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Ein anderes Wirtschaften ist möglich...

Meinung Von Heidemarie Ambrosch

… davon überzeugt diskutierten an die großteils jungen tausend TeilnehmerInnen am Internationalen Kongress „Solidarische Ökonomie“, der vom 20. bis 22.Februar 2009 an der Universität für Bodenkultur in Wien durchgeführt wurde. Insbesondere die Beteiligung aus Deutschland war hervorstechend, wo im Jahr 2006 der erste Kongress zum Thema stattgefunden hat. Aber auch aus der Schweiz, Italien, Ungarn, Slowenien, Tschechien, Frankreich, Spanien, Finnland sind Frauen und Männer angereist, aus Übersee Brasilien, Venezuela, Nepal waren ReferentInnen eingeladen. In 120 Programmangeboten wurden sowohl grundlegende Alternativen angedacht, wie auch unterschiedlichste konkrete Praxen vorgestellt, vom Kostnixladen in Wien bis zur Frauenbank in Venezuela.

Organisiert wurde der Kongress in einem offenen, partizipativen Prozess von Personen aus den verschiedenen sozialen, feministischen, ökologischen, kommunistischen, anarchistischen oder ökumenischen Bewegungen. Ziel des Kongresses war es, ein „Wirtschaften“ zu thematisieren, das auf Kooperation und gegenseitiger Unterstützung statt auf Ellbogenmentalität und Ausgrenzung zielt. Solidarische Ökonomie stellt den Menschen anstelle des Profits in den Mittelpunkt.

„Wir wollen den Begriff „Solidarische Ökonomie“ bewusst nicht eng eingrenzen um sehr unterschiedlichen Konzeptionen und Ansätzen Platz zu geben und kontroversielle Diskussionen zu ermöglichen. Dabei geht es um Kritik der Geschlechterverhältnisse, Grenzregime, Kapitalismus und/oder der Zerstörung natürlicher Lebensräume und auch um einen selbstreflexiven Blickwinkel auf solidarökonomische Projekte, wie z.B.: selbstverwaltete Räume und Betriebe, alte und neue Genossenschaften, solidarische Wohnformen, Aneignung von Raum und Ressourcen, Kommunen, Unternehmungen mit sozialer Zielsetzung, Bleiberechtsinitiativen, Tauschringe, Regionalwährungen, Frauenräume und feministische Projekte, Umsonstläden, alternative Finanzierungseinrichtungen, fairer Handel, Solidarische und Interkulturelle Gärten, Volxküchen, landwirtschaftliche Direktvermarktung, Ökodörfer, OpenSource, Alternative Bildungseinrichtungen, Wissensallmende, Grundeinkommen u.v.a.m.“ lautete der vorangegangene Aufruf der OrganisatorInnen.

Bis auf wenige sehr spezifische Workshops waren sowohl die der theoretischen Impulse, der grundlegenden Kapitalismuskritik etc. als auch jene der internationalen insbesondere der lateinamerikanischen Erfahrungen wie auch der konkreten europäischen Projekte gut besucht, und soweit ich das aus den Gesprächen beurteilen kann, wurde in diesen wechselseitig die jeweils notwendige gegenseitige Anbindung von Theorie und Praxen gefordert.

Einzigartig war die gelebte Solidarität am Kongress selber, der spontanen Hilfe beim Infotisch oder im „Tüwi“, einem autonomen Wiener Projekt, wo das Mittagessen für alle vorbereitet wurde. Einig war man sich zum Schluss, dass es weiterer solcher Räume bedarf, um gerade angesichts der noch vor uns liegenden Krisenauswirkungen Alternativen zu eröffnen und zu konkretisieren, in Theorie und konkreten Praxen, um der Individualisierung sozialer Probleme, die eigentlich in gesellschaftlicher Verantwortung wahrgenommen werden sollten, die Solidarität entgegenzustellen. Das Schlussplenum diente der weiteren Vernetzung, nähere Infos vor allem auch über das breite Spektrum des Programms und bereits eine Vielzahl von Texten, Videos finden sich auf http://www.solidarische-oekonomie.at/.

Heidi Ambrosch ist Frauensprecherin der KPÖ und Mitglied der Organisationsgruppe