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Wir sind nicht gemeint!

Meinung Von Beatrix Todter

Wir haben eine „Muttersprache“, die, kaum erlernt genau die lehrende Person verleugnet und diskriminiert, denn die Mutter ist eine Frau und unsere Sprache ist sexistisch und hierarchisch. Wobei sie sich in der Hierarchie nicht nach den Mehrheitsverhältnissen richtet, sondern nach den gängigen Machtverhältnissen. „Die Sprache“ an sich ist schon weiblich und die Mehrheit der Weltbevölkerung ist weiblich, dennoch unterhalten wir uns auf eine Art, bei der WIR nicht vorkommen. Eine Frau Landeshauptmann ist ein Widerspruch in sich. Die Patienten des/der Gynäkologen/in ist ein Blödsinn. Es gab schon eine Werbung, die uns eine Gruppe fußballspielender Frauen als "Weltmeister im Damenfußball" vorgeführt hat.

Wir dürfen uns in der männlichen Form immer mit angesprochen fühlen:
1. Da sind aber die Frauen schon auch damit gemeint!
2. das ist doch eine neutrale form! (also, Neutrum bin i a kann´s)
3. Ich bin auch eine Frau und mich stört das gar nicht! Mich schon.

Seit das „Fräulein“ mehr und mehr unseren alltäglichen Sprachgebrauch verlassen hat, werden junge und erwachsene Frauen wieder zu „Mädchen“. Beide Ausdrücke haben gemeinsam, dass sie sächlichen Geschlechts sind, verniedlichen und nichts mit einer ernstzunehmenden Person zu tun haben.

Es heißt auch in der Psychologie so schön, dass Frauen oft nicht gesehen werden (über wen macht dieses Statement hier wohl eine Aussage? Über uns sicher nicht!). So wurde z.B. beobachtet, wenn an einer Theke viele Männer stehen, wird sich ein platzsuchender Mann immer an einer Frau vorbeizwängen, weil er diesen Platz als „leer“ wahrnimmt.

Und ich denke mir, wir werden so lange nicht gesehen werden, solange wir uns nicht mittels einer gerechten Sprache Gehör verschaffen. Menschen die man nicht sieht, bzw. hört – also Frauen – kann man auch mit einem geringeren Gehalt abspeisen! Sie wehren sich ja doch nicht!

Wie uns „die Sprache“ sieht: Frauenärztin, Frauenklinik, Frauenkrankheit, Frauenrechtler(?), Frauenzimmer, Frauensport, Frauenleiden. Das bedeutet, wir sind dauernd krank, und es gibt tatsächlich einen Unterschied zwischen Sport und Frauensport und Recht und Frauenrecht. Männer werden da ganz anders gesehen: Männerwelt, Manneskraft, mannhaft, Mannschaft, Mannschaftsgeist, mannshoch, Ehrenmann. Alle diese begriffe stehen für Aktivität, Stärke, Kompetenz, Verlässlichkeit, sie sind durchaus positiv besetzt. Aber wir dürfen uns ja mit angesprochen fühlen.

Sprache ist kein naturgegebenes Ereignis, dem wir in seiner Unabänderlichkeit machtlos gegenüberstehen. Sprache kann und muss verändert werden. Denn all die Rechte, die unsere Vorstreiterinnen schon erkämpft haben, oder wir gerade erkämpfen sind uns einmal genommen worden. Und auch die Sprache ist ein Mittel zur Gleichstellung! Wir wollen keine Almosen und kein beschönigendes Makeup, wir wollen unseren Platz in dieser Welt. Glücklicherweise sterben nur RauchER früher! Wenigstens etwas!

Beatrix Todter ist diplomierte medizinisch-technische Fachkraft, GLB-Personalvertreterin im Kaiserin-Elisabeth-Spital des KAV und Arbeiterkammerrätin des GLB in Wien