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Elternteilzeit = Frauenteilzeit?

Meinung Von Karin Antlanger

In den Festtagsreden und Presseartikeln zum Internationalen Frauentag am 8. März werden neben vielem Blabla auch so manche richtige Feststellungen getroffen und Forderungen erhoben, die - wie all die Jahre zuvor - in der Alltagspolitik dann nicht umgesetzt werden. So etwa die Forderung „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“: seit Jahrzehnten aktuell – aber die Einkommensschere zwischen Männer- und Frauenlöhnen geht immer weiter auseinander. Speziell in Oberösterreich, wo der Anteil der in der Metallindustrie Beschäftigten hoch ist, liegen die Frauenlöhne auffallend weit zurück. Kein Wunder, ist doch die Metallindustrie praktisch für Frauen immer noch quasi unzugänglich. Die Forderung nach mehr und besseren Kinderbetreuungseinrichtungen wird immer noch als „Frauenforderung“ erhoben. Aber solange alles rund um die Kinderbetreuung nicht als eine gesamtgesellschaftliche Forderung von Frauen und Männern = Vätern erhoben wird, so lange wird auch in dieser Frage nicht wirklich viel weiter gehen. Denn wenn Frauenlöhne so niedrig sind, dass sie von der Höhe her an das staatliche Kindergeld rankommen, werden es die Frauen sein, die zweieinhalb Jahre zu Hause bleiben.

Und wenn Elternteilzeit in erster Linie als Frauenteilzeit verstanden wird, ist der Zug der beruflichen Karriere schnell mal abgefahren. Die Rechnung für mehrjährige Kinderkarenz und Elternteilzeit werden die betroffenen Frauen spätestens in der Pension serviert bekommen, wenn sie dann an der Armutsgrenze dahintümpeln. Und es werden auch noch andere in die Frauenarmutsfalle mitgerissen: nämlich diejenigen, die zwar gerne einen Vollzeitjob annehmen würden, einen solchen aber nicht bekommen, weil nur die durch Inanspruchnahme von Elternteilzeit frei werdenden Stunden nachbesetzt werden.

All diese Entwicklungen ließen sich vermutlich rasch und leicht stoppen durch eine gesetzliche Verpflichtung zur Teilung der Kinderkarenzzeiten und Elternteilzeit. Alleine wenn die Herren Politiker, die Herren Freiberufler und Unternehmer und die Herren Gewerkschaftsfunktionäre verpflichtet wären, z.B. ein Jahr in Kinderkarenz zu gehen und anschließend bis zum Schuleintritt des Kindes einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen – alleine dadurch würden plötzlich Änderungen möglich werden, die die Frauenbewegung auf gewaltfreiem Weg bislang nicht geschafft hat. Denn diese Herren würden solche Bedingungen nicht lange erdulden.

Karin Antlanger ist BRV bei EXIT-sozial Linz und GLB-Bundesvorsitzende