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EM-Sonntage für Fußball – nicht für den Handel

Meinung Von Oliver Jonischkeit

Ein Jahr vor dem angeblichen „Jahrhundertereignis“, der Fußball-EM in der Schweiz und Österreich und kurz nach Abschluss des nicht gerade rühmlichen Event-KV im Handel (die Arbeit nach 21 Uhr ist dann natürlich freiwillig, die Praxis erleben wir jährlich am 8. Dezember) droht nun ein weiterer „sozialpartnerschaftlicher“ Angriff auf die Interessen der Handelsangestellten. Bereits vor etlichen Wochen diskutierte eine Arbeitsgruppe während einer Sitzung des GPA-Bundesvorstandes darüber, ob und wie während des „Jahrhundertereignisses Fußball-EM“ eine Sonntagsöffnung an den EM-Spielorten auch für die Gewerkschaft vorstellbar wäre.

Dabei wurde die glorreiche Idee geboren, dass dies nur dann der Fall sein dürfe, wenn etwa die Landeshauptleute schriftlich erklären, dass kein weiterer Unfug mit der Sonntagsöffnung betrieben wird. Wenn dies die GPA bereits beruhigt, können sich die Handelsangestellten ja schon auf einiges gefasst machen. Kurz nach der GPA-internen Diskussion meldete sich auch schon die Wiener Vizebürgermeisterin Brauner zu Wort und forderte, die Geschäfte an diesen Tagen zu öffnen.

Das will nun plötzlich auch der Wörgler Bürgermeister – obwohl dort die EM gar nicht ausgetragen wird, aber ein EM-Event mittels Großleinwand lässt sich natürlich auch dort schnell organisieren. Wie in vielen anderen österreichischen Städten auch.

Wenn die Gewerkschaft die Sonntagsöffnung bei der Fußball-EM zulässt, obwohl diese von ca. 80 Prozent der VerkäuferInnen abgelehnt wird, wie sie selbst zugibt, werden viele weitere „Jahrhundertereignisse“ die Folge sein – von der „Kulturhauptstadt Linz“ angefangen bis zu den einzigartigen Feuerwehrfestln auf dem Land. Die „Büchse der Pandora“ wäre damit geöffnet und wir wären einen großen Schritt weiter in Richtung „rund um die Uhr“-Öffnung im Handel, von dem v.a. die großen Einkaufszentren und Handelsketten profitieren und weiteren kleinen Geschäften den Garaus machen würden. Mit allen Folgen für die Versorgung vor Ort. Ganz zu schweigen von den Folgen für die im Handel Beschäftigten, denen ein geregeltes Familien- und Privatleben damit unmöglich gemacht würde.

Ausgerechnet die GPA würde damit die gerade auch von ihr wesentlich getragene „Allianz für den arbeitsfreien Sonntag“ entscheidend schwächen. Die GPA ist gut beraten, sich an den Interessen der Handelsangestellten zu orientieren, die den arbeitsfreien Sonntag auch während der EM wollen. Entsprechenden Begehrlichkeiten der Unternehmen, von Landeshauptleuten und BürgermeisterInnen, muss entschiedener Widerstand statt „sozialpartnerschaftlicher Lösungen“ entgegengesetzt werden. Der GLB in der GPA lehnt die Sonntagsöffnung im Handel vor, während und nach der EM jedenfalls entschieden ab.

Oliver Jonischkeit ist ÖGB-Sekretär und Bundessekretär des GLB