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Die Krise bedroht uns alle

Meinung Von Gilbert Karasek, Personalvertreter Wienstrom

Anlässlich der wachsenden Bedrohung, aus der Ecke des bürgerlichen Wirtschaftsystems, wollen wir uns kurz und sachlich mit dem Thema Krise und seinen Mechanismus befassen.
Beginnen wir beim derzeitigen Konsumverhalten, denn wie wir alle beobachten, kann der Konsumbedarf nicht mehr Schritt halten mit den vielen Angeboten und der steigenden Produktion. Gewaltige Massen an angehäufter Arbeit türmen sich am Ende der Fließbänder auf. Die Erzeugnisse bleiben unabsetzbar liegen. Die ständig neu produzierten Produkte können nicht mehr in Kapital umgewandelt werden. Die Fließbänder werden gedrosselt, manche kommen gar zum Stillstand, da mittlerweile die Produktion eingestellt wurde; es kommt zu Kurzarbeit und Entlassungen. Und dass bloß, weil in der kapitalistischen Gesellschaft die Produktionsmittel nicht bedient werden können, wenn sich die Produkte nicht in Kapital, also in Mittel zur Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft umwandeln können.

Im Kapitalismus werden die gesellschaftlichen Produktionsmittel nur dann von den ArbeiterInnen bedient, wenn die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft zur Geldvermehrung führt. So hat der Mensch im Kapitalismus, in der so demokratischen bürgerlichen Gesellschaft, keinen Wert; er ist unbrauchbar, lebt in Armut, bleibt ohne Mittel, ohne Arbeit und Zukunftslos, wenn sich der Privateigentümer oder Arbeitgeber bzw. das Kapital nicht an seiner Arbeitskraft bereichern kann.

Andererseits wäre es eine Leichtigkeit, mit den unermesslichen Reichtümern und dem Überfluss an technischen industriellen Produktionsmitteln den Wohlstand für alle Menschen sicher zustellen. Aber da schiebt der Kapitalismus mit seiner Aneignungsweise einen Riegel vor. Denn es ist gerade der gesellschaftliche Reichtum, bzw. die Angehäufte Arbeit, die im Widerspruch zum Wohlstand steht. Schließlich kann das Kapital nur dort Existieren, wo es sich vermehren kann.

In Krisenzeiten kommt der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und der kapitalistischen Aneignungsform gewaltsam zum Ausbruch. Die sich immer weiter entwickelnden Produktivkräfte haben im Kapitalismus keinen Platz, sich noch weiter auszudehnen. Die gesellschaftliche Produktion kollabiert und das Kapital, als Zirkulationsmittel, wird sowohl in Produktionsbereich wie auch als Geldmittel zum Zirkulationshindernis. Die Produktion und der Handel kommen zum Stillstand, die Kapitalisten, Spekulanten und Börsenmakler mit ihrer Überproduktion, den aufgeblasenen Spekulationsgeschäften mit ihren veranlagten Kapital und Wertpapieren und den schrankenlos aufgeblähten Krediten bleiben auf ihre Verlusten sitzen, die Staatsverschuldung steigt und die Kredite setzen aus.

Der gesamte Mechanismus der kapitalistischen Produktionsweise bricht unter dem Druck der kapitalistischen Aneignungsweise zusammen. Die gesellschaftlichen Produktivkräfte haben sich zu einem Punkt entwickelt, wo die Produktion unverträglich mit der Anarchie der kapitalistischen Produktion geworden ist. Anstatt dass der Reichtum zum Wohlstand für alle wird, führt er zur Massenarbeitslosigkeit. Die Anarchie in der gesellschaftlichen Produktion, die angetrieben wird durch den Konkurrenzkampf, wirkt in der Krise wie eine Naturkatastrophe: blindlings, gewaltsam und zerstörerisch.

Die Krisen sind Zeiträume, in denen die gewaltigen gesellschaftlichen Reichtümer vernichtet werden. Die beiden Weltkriege beispielsweise waren bloß Zeiträume kapitalistischer Krisen. Aber die Bedrohung der Menschheit besteht nicht nur in der kapitalistischen Produktionsweise und in seinen periodischen Krisen, sondern auch in der Zerstörung der Umwelt und in der gewaltigen Vergeudung der Rohstoffe.

Wie wir sehen, Liebe Kolleginnen und Kollegen, widerspricht die kapitalistische Produktionsweise den Bedürfnissen der Menschheit. Die Produktivkräfte drängen "mit steigender Macht nach Aufhebung des Widerspruchs, nach ihrer Erlösung von Ihrer Eigenschaft als Kapital, nach tatsächlicher Anerkennung ihres Charakters als ..." nicht Private, sondern als " . gesellschaftliche Produktivkräfte." Friedrich Engels. (MEW Bd.19)