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„Hey Boss ich brauch mehr Geld…“

Meinung Von Josef Stingl

…, mit diesem Titel sang sich 1974 Gunter Gabriel in die Hitparaden. Zwei Jahre später kam es „zum Lohnknick“. Der Anteil der Löhne und Gehälter am Gesamteinkommen, kurz die Lohnquote, ist seit diesem Zeitpunkt von rund 80 Prozent auf 65 Prozent zurückgefallen. Die Folge: Von 2000 bis 2006 sind die Unternehmens- und Vermögenserträge dreimal soviel gestiegen als jene der ArbeiterInnen und Angestellten. Ein Phänomen, das auch Ex-Sozialminister Erwin Buchinger nicht verborgen blieb. Im März 2008 veröffentlichte er den Bericht „Die Verteilung der Einkommen in Österreich“ und er verwies dabei darauf, dass der Rückgang der Lohnquote ein internationaler Trend ist: „Bemerkenswert ist aber, dass das Tempo des Rückgangs in Österreich doppelt so hoch wie im EU-15 Durchschnitt (fünf Prozentpunkte) war“, so im Originaltext des Berichts.

Aus linker Gewerkschaftssicht bemerkenswert ist, dass im gleichen Bericht Buchinger seinen ÖGB-KV-ChefverhandlerInnen-Parteifreunderln offiziell attestierte, dass sie jahrelang bei ureigentlichen Aufgabe der Gewerkschaften schlechtes Verhandlungsgeschick gezeigt haben. Denn wesentliche Ursachen für den Rückgang der Lohnquote sei neben der Arbeitslosigkeit und der Veränderungen bei den Beschäftigungsformen, die im langjährigen Durchschnitt unter den Produktivitätssteigerungen liegenden kollektivvertraglichen Lohnsteigerungen.

Nulllohnrunde ist ein Minus

Derzeit, in einer krisengeschüttelten Zeit, läuft die Metallerlohnrunde – aber auch die große Runde der Handelsangestellten und zahlreiche andere KV-Lohnrunden stehen kurz bevor. Von mäßigen, von zurückhaltenden, von moderaten Lohnerhöhungen bis hin zu einer Nulllohnrunde – wie es etwa der IV-Chef Veit Sorger verlangt, ist der Bogen der UnternehmerInnen, um ihre Krisenkosten auch beim Inflations- und Produktivitätsausgleich für die ArbeitnehmerInnen auf diese abzuwälzen.

Berechtigt hat der ÖGB vor den großen KV-Lohnverhandlungen eine Kampagne gegen die befürchten Nulllohnrunden gestartet: „Verlieren Sie gerne 6.745 Euro? Wer 2.200 Euro brutto verdient, würde durch eine einzige Nulllohnrunde in zehn Jahren fast 7.000 Euro verlieren!“ wird auf den ÖGB-Foldern und -Plakaten vorgerechnet. „Einmal auf zwei Prozent zu verzichten klingt im ersten Moment nicht so tragisch, wirkt sich jedoch in den Folgejahren verheerend aus. Jeder kann unter www.nulllohnrunde.at den drohenden Verlust selbst berechnen“, so der Tiroler ÖGB-Landessekretär Peter Hofer bei Pressevorstellung dieser Aktion.

Einmalzahlung ist ebenfalls ein Minus

Auch die Fachgewerkschaften und alle Fraktionen unterstützen die Kampagne. Die „MetallerInnengewerkschaft“ GMTN beispielsweise verspricht ihren Mitgliedern, dass sie sich mit allen Mitteln gegen eine Nulllohnrunde wehren wird. In der Realität zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Hinter der Hand hört man dann, dass es schwierig werde und man mit einem geringen Prozentsatz und allfälligen – in den letzten Jahren modern gewordenen – Einmalzahlungen mehr als zufrieden sei.

Was für eine Nulllohnrunde gilt, gilt natürlich auch für Einmalzahlungen. Bleiben wir bei dem in der ÖGB-Kampagne verwendeten 2.200 Euro Bruttoeinkommen, mit einem 6.745- Euro-Verlust bei einer Nulllohnrunde. Liegt die Einmalzahlung bei 250 Euro (diese Summe war im Vorjahr bei den MetallerInnen der von der EBIT-Marge abhängige Maximalbetrag), dann macht das Minus in 10 Jahren noch immer 6.500 Euro aus.

Bleibt die Frage offen, ist eine „Nulllohnrundenkampagne“ das Einzige was der ÖGB gegen gestiegene Produktivität, jahrzehntelange sinkende Lohnquote und Einmalzahlungsminus anzubieten hat? Warum gibt es keinen Vorstoß mit offensiven Lohnforderungen, keinen Vorstoß für Umverteilungsmaßnahmen steuerlicher Natur oder zumindest einen Vorstoß in Richtung 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich als erste Abgeltung der gestiegenen Arbeitsleistung der letzten Jahrzehnte.

Josef Stingl ist Koch und Betriebsrat in Innsbruck und Stv. Bundesvorsitzender des GLB