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Österreich im EU-weiten Spitzenfeld bei Bankspesen

News Eine bundesweit einheitliche gesetzliche Regelung für Bankspesen sowie die spesenfreie Führung von Lohn- und Gehaltskonten fordert die Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) anlässlich des Weltspartages am 31. Oktober. Laut einer Studie der EU-Kommission liegt Österreich mit einer durchschnittlichen Spesenbelastung von Girokonten mit 140 Euro pro Jahr an vierter Stelle der 27 EU-Länder hinter Italien, Spanien und Frankreich. In Österreich kostet ein Girokonto dreimal soviel wie in den mit den Lebenshaltungskosten vergleichbaren Niederlanden und eineinhalb Mal soviel wie in Deutschland.

Dieser Studie zufolge ist die Information über Bankspesen durch die österreichischen Banken zudem so umständlich, dass sogar Spezialisten erst nach umfangreichen Recherchen einen Vergleich tätigen können. Am meisten sahnen die Banken mit den hohen Grundgebühren ab, die unabhängig von der Zahl der getätigten Transaktionen quasi als „Körberlgeld“ eingehoben werden.

Im Zusammenhang mit einigen Verbesserungen – ab 1. November müssen Überweisungen innerhalb der EU am nächsten Tag auf dem Empfängerkonto sein, Gebühren für Kontenschließung entfallen, die Frist für Einsprüche gegen unberechtigte Abbuchungen wird von 42 auf 56 Tage verlängert – klagten die österreichischen Banken über Mehrkosten von 135 Millionen Euro, die sie offensichtlich als entgangenen Extraprofit bewerten. Völlig absurd ist die sich auf eine Studie von McKinsey berufende Behauptung der Banken mit dem privaten Zahlungsverkehr „seit Jahren ein Defizit von etwas mehr als 100 Millionen Euro“ zu machen.

Mit der mit Kostenereinsparungen begründeten flächendeckenden Umstellung der Lohn- und Gehaltauszahlungen über Bankkonten wurde den Banken eine gigantische Geldmasse zur Verfügung gestellt. Der systematische Umstieg auf Automaten für den Zahlungsverkehr bzw. Belegausdruck sowie Internet-Banking ist Bestandteil der Rationalisierung im Bankensektor: „Aber obwohl die Bankkunden immer stärker selbst die Verwaltung ihrer Konten übernehmen werden enorme Spesen für die Kontoführung verrechnet“, kritisiert GLB-Bundesvorsitzende Karin Antlanger.

Allein die Differenz zwischen den minimalen Habenzinsen für Guthaben auf Bankkoten und den exorbitanten Sollzinsen für Überziehungen oder Anschlusskredite schafft für die Finanzwelt eine riesige Manövriermasse für Finanztransaktionen. Die hohen Gewinne der Banken der letzten Jahre widerlegen schließlich die Argumente der Banken. Angesichts dieser Abzocker-Praktiken der Banken hat der Begriff „Bankräuber“ eine andere Bedeutung erhalten. Offensichtlich holen sich die Banken die Verluste aus ihren in den Sand gesetzten Beteiligungen und Fehlinvestitionen schamlos von den Bankkunden durch immer höhere Spesen für Girokonten.

Bertolt Brecht fragt in der „Dreigroschenoper“ treffend „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen eine Gründung einer Bank?“ Angesichts der Praxis solcher „Bankräuber“ ist dem nichts hinzuzufügen, so Antlanger abschließend.