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Privatsphäre ist von gestern

Service Von Leo Furtlehner

Google und Facebook sind in aller Munde und für viele schier unentbehrlich. Für manche verwischen sich sogar zunehmend die Grenzen zwischen virtuellem und realem Leben und sie meinen gar, ein Mausklick würde genügen um Meinung und Politik zu gestalten. Aber wie schon Marx feststellte wird die Theorie „zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift“. Das Internet kann eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung spielen, wie die Wahl Obamas zum US-Präsidenten bewiesen hat, die Realität ist dann freilich eine andere.

Vorsicht mit persönlichen Daten

Beim Hype auf Google, Facebook & Co. geht vielfach auch unter, dass hier die Datenhaie unterwegs sind. Das umso mehr, als viele Angebote gratis sind. Aber gratis ist bekanntlich nicht umsonst, alles hat letztlich seinen Preis. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg war wenigstens insofern ehrlich, als er frisch heraus erklärte, dass für ihn die Privatsphäre der weltweit bereits 400 Millionen „Friends“ ohnehin nicht mehr existiert.

Wer sich auf Facebook tummelt, sollte demnach vorsichtig sein, welche persönlichen Daten veröffentlicht werden und ob es wirklich schlau ist, Fotos von Besäufnissen oder sonstigen Eskapaden ins Netz zu stellen, über eine lustige Party zu schreiben, wenn man offiziell im Krankenstand ist oder via Internet über Chefitäten zu lästern. Bekanntlich schauen sich heutzutage Personalchefs bei der Prüfung von Bewerbungen zuallererst im Netz um und werden meist auch fündig. Gar nicht davon zu reden, was Mister Zuckerberg und sein Konzern mit solchen Daten treiben.

Zurückhaltung mit Details zur Person, wohlüberlegte Äußerungen – als Faustregel gilt, dass man nur schreibt, was man auch Face to Face sagen kann – und Einstellungen beim eigenen Profil – man muss nicht für „alle“ sichtbar sein – sind jedenfalls angebracht. Freilich ist man heute für manche Personalisten mittlerweile schon verdächtig, wenn die persönlichen Angaben auf Facebook zu spärlich sind…

Google, die Datenkrake

Weniger offen, dafür aber umso datengieriger ist man bei Google, der Nummer eins der Internetsuchdienste. Der Konzern sammelt alles was nur irgendwie über NutzerInnen greifbar ist, um durch Verknüpfung dieser Datenfülle entsprechende UserInnenprofile zu erstellen, die um teures Geld verkauft werden. Das Ergebnis schaut dann etwa so aus, dass bei der Suche nach einem Urlaubsziel gleich passende Angebote von Reisebüros oder bei der Suche nach einem Frauenarzt gleich Babyartikel eingeblendet werden.

Und weil das noch lange nicht reicht, gibt es dutzende Zusatzangebote, die meisten davon gratis, um den UserInnen noch mehr Verhaltensmuster und Daten beginnend mit der IP-Adresse des jeweiligen Computers zu entlocken. So ist Google Mail dafür bekannt, dass der „Große Bruder“ den Inhalt privater Mails maschinell auswertet und Daten nach Löschung für 60 Tage aufgehoben werden. Ebensolche Vorsicht ist beim Angebot von Google Text & Tabellen, einem Office-Programm via Internet geboten. Auf diese Weise erstellte und im Netz deponierte Dokumente sind für Google ausgewertet, wozu man sich sogar eine kryptisch formulierte Zustimmung einholt.

1984 zur Potenz erhoben

Die von George Orwell in „1984“ geschilderte Überwachung oder das was KGB, Stasi & Co. von westlichen Menschenrechtlern immer vorgehalten wurde, sind pure Kinderei im Vergleich zu dem, was heute via Satelliten über die Google Angebote Earth, Maps und Streets quasi Standard ist. Wer da zur falschen Zeit am falschen Ort ist, findet sich umgehend im Netz wieder. Mittlerweile regt sich zunehmend Widerstand von BürgerInnen, wenn ihre Straße oder ihr Haus von einem Google-TV-Wagen gefilmt wird.

Zum Google-Konzern gehört auch YouTube. Damit kann Google auch auswerten, wer sich welche Videos mit Vorliebe anschaut, womit der „gläserne Mensch“ noch stärker durchleuchtet wird. Und mit der gratis angebotenen Google-Suchleiste für Firefox oder Internet Explorer wird die Datensammlung überhaupt perfektioniert. Was die UserInnen als kostenlosen Service sehen dient also dazu, sie nach allen Kräften auszuhorchen und ihr Geld in die Kassen der Konzerne zu lenken.

Leo Furtlehner ist verantwortlicher Redakteur der „Arbeit“