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Konsequent Arbeitnehmerinteressen vertreten!

NÖ Interview mit Erwin Stingl, Spitzenkandidat des GLB zur Arbeiterkammerwahl in Niederösterreich vom 5. bis 18. Mai 2009

Kollege Stingl, stellst Du Dich unseren Leserinnen und Lesern kurz vor?

Ich bin 1963 in St. Pölten zur Welt gekommen, aufgewachsen in Ossarn, das liegt bei Herzogenburg, da wohne ich auch heute wieder mit meiner Familie. Diese besteht aus meiner Frau, meinen zwei Töchtern plus Hund und Katze. Beruflich habe ich mich vor kurzem neu orientiert und habe die Ausbildung zum Pflegehelfer absolviert - ein Beruf, der mir zwar einiges abverlangt, aber noch mehr an Freude wiedergibt. Bringst Du Erfahrungen mit, die Dir als Kammerrat nützlich sein könnten?

Bevor ich mich beruflich verändert habe, war ich 18 Jahre in der Glanzstoff-Austria in Sankt Pölten, die leider mit Ende des vorigen Jahres die Tore endgültig geschlossen hat, beschäftigt. Davon war ich die letzten zwölf Jahre als Betriebsrat für den GLB tätig. Diese Tätigkeit war meiner Meinung nach eine durchaus erfolgreiche, wie auch die Wahlergebnisse klar belegen.

Weshalb gerade der GLB?

Ich kam bereits sehr früh mit der Politik des GLB in Kontakt. Eine Politik, die anders ist als die der Mehrheitsfraktion in Gewerkschaften und Arbeiterkammer. Während meiner Zeit in der Glanzstoff wurde mir dann erstmals richtig bewußt: was in Österreich so abläuft unter dem Deckmantel Sozialpartnerschaft ist nichts anderes als eine Geiselhaft der Lohnabhängigen.

Wie ist das zu verstehen?

Diese „Sozialpartnerschaft“ dient dazu, die Arbeitnehmer ruhig und bei Laune zu halten. In der Psychiatrie würde man sagen, mit Medikamenten ruhig gestellt. Früher fiel dann und wann einmal ein Stück vom Kuchen für die Lohnabhängigen ab. Dann hat sich die Gier des Kapitals so weit gesteigert, dass es bis vor kurzem nur noch Brösel vom Gewinn waren, die da so vom Tisch gestreift wurden für die Arbeitnehmer.

In jüngster Zeit ist es allerdings bereits so, dass vom Kapital auch noch diese Brösel und ein bisschen mehr retour gefordert wird. Wer von uns kann sich noch an die letzte Reallohnerhöhung oder sonstige Fortschritte in der Arbeitnehmerpolitik erinnern? Eine funktionierende Arbeitnehmervertretung kann nur eine Partnerschaft eingehen, und das ist eine Partnerschaft mit den Lohnabhängigen.

Wie konnte es Deiner Meinung nach so weit kommen?

Das Problem liegt eigentlich bei den Funktionären selbst. Würden die nämlich ihren Job ordentlich und gewissenhaft machen, hätten wir dieses Problem nicht. Gewählt wurden sie um Arbeitnehmerinteressen zu vertreten und nicht um Parteiinteressen in den Vordergrund zu stellen. So ist es leider im Laufe der Jahre passiert, dass sowohl der ÖGB als auch die Arbeiterkammer zur Spielwiese der Großparteien verkommen sind.

Deine Meinung zu Jugend und Jobs?

Die Jugend ist unsere Zukunft! Das sollte nicht nur ein Schlagwort sein um sich bei der Jugend Sympathien zu erschleimen. Nein, dieser Satz muss gelebt werden, und alles muss getan werden, um alles umzusetzen was dieser Satz aussagt. Also zum Beispiel Schluss mit Alibihandlungen, die Jugendbeschäftigung vortäuschen sollen und doch nur zwei Ziele im Visier haben.

Was meinst Du damit konkret?

Erstens: Jugendliche werden unter Mithilfe von Regierung und „Sozialpartnern“ gleich beim Eintritt in die Arbeitswelt darauf vorbereitet, für möglichst wenig Gehalt möglichst viel an Leistung zu erbringen, mit möglichst wenig Rechten.

Zweitens: Die Unternehmen werden mit billigen Arbeitskräften versorgt, welche man nach Ablauf einer Frist einfach und unkompliziert austauschen kann. Deshalb keine fadenscheinigen Aktionen wie zum Beispiel JASG, das Jugendausbildungssicherungsgesetz!

In vielen Betrieben werden über diese Schiene Praktikanten mehr oder weniger als vollwertige Arbeitskräfte, die das Unternehmen kaum etwas kosten, eingesetzt. Nach Ablauf der Praktikumszeit schaut es dann mit der in Aussicht gestellten Übernahme in ein reguläres Lehrverhältnis meist sehr düster aus.

Die bessere Lösung wäre, die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, Lehrlinge aliquot zur Beschäftigungszahl auszubilden bzw. statt dessen anteilsmäßig in einen Fonds einzuzahlen, um öffentliche Lehrwerkstätten zu errichten, um danach von den fertig ausgebildeten Fachkräften profitieren zu können.

Thema Wirtschaftskrise?

Das Kapital steckt seit etwa einem halben Jahr wieder in einer Krise, in die es sich selber hineinmanövriert hat. Manche Medien bauschen in vorauseilendem Gehorsam alles auch noch auf, zahlt doch das Kapital eine Menge an Werbeeinschaltungen. Die Regierung nimmt innerhalb kürzester Zeit Millionen von Euros in die Hände um den Pfusch hochbezahlter Manager auch noch zu unterstützen.

Über die vielen Menschen, die diese Krise meist unschuldig trifft, wird nicht berichtet, sie haben keine Lobby, die ihr Leid und ihre Sorgen der breiten Masse bekanntmacht. Meist schaut es sogar so aus, als würden sich die Betroffenen für ihre Lage genieren!

Wovon genau sprichst Du?

Ich spreche von einer Million Menschen in Österreich, die mit weniger als 893 Euro (bei Einpersonenhaushalten) leben müssen. Ein Viertel davon steht erschreckender Weise im Berufsleben. Das heißt im wahrsten Sinne des Wortes, die haben kein Auskommen mit ihrem Einkommen - einem Einkommen, an dem die zitierten „Sozialpartner“ mitschuldig sind. Einem geringen Einkommen, das es den armen, ach so von der Krise durchgebeutelten Unternehmern in den letzten Jahrzehnten erlaubt hat, saftige Gewinne zu schreiben!

Bereits seit langer Zeit wird über ein Grundeinkommen diskutiert, bis dato kommt bei Regierung und Sozialpartnern rein gar nichts dabei heraus. Naja, rein gar nichts ist vielleicht übertrieben: arme Menschen bekommen ja für ihr altes Auto bei einem Neuwagenkauf 1.500 Euro Schrottprämie…