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Kritik am Lohnabschluss

Meinung Von Thomas Schulz, BRV-Stv. bei der Wiener Staatsoper

Am 22. Oktober stimmte der Aufsichtsrat der Bundestheaterholding einem, laut KMSfB „erfreulichen“, Lohnabschluss zu. Demnach werden die Bezüge der Beschäftigten der Bundestheater für die Zeit vom 1. September 2007 bis zum 31. Dezember 2007 um 2,0 Prozent und ab 1. Jänner 2008 um weitere 0,75 Prozent, insgesamt um 2,75 Prozent, angehoben. Wenn aber der Gehaltsabschluss des Öffentlichen Dienstes für das kommende Kalenderjahr über 2,75 Prozent liegen, erhöhen sich die Bezüge der Bundestheaterbediensteten ab 1. Jänner 2008 wie jene der Bundesbeamten, höchstens aber um 2,9 Prozent.

Wenn man die Erhöhung ab Jänner von mindestens 2.75 Prozent hernimmt, klingt der Lohnabschluss prinzipiell nicht schlecht. Doch was ist mit den Monaten September bis Dezember? Laut „Statistik Austria“ stieg die Inflationsrate im September auf 2,1 Prozent und es ist auch nicht zu erwarten, dass sie in den nächsten Monaten noch sinkt. Also liegt der Lohnabschluss für vier Monate unter der Inflationsrate.

2 Prozent sind eindeutig zu wenig!

Aber auch die Lohnerhöhung ab Jänner 2008 schaut nur auf den ersten Blick gut aus. Die erwartete Inflationsrate von 1,9 Prozent wird die Lohnerhöhung auf 0,85 Prozent reduzieren. Und diese 0,85 Prozent werden durch Steigerungen bei den Sozialabgaben und Steuer fast zur Gänze aufgefressen. Fast 90 Prozent der ausverhandelten Lohnerhöhung werden also von Inflation, Steuer- und Abgabenerhöhung geschluckt. Es bleibt real (bezogen auf die Kaufkraft) somit nur mehr ein sehr geringer Zuwachs übrig!

Die „Anlehnung“ an den Öffentlichen Dienst schaut nicht einmal auf den ersten Blick gut aus. Zwar konnte die GÖD in den letzten Jahren einige Male höher als unsere Verhandler abschließen (was keine Kunst war), doch wenn man den Abschluss vom letzten Jahr von 2,35 Prozent betrachtet und die Aussage von Doris Bures (SPÖ, Beamtenministerin) hernimmt, die meinte, dass es bei den Lohnverhandlungen einen Unterschied zur Privatwirtschaft gebe, weil es bei den Beamtengehältern um Steuergelder und nicht um Unternehmensgewinne gehe, lässt nichts Gutes ahnen. Was die gute Frau anscheinend nicht weiß, ist, dass Geld „kein Mascherl“ trägt und in beiden Fällen aus der Arbeit der Unselbständigen (also von uns) stammt.

Offensichtlich hat sich unsere Gewerkschaft wieder einmal zu Tode gefürchtet, statt nachdrücklich zu verhandeln. Trotz meiner Kritik an der Gewerkschaft bin ich aber der Ansicht, dass eine schlechte Gewerkschaft alle Mal besser ist als gar keine. Es ist eine unserer Aufgaben, immer wieder darauf zu drängen, dass der ÖGB unsere Interessen gegenüber den Arbeitgebern besser vertritt.

Die Gewerkschaft sind wir!