten Ausbildung einmal nur eine geringe Pension bekommen, denn die Regierung hat die ASVG-Pension abgeschafft. Ab 1. Jänner 2005 bekommen alle, die nach dem Jahr 1955 geboren sind, ein Pensionskonto. Das bedeutet für alle – aber besonders für Frauen – einen Verlust von bis zu 15 Prozent.

Dieses Beispiel zeigt, dass sich für Frauen die finanzielle Benachteiligung bis heute nicht geändert hat. Ob diese Geschichte unendlich bleibt, hängt ganz davon ab, wie lange sich die Frauen das noch gefallen lassen, denn wer nicht kämpft, hat schon verloren…