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Soldatinnen sind Söldnerinnen des Patriarchats

Meinung Von Rosalia Krenn

Die Friedensforscherin Astrid Albrecht-Heide formulierte, dass die militärischen Rollenangebote an Frauen zunächst an die weiblichen Stereotype anknüpfen: als Mütter, Ehefrauen und Partnerinnen von Soldaten sind sie Produzentinnen und Reproduzentinnen militärischer Arbeitskraft, als den vom Krieg heimkehrenden Soldaten Zujubelnde Gewalt-Claquerinnen, als zivile Mitarbeiterinnen der Militärs Gewalt-Assistentinnen. Auf der dritten Beziehungsebene wird über die Mitarbeit an der Rüstungsindustrie, eingeholt über Verteidigungsauftrag und Sicherheitskonzept aus Assistenz Gewalttäterinnenschaft. Frauen und Kinder dienen als ideologisches Verteidigungsmotiv, als Soldatinnen dienen Frauen der Aufrechterhaltung männlich strukturierter Herrschaftsstrukturen.

Mit absoluter Deutlichkeit verweist der nach wie vor gültige UNO-Bericht, nach dem Frauen weltweit zwei Drittel der gesamten Arbeit leisten, ein Zehntel des Einkommens beziehen und ein Hundertstel des Weltvermögens besitzen auf das globale Ausmaß einer Gesellschaft, die auf der Ausbeutung von Frauen, auf ihrer schlecht und unbezahlten Arbeit beruht.

Ohne Frauen keine neoliberale Globalisierung

Eine Voraussetzung für die Durchsetzung einer globalen neoliberalen Wirtschaftspolitik, die verantwortlich zeichnet für einen dramatischen Anstieg der Ungleichheit liegt in der Aufrechterhaltung der Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen. Wir sind weltweit mit der Feminisierung von Armut konfrontiert. Die Frauen sind die optimalen Arbeitskräfte für das globalisierte Kapital.

In Europa erfahren Frauen zusehends die negativen Folgen der neoliberalen Wirtschaftspolitik: Abbau des Sozialstaates, höhere Frauenarbeitslosigkeit, Rücknahme der eigenständigen Existenzsicherung. Diese Entwicklung ist im Zusammenhang mit der Ausbeutung der Frauen in den Ländern des Südens zu sehen. Frauen werden dem internationalen Kapital überall dort angeboten, wo die billigsten, gefügigsten und gehorsamsten Arbeitskräfte gesucht werden, für die Industrien mit hoher Arbeitsintensität, etwa die Spielzeug- oder Textilindustrie. Legitimiert wird die Unterdrückung von Frauen auf der Ebene der kulturellen Gewalt.

Der Krieg ist männlich.

Der Krieg ist systemimmanenter Bestandteil einer ökonomischen Existenzweise, die auf Ausbeutung, Kapitalakkumulation, Eroberung und Unterwerfung basiert. Ohne Krieg ist ein auf Raub und Reichtumsanhäufung aufgebautes ökonomisches System auch in seiner heutigen globalen neoliberalen Ausprägung nicht durchsetzbar. Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Dies bezeichnet das Prinzip des Männlichen bis heute. Die Entstehungsgeschichte des Krieges ist im Kontext der kulturellen Konstruktion des Männlichen als kriegerischen Helden zu sehen. Die Konstruktion des Weiblichen stellt eine Bedrohung für das Prinzip einer Männlichkeit dar, das sich der Aggression und Gewalt bedient, um ein Machtverhältnis aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Die Armee: das Mittel des Krieges

Klaus Theweleit hat die Entstehung des soldatischen Körperpanzers anhand der Freikorpsliteratur der Zwischenkriegszeit und im Rahmen der Faschismusgenese beschrieben. Askese, Schmerz und schließlich Kampf werden unter enormen Druck einer psychologisch ausgeklügelten Dressur als Lusterleben gesetzt, da Schmerz das einzig zugelassene Lebens-Lust-Gefühl darstellt, ein brüchiges und fragmentierendes Ich schafft, das sich im Krieg bzw. Kampf als Ganzheit zusammensetzt, im Zerstören als Existenzweise nur empfinden kann, wobei sich der einzelne Soldat als Teil einer Ganzheitsmaschine, repräsentiert durch die Truppe wahrnimmt.

