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Gesundheitssektor: Frauen rufen zu weltweiter Aktion auf

Meinung Von Hubert Schmiedbauer

Weltweit sind Frauen die große Mehrheit der Beschäftigten im Gesundheitssektor. Gemeinsam haben sie in fast allen Ländern den Druck auf ihre berufliche und soziale Situation. Gemeinsam haben sie, dass es in fast allen Ländern an Gesundheitspersonal mangelt. Gemeinsam haben sie auch die Ursachen für diese Probleme, wurde unlängst beim Wiener Weltkongress der Gewerkschaften im Sektor öffentlicher Dienstleistungen (IÖD) sehr anschaulich dargestellt und die Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Die Erfahrungen der österreichischen Kolleginnen im Gesundheitswesen decken sich weitgehend mit dem, was aus anderen Industrieländern oder aus den Entwicklungsländern berichtet wurde. Als Anhaltspunkt soll hier der Entschließungsantrag der kanadischen Union of Public and General Employees dienen – es ist unmöglich, der Fülle an Berichten und Beiträgen Rechnung zu tragen, denn hunderte Frauen der 1500 Delegierten aus aller Welt hatten sich im Plenum, in Arbeitsgruppen und Einzelforen zum Wort gemeldet.

Unzulängliche Finanzierung des Gesundheitswesens in vielen Industriestaaten, Privatisierung, Umstrukturierungen, niedrige Entlohnung, starke Arbeitsbelastung, Gewalt und Diskriminierung am Arbeitsplatz lassen viele Frauen ihren Beruf aufgeben. Andererseits führen noch schlechtere Bedingungen in Entwicklungsländern immer mehr Frauen zu Auswanderung – begünstigt durch massive Kampagnen zur Anwerbung in die vom Personalschwund betroffenen Industrieländer. Das führt zur Rekrutierung von „Billigarbeitskräften“, andererseits aber zur Schwächung des Gesundheitssystems in den Herkunftsländern.

Demokratisch ausgebeutet

Die kanadischen Kolleginnen vermerken, „dass ein großer Teil der zugewanderten medizinischen Arbeitskräfte in den Gastländern der Gefahr des Missbrauchs und der Ausbeutung ausgesetzt sind, weil sie keine Bürgerrechte genießen.“ Erschreckend „die Flut der Beschwerden der Wanderarbeitnehmerinnen in den Gastländern, über missbräuchliche Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne …, geschlechtsspezifische Gewalt, Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit …“ Wohlgemerkt: Eine Aufzählung aus sich demokratisch nennenden Industriestaaten! Wie viel ärger wüten deren Konzerne und Banken in den Entwicklungsländern…

Die kanadischen Kolleginnen schlagen vor, was dagegen zu tun sein könnte. Die schlechte Nachricht: Warum wird all das nicht schon längst getan, die Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt. Es gibt internationale Konventionen (von vielen Staaten noch nicht ratifiziert, wofür die Gewerkschaften „bei ihren Regierungen Lobbytätigkeit“ unternehmen sollten), verschiedene Übereinkommen der IAO, ja sogar der UNO.

Die gute Nachricht: Der Kongress macht Druck, dass sich alle IÖD-Gewerkschaften für die Kampagne „Internationale Migration und weibliche Beschäftigung im Gesundheitssektor“ engagieren. Es sollten sich auch alle Gewerkschaften an ihre Regierungen wenden, den Leitfaden der Weltgesundheitsorganisation für die ethische Anwerbung von Beschäftigten im Gesundheitssektor anzunehmen. Es folgt die Verpflichtung, „weiterhin die Forderung nach vermehrten Ausgaben für hochwertige öffentliche Gesundheitsdienste zu stellen und sich in der ganzen Welt für … Humanressourcen im nationalen Gesundheitswesen einzusetzen.“

Keine Privatisierungen!

Die Betonung muss auf „öffentlich“ gelegt werden. Das war auch der durchgängige Faden im IÖD-Kongress. Keine Privatisierung: Kein Geschäft mit der Gesundheit und den anderen öffentlichen Dienstleistungen. Finanzielle Sicherung des Gesundheitssystems einschließlich der Altenbetreuung. Dazu gehören auch Schritte zur Umverteilung der Erträge aus der Wertschöpfung. Eigentlich finden wir all das beim Blättern in Protokollen von heimischen Gewerkschaftstagen und –kongressen. Also was hindert unsere Gewerkschaftsführungen noch an der Mobilisierung zur Aktion?

Hubert Schmiedbauer ist Journalist in Wien