Dringenden Handlungsbedarf bei der Berufsausbildung sieht die Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) in Hinblick auf über 10.000 fehlende Lehrstellen für SchulabgängerInnen: „Rasche Maßnahmen und eine gründliche Reform der Berufsausbildung sind vor allem auch im Zusammenhang mit dem von der Wirtschaft ständig beklagten FacharbeiterInnenmangel zu sehen“, meint GLB-Bundesvorsitzende Karin Antlanger. Laut AK-Niederösterreich suchen beispielsweise bundesweit 2.339 Jugendliche eine Lehrstelle im Bereich der Metall- und Elektroberufe, die Unternehmen bieten aber nur 648 Lehrstellen an. Mit der Forderung nach ausländischen FacharbeiterInnen will sich die Wirtschaft offensichtlich aus ihrer Verantwortung für die Berufsausbildung entziehen und gleichzeitig auf das Lohn- und Sozialniveau drücken.

Gegen die Jugendarbeitslosigkeit und Ausbildungsmisere sieht der GLB als Sofortmaßnahme eine Ausbildungsverpflichtung, derzufolge alle Unternehmen in einem bestimmten Prozentsatz der Beschäftigten Lehrlinge ausbilden müssen. Weiters verlangt der GLB eine Berufsausbildungsabgabe gemessen an der Wertschöpfung. Betriebe die sich von ihrer Verpflichtung zur Ausbildung drücken müssen über eine solche Abgabe wenigstens zur Finanzierung von Maßnahmen der betrieblichen oder überbetrieblichen Berufsausbildung wie etwa Lehrwerkstätten beitragen. Darüber hinaus ist eine grundlegende Reform der Berufsausbildung durch Eingliederung in das öffentliche Bildungswesen erforderlich.

Die Defizite bei der Berufsausbildung sind auch ein Ergebnis der Zerschlagung und Privatisierung der Verstaatlichten. Bis Ende der 80er Jahre bildeten die großen Lehrwerkstätten dieser Betriebe weit über ihren eigenen Bedarf hinaus qualifizierte Fachkräfte aus und hatten eine Vorbildfunktion auch für die Privatwirtschaft. Wenn nach Börsegängen oder Verkauf von früher im öffentlichen Eigentum stehenden Unternehmen die Dividende für die AktionärInnen das Maß aller Dinge ist, bleiben Aufgaben wie die Berufsausbildung zwangsläufig auf der Strecke.

Seit 1980 ist die Zahl der Lehrlinge von 200.000 auf 126.000 gesunken. Nach wie vor konzentriert sich die Berufsausbildung auf einige wenige Berufsbilder, bislang ist es nur unzureichend gelungen, dass Frauen so genannte „typische Männerberufe“ erlernen. Die derzeit nach dem Gießkannenprinzip erfolgende Lehrstellenförderung mit dem „Blum-Bonus“ muss daher rasch auf eine zielgerichtete Förderung, etwa für Frauen in Männerberufen, umorientiert werden: „Es kann und darf nicht akzeptiert werden, dass für tausende SchulabgängerInnen statt einer Lehre nur die Leere kommt und ihnen die Zukunft geraubt wird“, so Antlanger abschließend.