Selbstzeugung und Selbstgeburt einer formierten Männlichkeitsorganisation, der Körperpanzer dient dem Schutz vor der Frau, ist gegen den Körper bzw. gegen die Körperlichkeit der Frau gerichtet, die als Entgrenzung gesetzt ist, somit gegen die Wunschproduktion des eigenen Unbewussten: „Der 'Neue Mensch', gezeugt aus dem vom Drill organisierten Kampf des alten Menschen gegen sich selbst, ist lediglich der Maschine verpflichtet, die ihn geboren hat. Er ist eine wirkliche Zeugung der Drillmaschine, gezeugt ohne Zuhilfenahme der Frau, ohne Eltern. Beziehungen, hat er zu anderen Exemplaren des neuen Menschen, mit denen er sich zusammenfügen läßt zur Makromaschine Truppe.“ (Theweleit, Männerphantasien)

Krieg tritt Frauenrecht mit Füßen:

In den Diskussionen um Gewalt gegen Frauen im Krieg spiegeln sich Dimensionen männlicher Selbstaufwertung, Frauenverachtung, biologistische Grundannahmen und machtpolitisches Kalkül wieder, sie zeigen das Verhältnis des Stellenwertes der körperlichen Unversehrtheit der Frauen zu den politischen Kategorien moralischer Überlegenheit, gesellschaftlicher Orientierung, Schuldfrage und Verbündetenpolitik. Sexualisierte Gewalt als kriegerisches Mittel dient mehreren Zielen:
1. Frauenfeindlichkeit und Frauenhass haben ihre Basis in Zeiten negativen Friedens;
2. Bestätigung der im Militär gestärkten Vorstellung von Männlichkeit: über die integralen Bestandteile der Männlichkeitsvorstellungen von Macht, Gewaltmonopol, Herrschaft, Erotik und Heterosexualität wird Gewalt und Erotik miteinander verknüpft;
3. Belohnung für die Soldaten;
4. Hebung der Kampfmoral der eigenen Truppen;
5. Aufbau bzw. Wiederherstellung männlichen Selbstbewusstseins: das männliche Selbstbewusstsein baut sich an der Erniedrigung und Demütigung der Frau auf;
6. Beitrag zur Zerstörung der gegnerischen Kultur: systematische Vergewaltigung bezeichnet den weiblichen Körper als Projektion des ‚Volkskörpers’, seine sexuelle Besetzung ist Symbol für die militärische Niederlage, die Entehrung der Frau wird zur symbolischen Kastration der Männer, zum Symbol der Zugehörigkeit zu einer nicht schutzfähigen Gemeinschaft, wodurch Frauenkörper zu Orten des Austausches männlicher Botschaften werden.
7. Instrumentalisierung der Frau zum Zweck der Greuelberichterstattung;
8. gezielte Demütigung, Entehrung und Schwächung des Gegners: der Besitz des weiblichen Körpers dient als Metapher für die Eroberung von Land;

Auf Grund ihrer systemimmanenten Struktur können Frauen in keiner Armee als integriert bezeichnet werden. Die Zulassung von Frauen zum österreichischen Bundesheer ist den quantitativen wie qualitativen Rekrutierungsschwierigkeiten, dem Aufbau der höheren Legitimation für Berufsarmee, der Militarisierung im Rahmen der EU und im Zusammenhang damit den umstrittenen Auslandseinsätzen, geschuldet.

Frauenbefreiung braucht Solidarität

Kriege werden nicht für die Ziele der Frauenbefreiung geführt. Kriege forcieren Gewalt gegen Frauen. Wir sind weltweit mit einem System der Unterdrückung und Verarmung der Mehrheit der Menschen konfrontiert. „Wenn die Männer den Fahneneid verweigern, die Frauen es als ihre Pflicht erachten, sich dem Kriege zu entziehen – dann ist dieser unmöglich gemacht und dem blutigsten Ungeheuer in der Geschichte der menschlichen Unvernunft endgültig der Garaus bereitet.“ (Olga Misar in: Krieg ist der Mord auf Kommando, Hg. Beatrix Müller-Kampel, 2005)

Rosalia Krenn ist Sozialarbeiterin und Betriebsrätin bei der Lebenshilfe in Salzburg und Aktivistin der ARGE Wehrdienstverweigerung