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Immer noch: Die Arbeit hoch!

Salzburg Von Rosalia Krenn, BR Lebenshilfe Salzburg, GLB-Kandidatin bei der AK-Wahl 2009

Die Arbeiterkammer Salzburg präsentierte sich am 11. Dezember 2008 mit der Tagung „Gesundes Humankapital? Krankheit ist (k)eine Schande“. Die Referate beschäftigten sich mit krankmachender Arbeitswelt, damit, in welcher Art und Weise Arbeit krank macht sowie mit Fragen nach Bedingungen, die Gesundheit in lohnabhängigen Arbeitszusammenhängen fördern können. Daten und Aussagen wurden präsentiert: der Zeitdruck steigt kontinuierlich, das Arbeitstempo erhöht sich, Informationstechnologien prägen den Alltag, die Arbeitszufriedenheit sinkt, Aus- und Weiterbildung gehen zurück. Krankenstandsdaten wurden analysiert: Krankenstände sind im Allgemeinen rückläufig, bei Menschen, die sich in Situationen der Arbeitslosigkeit befinden, sind Krankenstände allerdings in bedenklichen Ausmaßen zu verzeichnen.

Die Tagung fand ihr Schlussreferat mit dem Ansatz: „Gesundheit fördern durch mehr Demokratie im Betrieb“. Ein Referent verstieg sich zu der Aussage, dass es für ältere MitarbeiterInnen in Betrieben Modelle geben müsste, diese weiterhin zu beschäftigen, das gesetzliche Pensionsalter müsste angehoben werden, schließlich könne sich die Gesellschaft die Pensionen nicht mehr leisten. Arbeit, so formulierte es ein Referent, „macht den Menschen aus, Arbeit gibt dem Leben Sinn und Gewicht“. Derselbe Referent zitierte dazu die WHO Gesundheitsdefinition: „Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“.

Nachdem es also gelungen war, sich einen halben Tag lang mit Bedingungen zu beschäftigen, die Menschen krank machen und festzustellen, dass die gegebenen Arbeitsverhältnisse einengend und gesundheitsschädigend sind, fand die Tagung ihren Abschluss darin, sich mit Managementtheorien zu beschäftigen, die mehr Selbstbestimmung und Mitbestimmung fördern wollen – unter den Prämissen der Effizienzsteigerung und lukrativeren Ausbeutung der MitarbeiterInnen.

ArbeitnehmerInnen wollen gesündere Arbeitsbedingungen? Die Arbeiterkammer gibt eine Antwort: mehr Mitbestimmung im Sinne des Managements! Schließlich würde die zusätzlich eingeforderte Mitgestaltung die Identifikation mit dem Betrieb fördern, das wäre gesundheitsförderlich. Aber was heißt das? Identifikation mit dem Betrieb? Heißt das Identifikation mit einem Manager, der –zig Millionen Euro im Jahr kassiert?

Sichtbar wurde, dass Menschen, die sich in der Situation der Arbeitslosigkeit befinden, als gesamtgesellschaftlich krankmachender Faktor benannt wurden; sichtbar wurde, dass Menschen, die schon älter sind, als Belastung definiert wurden, sollte es nicht gelingen, ihnen ein noch längeres lohnabhängiges Leben aufzubürden.

Die Rezession, der wir entgegenschreiten, war kein Thema. Solidarität war kein Thema. Die Arbeitslosigkeit wird zunehmen, diese wird den Druck auf die ArbeitnehmerInnen weiter erhöhen. Ausstiegsperspektiven wurden nicht einmal ansatzweise zur Diskussion gestellt.

Wir leben und arbeiten unter Bedingungen der Ausbeutung, der Entfremdung und der Fremdbestimmung. Menschen, die nicht von Betrieben, sondern der öffentlichen Hand abhängig sind, erfahren dieselben Bedingungen. Tja, bleiben vorderhand noch die „Alten“ auf die sich die begehrlichen und neidischen Blicke richten, die sollen jetzt auch keinen Lenz mehr haben. Wer sind die nächsten? Die Kinder? Nein, nur noch die Kleinkinder, die Kinder verpflichtet der Staat ja auch schon zum verpflichtenden durchstrukturierten Kindergartenjahr.

Am Ende der Tagung wurde deutlich, dass die Frage nach dem Humankapital keine provokante Andeutung gewesen ist, um Wege aus gesellschaftlichen Zwängen und Unterdrückungsmechanismen zu suchen. Es wurde uns ArbeitnehmerInnen vermittelt, dass uns die Arbeiterkammer als Humankapital begreift und sich was einfallen lässt, um unsere Produktivität im Sinne des Kapitalismus aufrechtzuerhalten und zu steigern. Die Ausbeutung tut weniger weh, wenn sie mehr Freude bereitet. Die Industriellenvereinigung hätte es nicht weniger gut auf den Punkt bringen können.