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Frausein kostet

Meinung Von Elisabeth Buchinger

Früher einmal war es ja völlig rechtens, Frauen für ihre Erwerbsarbeit weniger zu bezahlen als Männern. Es gab eigene Frauenlohngruppen in den Kollektivverträgen, die ganz offen ein geringeres Entgelt allein aufgrund des Frauseins vorsahen. Damit ist rechtlich Schluss seit Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als Österreich ein ILO-Übereinkommen „gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ ratifizierte, und in Folge Ende der 70iger Jahre das Gleichbehandlungsgesetz verabschiedete. Und dennoch: Unselbständig beschäftigte Frauen verdienten in Österreich im Jahr 2006 gerade einmal 67 Prozent der Männer, die mittleren Fraueneinkommen liegen um mehr als 9.500 Euro brutto im Jahr hinter denen der Männer zurück. Frauen haben die überwältigende Mehrheit bei den BezieherInnen von Niedrigsteinkommen, und stellen im Gegenzug nur eine verschwindende Minderheit in der Gruppe jener, die über der Höchstbeitragsgrundlage verdienen.

Selbst ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen kommen nur auf gerade einmal 73 Prozent der vergleichbaren Männereinkommen, in absoluten Zahlen beträgt der Nachteil fast 10.900 Euro. Und der jüngste EU-Gleichstellungsbericht sieht Österreich beim Stundenlohn mit einem Frauennachteil von 20 Prozent gegenüber Männern an fünftletzter Stelle aller 27 EU-Länder. Im EU- Durchschnitt beträgt der Nachteil 15 Prozent.

Auch ein Vergleich von vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern in derselben beruflichen Stellung bringt enorme Einkommensnachteile ans Tageslicht. Während der Einkommensnachteil einer vollzeitbeschäftigten Hilfsarbeiterin gegenüber ihrem Kollegen „nur“ 10 Prozent beträgt, steigt der Nachteil einer Facharbeiterin gegenüber ihrem Kollegen im Mittel auf 35 Prozent an. Mit 41 Prozent den höchsten Nachteil müssen angestellte Frauen in Führungspositionen zur Kenntnis nehmen, ihr Nachteil beträgt 23.700 Euro brutto pro Jahr (Quelle: Rechnungshof-Einkommensbericht 2005)

Wie man es also dreht und wendet, der Einkommensnachteil von Frauen ist Realität! Es bestehen vielfältige Ursachen, die das Ausmaß beeinflussen, und so vielfältig müssen auch die Strategien zu dessen Bekämpfung sein:

Ursache Arbeitszeit und familienbedingte Berufsunterbrechungen - hier sind Rahmenbedingungen zu schaffen, damit nicht wie derzeit fast automatisch und ausschließlich die Frauen die Familien- und Betreuungsarbeit übernehmen. Es braucht einen raschen Ausbau bedarfsgerechter, leistbarer Betreuungsangebote für Kinder aller Altersgruppen ebenso wie einen Umbau im Steuer- und Transfersystem, damit die traditionelle Arbeitsteilung in der Familie nicht weiter begünstigt wird. Ein Familiensplitting würde diese Rollenteilung hingegen weiter verfestigen und damit die Einkommenskluft noch vergrößern.

Aber selbst wenn die Rahmenbedingungen passen bzw. Familienarbeit keine Rolle spielt, erleben Frauen vielfältige Einkommens-, Beschäftigungs- und Aufstiegsdiskriminierungen, die verhindern, dass sie entweder überhaupt in entsprechend besser bezahlte Jobs vordringen bzw. wenn, dann zu erheblich geringerem Entgelt. Hier braucht das Gleichbehandlungsgesetz deutlich schärfere Zähne! Durchgehende und hohe Schadenersatzansprüche müssten Diskriminierung zum Kostenfaktor machen, der weh tut und daher einzusparen ist.

Am wirkungsvollsten erscheint mir aber die Umsetzung der Forderung nach der Koppelung von öffentlicher Auftragsvergabe und Wirtschaftsförderung mit Gleichstellungsaktivitäten, wie sie bereits im Frauenvolksbegehren vor fast 11 Jahren erhoben wurde. Damit wird betriebliche Gleichstellung zur Bringschuld der Unternehmen, statt, wie jetzt auf eine alleinige Holschuld der einzelnen Frau reduziert zu sein. Ohne Gleichbehandlung keine Aufträge – das könnte in der Tat Bewegung in die Sache bringen. Dafür braucht´s aber wohl eine starke gesellschaftliche Bewegung. Dafür zu arbeiten muss an erster Stelle stehen ...

Mag.a Elisabeth Buchinger ist Leiterin des Frauenbüros der oö Arbeiterkammer