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Gut das es sie gibt? Besser es würde sie nicht geben?

NÖ Von Erwin Stingl

Gemeint sind die Sozialmärkte, für viele die in der Armutsfalle leben oft die einzige Möglichkeit nicht am sprichwörtlichen Hungertuch zu nagen. Einmal drinnen in der Armutsfalle bedeutet das für viele ein Leben am Rande der Gesellschaft aus dem es nur schwierig ist zu entkommen. Betroffene verschweigen ihre Misere solange es geht vor ihrem sozialen Umfeld. Wer will denn schon gern als arm abgestempelt werden, womöglich noch als Taugenichts oder Sozialschmarotzer gelten? Aus Scham vor den Nachbarn wird darauf verzichtet Hilfe anzunehmen, Hilfe die dem Betroffenen zusteht und ihn aber damit gleichzeitig vor den Augen der anderen abstempelt. Doch ohne Hilfe wird die Misere meist noch größer.

Sozialmärkte sind ein Teil dieser Hilfe die Menschen in Anspruch nehmen können wenn ihr Einkommen einen gewissen Betrag nicht überschreitet. Wer sich einmal die Mühe gemacht hat sich in so einem Sozialmarkt umzusehen wird rasch feststellen dass es dort wirklich nur das Nötigste zum täglichen Leben gibt. Wer die Schwelle des Sozialmarktes überschreitet hat bereits den Schritt gewagt sich als arm im materiellen Sinne zu outen.

Spricht man mit den Betroffenen, so sagen sie dass sie froh sind in einer solchen Einrichtung einkaufen zu können. Sie finden es gut dass es so etwas gibt, besser wäre allerdings es würde so etwas nicht geben und sie würden genug Geld verdienen um überall anders zum normalen Preis einkaufen zu können. Nicht im Sozialmarkt, der von den Spenden der Wegwerfgesellschaft lebt.

Klar werden hier Waren verkauft die qualitätsmäßig in Ordnung sind, vielleicht falsch etikettiert sind oder knapp vorm Verfallsdatum, bzw. Brot das nicht frisch aus dem Ofen kommt (deswegen ist es selbstverständlich nicht schlecht). Firmen die diese Waren spenden gehören auf jeden Fall vor den Vorhang, ganz egal was ihre Beweggründe dafür sind. Ob es nun ihr soziales Gewissen ist oder einfach nur eine wirtschaftliche Überlegung weil die Entsorgung teurer wäre als die Spende. Wichtig ist dass die Waren vorhanden sind.

Besser wäre es allerdings die Menschen hätten genug Einkommen um sich ihr Leben sorglos leisten zu können. Denn viele dieser Menschen die einen Sozialmarkt aufsuchen haben ein Einkommen aus geregelter Arbeit, ein Einkommen das auch von diesen Firmen die spenden so gehalten wird dass eben genau diese Menschen auf derartige Hilfe angewiesen sind. Viele Konsumenten im Sozialmarkt sind alleinerziehende Mütter die es sich nicht leisten können einen Vollzeitjob anzunehmen, des weiteren gibt es Alleinverdiener die es irgendwie schaffen müssen sich und ihre Familie durchzubringen, dann gibt es noch eine Menge Arbeitsloser die nichts für ihre Situation können da sie einfach einmal so wegrationalisiert worden sind.

Würden all diese Konsumenten ein Einkommen haben mit dem sie auskommen würden dann hätte sich auch das Thema Sozialmarkt erübrigt, deshalb stelle ich hier nochmals die bereits in der Überschrift erwähnten Fragen: Gut das es sie gibt? Besser es würde sie nicht geben?

Erwin Stingl ist GLB-Landessprecher in Niederösterreich