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Kommt ihnen das bekannt vor…

Meinung Von Heidemarie Ambrosch

…sich Tag für Tag abstrudeln, und trotzdem reicht`s vorn und hinten nicht! Und dann ist in der Zeitung zu lesen, in Österreich verdienen Top-Manager 8 Millionen im Jahr. Warum eigentlich? Auch für Top-Manager hat der Tag nur 24 Stunden – eine solche Differenz kann also nicht an der Mehrarbeitszeit liegen. Wohl aber an der Bewertung von Arbeit, qualifizierter und weniger oder unqualifizierter Arbeit, wobei dabei durchaus immer weniger die Ausbildung ausschlaggebend ist. Eine unsichtbare Macht scheint einzuteilen, in wichtige und weniger wichtige Arbeit, wobei, bei näherer Betrachtung es so ist, dass die eine die andere braucht, vor allem die gänzlich unsichtbare Frauenarbeit gebraucht wird, ohne die der Top-Manager gar nicht arbeiten könnte!

Ohne die Putzfrau im Büro oder zuhause, die Wäschereinigung inklusive Bügeldienst, die Verkäuferin in welchem Geschäft auch immer, die Sekretärin, die wissenschaftliche Zuarbeiterin, die Krankenschwester, die Kindergärtnerin, die Friseurin oder eben die Hausfrau, die im Hintergrund alles managt und bei entsprechender Finanzlage an andere, meist Frauen mit migrantischen Hintergrund weiter delegiert - ohne dieser Frauenarbeit wäre der Top-Manager schlichtweg aufgeschmissen! Daher frage ich mich, warum es gerechtfertigt wäre, dass er das Hundertfache von mir verdient!

Mir leuchtet auch anderes nicht ein, warum es Menschen gibt, die vor lauter Überstunden krank werden, während andere arbeitslos sind? Das Bruttosozialprodukt wird immer größer, was heißt, das Land immer reicher und gleichzeitig wächst die Zahl der Menschen, die von Armut betroffen sind, die sich die Miete, die Heizung, die Ausbildung ihrer Kinder nicht mehr leisten können? Und da gibt es noch viele Fragen....

Das war schon immer so. Nein – war es nicht. Es war noch nie wirklich gerecht, es war auch schon schlechter, aber auch schon besser! Sicher, auch in den sogenannten Wohlstandsjahren in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, wurde der wachsende Reichtum des Landes mehr den Besitzenden als den Lohnabhängigen zuteil, aber es gab noch Reallohnerhöhungen, von denen wir heute weit entfernt sind. Es gab großteils sichere Männer-Arbeitsplätze, die sich eine „Hausfrau“ samt Familie leisten konnten. Und jene Frauen, die sich davon nicht abhängig machen wollten, hatten ebenfalls gute Chancen, einen, wenn auch oft weniger bezahlten sicheren Arbeitsplatz zu finden.

Seit Jahren erleben wir, dass die Lohnerhöhungen mit den Preissteigerungen nicht mehr Schritt halten, immer mehr Menschen geraten in die Schuldenfalle. Kaum mehr eine Familie, die auf den Verdienst der Frauen verzichten kann, im Gegenteil: die Zahl der Familien, die großteils vom Einkommen der Frauen leben steigt. Immer mehr junge Menschen finden ihr Einkommen nur mehr in befristeten, sozialrechtlich nicht abgesicherten Jobs.

Und weil’s nicht schon immer so war, muss es auch nicht immer so bleiben! Für Veränderung braucht es allerdings Engagement. Es braucht zuerst einmal die Überzeugung, ich habe ein Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz, der mir ein Auskommen mit dem Einkommen garantiert - unabhängig vom Erwerbseinkommen meines Partners, unabhängig von meiner StaatsbürgerInnenschaft:
• Ich habe Recht auf leistbaren Wohnraum, Recht auf kostenlosen Zugang zu Bildung für mich und meine Kinder, auf ein Gesundheitssystem, das allen die gleichen Leistungen garantiert.
• Ich habe Recht auf eine angemessene Pension oder ein garantiertes Grundeinkommen.
• Ich habe Recht, nicht in sozialer Angst leben zu müssen, nicht zu wissen, wie die kaputte Waschmaschine zu ersetzen ist oder wie die Zahnspange meines Kindes finanziert werden kann.

Der zweite Schritt ist ihr Handeln. Bei der nächsten Wahl auf gewerkschaftlicher Ebene GLB anzukreuzen, ist ein solcher Schritt, aber letztlich auch zu wenig. Denn wir sind überzeugt, dass sie selbst eine gute Politikerin wären. Neben unseren sozialpolitischen Forderungen, die im Kern eine radikale Umverteilung von Arbeit und Einkommen beinhalten, treten wir entschieden für die Aufwertung der unmittelbaren Demokratie ein, von der kommunalen Ebene bis zur Volksabstimmung! Gerade Frauen wissen sehr oft, wo der alltägliche Schuh des Lebens drückt und wie Abhilfe geschaffen werden könnte.

Am Internationalen Frauentag demonstrieren wir mit anderen Frauenorganisationen für Frauenrecht. Das Jahr über treffen wir uns in kleineren Gruppen, um zu überlegen, wo wir wie eingreifen wollen. Unsere Beiträge sind bescheiden, von den Medien werden sie ignoriert. Aber in unseren Diskussionen gewinnen wir Kraft für unseren gemeinsamen Traum, zu dem wir Sie hiermit einladen:

Stellen Sie sich nur einen Tag vor, an dem alle Frauen ihre Arbeit niederlegen und einfach nur gemeinsam feiern!

Heidemarie Ambrosch ist Angestellte in Wien und in verschiedenen feministischen Zusammenhängen aktiv