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Opel: Stronachs Traum ist jäh geplatzt

Steiermark Am 3. November entschied der Verwaltungsrat von General Motors die deutsche GM-Tochter Opel doch nicht zu verkaufen. Faktisch über Nacht platzten damit die hochgestochenen Pläne von Frank Stronach. 1862 gründete Adam Opel eine Nähmaschinenfabrik, die zum größten deutschen Autohersteller aufstieg. Die Weltwirtschaftskrise 1929 zwang Opel zur Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, die vom Detroiter Autokonzern General Motors übernommen wurde und im 2. Weltkrieg beide Seiten belieferte.

Die Weltwirtschaftskrise 2009 zwang GM zur Insolvenz, der Konzern wurde in den USA teilverstaatlicht. Eine Übernahme von Opel durch den Autozulieferer Magna galt als faktisch fix. Wie in Österreich sollte sich Frank Stronach als Erfüllungsgehilfe staatsmonopolistischer Interessen bewähren. Nun ist der Milliardendeal geplatzt, die Zeche dafür zahlten freilich schon vorher die ArbeiterInnen beider Unternehmen gleichermaßen.

„Die Beschäftigten hier fühlen sich einfach verschaukelt“, erzählt Arbeiterbetriebsrat Peter Scherz über die Stimmung in der Belegschaft von Magna-Steyr in Graz. 2008 wurden 4.000 MitarbeiterInnen zur Kurzarbeit angemeldet und rund 1.500 LeiharbeiterInnen „abgebaut“. Erst im März forderte die Geschäftsführung die Angestellten zum Lohnverzicht auf, mehr als 90 Prozent stimmten – freilich nicht ganz freiwillig – zu.

Am 30. April offenbarte Stronach über die via „Kleine Zeitung“: „Magna ist eine sehr gesunde Firma, wir haben ungefähr 1,5 Milliarden Dollar Bar-Reserven auf der Bank, da können wir ruhig in ein Geschäft hineingehen, ohne uns selbst zu gefährden.“ Die Bar-Reserven (von der Belegschaft produzierte Gewinne) sollten die größte Akquisition in der Magna-Story ermöglichen: die Übernahme von Opel.

Staatshilfen

Nach monatelangen Verhandlungen schien der Deal auch fix. Noch am 10. September empfahl der GM-Verwaltungsrat 55 Prozent von Opel an Magna zu verkaufen. Mit ein Grund, warum es nicht dazu kam war die fehlende Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörde, ob Magna durch Staatshilfen ein Wettbewerbsvorteil erwachsen wäre. Immerhin 4,5 Milliarden Euro an staatlichen Krediten und Bürgschaften hatte sich Stronach gesichert, den Löwenanteil davon vom deutschen Staat. Ein Beispiel dafür, wie die SteuerzahlerInnen eine private, profitorientierte Übernahme finanzieren.

Das Magna-Konzept sah in Rüsselsheim und Bochum den Abbau von 3.800, die Schließung des Werkes in Saragossa mit 7.500 Beschäftigten vor und auch der Fortbestand des Werks in Antwerpen stand zur Disposition. Zu allem Überdruss wollte man den MitarbeiterInnen 265 Millionen Euro durch den Verzicht auf Weihnachts- oder Urlaubsgeld bis 2014 abpressen. Die Aussichten sind freilich kaum besser, wenn Opel jetzt weiter unter der Fuchtel von GM bleibt.

Ernüchterung

Auch in Graz wich die Euphorie der Ernüchterung. „Ein Stück vom großen Kuchen“ erwartete sich Angestelltenbetriebsrat Günter Pepper noch, als bekannt wurde, dass Magna den Zuschlag für Opel erhalten würde. Eine Hoffnung, die sich spätestens als VW eine künftige Zusammenarbeit mit Magna in Frage stellte, als falsch erweisen sollte.

Dann wurde bekannt, dass Magna in der Abteilung Forschung und Entwicklung im Grazer Stammwerk weitere 300 Mitarbeiter abbauen wird. Intern sollen bereits Listen von MitarbeiterInnen, auf die verzichtet werden kann, kursieren. Scherz bestätigt, dass sich unter den Kündigungsopfern auch solche befinden, die erst vor wenigen Monaten einem Lohnverzicht zugestimmt haben. Scherz fühlt sich bestätigt. Schon vor Monaten warnte er, dass durch Lohnverzicht keine Arbeitsplätze gesichert werden könnten.

Über 20.000 Beschäftigte demonstrierten in Belgien und Spanien gegen geplante Werksschließungen. In Antwerpen fand EGB-Generalsekretär Peter Scheerer recht deutliche Worte: „Wenn wir heute nicht kämpfen, könnten morgen Bochum, Luton oder Saragossa dran sein“. Scheerer forderte zum gemeinsamen Handeln auf.

Bei den Rivalitäten der Konzerne müssen immer die Beschäftigten ausbaden was Manager verbockt haben. Die von Magna geplanten Einschnitte bei Opel wird jetzt wohl der leicht erholte US-Konzern General Motors in Eigenregie erledigen. Denn in der von einer massiven Strukturkrise gebeutelten Auto- und Zulieferindustrie ist Marktbereinigung angesagt: „Die Opel-Entscheidung hat für uns auch etwas Gutes: Unsere Spitzenmanager müssen sich wieder auf ihre ureigensten Aufgaben konzentrieren, nämlich wie sie neue Aufträge für den Standort Graz hereinbekommen und so die Arbeitsplätze sichern“, so Peter Scherz´ Resümee.