Vor einigen Jahren, noch als Gewerkschaftsbank, warb die BAWAG mit kostenlosen Kontoführungsgebühren und für die „Überschüsse“ mit einem Kapital-Vorsorge-Sparbuch mit einer etwas höherer Verzinsung. Zwischenzeitlich wurde die österreichische „ArbeiterInnen-Bank“ nach der sogenannten „BAWAG-Krise an den US-Finanzinvestor Cerberus (Höllenhund) verschachert. Und der „Höllenhund“ steht unter Druck: Mehrere Investoren wollen von der Beteiligungsgesellschaft Milliardenbeträge abziehen. Wie schlecht es Cerberus wirklich geht, ist aber unklar, denn die Gruppe weigert sich seit Jahren, Ergebniszahlen zu veröffentlichen. Auch in Österreich kämpft der Höllenhund mit Problemen. Im Vorjahr hat die neuerworbene BAWAG einen Verlust von fast 550 Mio. Euro „erwirtschaftet“. Neben dem Wunsch auf staatliche Hilfe durch Steuergeldzuschüsse, greift jetzt der österreichische Höllenhundableger auch bei ihren KundInnen kräftig in die Tasche:

Fall Eins: Ein Gewerkschaftsmitglied hat seit über 20 Jahren bei der BAWAG ein Gehaltskonto. Aufgrund von Bonitätsschwierigkeiten mit einer anderen Bank, darf er das BAWAG-Konto nicht mehr überziehen. Auf besagtem Konto befinden sich 39,21 Euro, ein Abbuchungsauftrag einer Versicherung über 39,70 Euro wurde daher nicht durchgeführt. Bis hierher noch in Ordnung, wenn man nicht berücksichtigt, dass natürlich ein Bankangestellter mit einem kurzen Telefongespräch den langjährigen Kunden über das Fehlen der 49 Cent informieren hätte können. Der Clou ist aber, dass die BAWAG sich für das Fehlen der 49 Cent mit acht Euro Bearbeitungsgebühr bereichert.

Fall Zwei: Diesen Monat teilte besagte Bank hunderten BesitzerInnen von Kapitalsparbücher mit, dass diese aufgelöst werden, da die Zinsen einfach zu hoch seien. Dabei geht es um Zinsen um die vier Prozent. Derzeit bekommt man im Schnitt für ein Kapitalsparbuch, das drei Jahre läuft, etwa 2,75 Prozent Zinsen.

Gleichzeitig wirbt aber Höllenhund BAWAG mit einem neuen Sparbuch und appelliert an den Patriotismus der ÖsterreicherInnen. Auf der Internetseite der BAWAG ist dazu zu lesen: „Österreich-Sparbuch im Überblick: bis 6% p.a. Gesamtverzinsung (am Laufzeitende) möglich. Die Höhe der Verzinsung zum Laufzeitende hängt von der durchschnittlichen Entwicklung des Aktienkorbes ab“.

Spätestens seit der Finanzkrise weiß jedes Kind, Vorhersagen von Aktiengewinnen gehören ins Reich des Fabelwesens. Genausogut können am Ende Aktienverluste stehen. Welche Verzinsung hat das Österreich-Sparbuch dann? Nullverzinsung oder Minusverzinsung? Aber selbst wenn sich der Markt wie vorhergesagt gut entwickelt, dass versprochene sechs Prozent Zinsen auch wirklich real sind, können diese dann längerfristig konsumiert werden, oder kündigt der Höllenhund dann aufgrund „zu hoher Zinsen“ einfach wieder nur die Sparbücher auf?

Der ÖGB hat die BAWAG an den Cerberus verkauft. Unverständlich, dass die Gewerkschaft trotz dieser „BAWAG-Raubzüge“ ihren FunktionärInnen, BetriebsrätInnen und Mitglieder als Gewerkschafts- und Hausbank verklickert!