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Krisensichere weibliche Schwerarbeit

Meinung „Jobs von Frauen sind krisenfester“ titelte der „Kurier“ (17.1.) und berichtete dass tausende „Männerjobs“ in der Industrie wegbrechen. Der Nachsatz wurde gleich mitgeliefert, dass nämlich diese (noch) „sicheren“ Frauenjobs „miserabel bezahlt und oft ungemein anstrengend“ sind. Wenn man die Tatsache als normal betrachtet, dass Frauen im Schnitt um ein gutes Drittel weniger verdienen als Männer und außerdem den Großteil der prekär Beschäftigten stellen, lässt sich natürlich leicht von „sicher“ schwätzen. Das alles gilt freilich seit Jahren als normal, aber erst jetzt, weil die Krise ausgehend von der Autozulieferindustrie zunehmend klassische Männerarbeitsplätze wegputzt, wird das große Wehklagen geführt. Etwa darüber, dass bereits tausende Leiharbeiter „abgebaut“ wurden und für rund 27.000 Beschäftigte Kurzarbeit angesagt ist, Tendenz steigend.

Die Wirtschaft hat blitzartig umgeschaltet: Statt „mehr privat, weniger Staat“ ist jetzt das Gegenteil angesagt. Aber der Ruf nach Milliarden für notleidende Branchen wie etwa die Autozulieferindustrie zielt einmal mehr darauf Männerarbeitsplätze zu sichern, sei es mit einer kräftigen Geldspritze für entsprechende AMS-Subventionen für Kurzarbeit & Co. oder in anderer Form.

Die „Sicherheit“ von Frauenarbeitsplätzen widerspiegelt sich etwa in der Entwicklung der geringfügigen Beschäftigung: Stieg die Zahl der geringfügig beschäftigten Männer von 2000 bis 2008 von 54.000 auf 98.000, so jene der Frauen von 139.000 auf 193.000. Aus solchen Trends ist etwa auch erklärbar, warum Frauen nach wie vor um ein gutes Drittel weniger verdienen als Männer.

Besonders deutlich wird das in Oberösterreich: Da ist nämlich der Bezirk Steyr bedingt durch die enorme Konzentration der Fahrzeugindustrie bundesweit Spitzenreiter bei Männerverdiensten mit 3.225 Euro. Die Kehrseite ist der Bezirk Freistadt, der mit einem Fraueneinkommen von mageren 1.245 Euro österreichweit absolutes Schlusslicht ist. Eine berufstätige Frau verdient im Bezirk Freistadt also gerade 40 Prozent dessen, was ein berufstätiger Mann in Steyr verdient.

Deutlicher könnte das Versagen des ÖGB in seiner nach wie vor auf den klassischen männlichen Industriearbeiter in der Metallbranche ausgerichteten Lohnpolitik nicht zum Ausdruck kommen. Gleichberechtigung und Chancengleichheit - etwa durch einen gesetzlichen Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde, ist der den Gewerkschaftsspitzen trotzdem weiterhin ein Gräuel. Schließlich haben dort überwiegend hochbezahlte Männer das Sagen.

Solche Ungerechtigkeiten finden sich auch beim Pensionsrecht. Davon abgesehen, dass nur wenige tausend Menschen überhaupt die Kriterien für eine Schwerarbeitspension erfüllen, sind Frauen davon aber faktisch überhaupt ausgeschlossen. Zwar ist die Arbeit in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Supermärkten Schwerarbeit im wahrsten Sinne des Wortes. Das zählt freilich nicht für diese Pension, denn Schwerarbeit ist laut Gesetz männlich definiert, die Schwerarbeitspension zudem erst mit 60 möglich. Aber nach der herrschenden Meinung ist die weibliche Schwerarbeit krisensicher…