GLB
Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB)

Hugo Portisch: Wie zur Zeit des Kalten Krieges

Gewerkschaften Von Karin Antlanger, GLB-Bundesvorsitzende

Der Oberlehrer der österreichischen Fernseh-Nation verfehlte beim Festakt zum 65. Jahrestag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes das Thema: Wird er senil oder war er schon immer so daneben? Vermutlich Letzteres.

Bei der am 27. April 2010 abgehaltenen Festveranstaltung zum 65. Gründungstag des ÖGB waren so ziemlich alle vertreten, die aus der Sicht der ÖGB-Führung Einfluss auf die aktuelle politische Landschaft haben. In ihren Grußworten betonten Bundespräsident, Bundeskanzler, Vizekanzler und ÖGB-Präsident, dass nach dem Ende des 2. Weltkrieges ein einheitlicher und überparteilicher ÖGB gegründet wurde, der eine Zusammenarbeit Aller – über die Parteigrenzen hinweg – ermöglichen und sicherstellen sollte.

Bis der offizielle Hauptredner Hugo Portisch Herr über das Mikrofon wurde: Dieser stellte zwar zu Beginn launig fest, dass es schwierig sei, 65 Jahre ÖGB-Geschichte in 20 Minuten zu referieren, sodass er nur sieben Eckpunkte á drei Minuten skizzieren wollte.

Schwer zu sagen, wie lange Portisch tatsächlich gesprochen hat, da wir GLB-VertreterInnen nach etwa 30 Minuten geballtem Antikommunismus die Veranstaltung wegen sportlicher Wertlosigkeit und Respektlosigkeit gegenüber einer Gründungspartei des ÖGB verließen. Schließlich muss man/frau nicht jeden Erguss eines alten Mannes, der sich geistig anscheinend immer noch in der Zeit des Kalten Krieges befindet, über sich ergehen lassen.

Schade für den „einheitlichen und überparteilichen ÖGB“: Dieser wurde durch den Auftritt des Möchtegern-Historikers, der in Wahrheit aber nur Journalist und als solcher ein Lohnschreiber der US-Besatzungsmacht war, auf ein Bollwerk gegen die sowjetische Besatzung und auf einen Garanten für die Bekämpfung der österreichischen KommunistInnen reduziert.

Dabei stellte Portisch sogar klar, dass dem ÖGB beim Wiederaufbau Österreichs nach dem 2. Weltkrieg eine immens wichtige Rolle insofern zukam, als dieser Wiederaufbau nur mit massivem Lohnverzicht seitens der Arbeiter und Angestellten möglich war und dieser Lohnverzicht nur durch die Beihilfe des ÖGB von statten gehen konnte.

Als Portisch dann nach 30 Minuten Redezeit erst bei den „Rollkommandos der Kommunisten“ im Zuge der Oktoberstreikbewegung 1950 angelangt und das Ende seiner Redezeit absehbar war, hatte er etwa 90 Prozent seiner Redezeit damit verbra(u)cht, die 65jährige Geschichte des ÖGB auf die Geschichte eines Kampfes gegen KommunistInnen zu reduzieren. Muss der sich fürchten!

Mit diesem Politik- und Demokratieverständnis – nämlich sich mit den Rechten ins Bett zu legen, wo immer es opportun erscheint und den Kampf gegen Rechtsextremismus hintan zu stellen – mit diesem Verständnis kann sich Portisch bestens mit „Krone“-Chef Dichand treffen. Beide im neunten Lebensjahrzehnt und beide glühende Antikommunisten.

Aber auch Heinz Fischer, der alte und neue Bundespräsident, hat eher mit der Abgrenzung nach links, also zu den KommunistInnen hin, ein Problem, als mit der nach rechts. So meinte er in einem Interview in der Wiener Zeitung (22.4.2010) wörtlich zum Aufstieg des Rechtspopulismus: „Sicher hat der Aufstieg von rechtspopulistischen Kräften, der insbesondere mit dem Namen Jörg Haider verknüpft ist, auch mit Defiziten in den anderen politischen Lagern zu tun. Nachdem es in Österreich gelungen ist, im Unterschied zu Deutschland, den linken Rand sauber zu halten, finden sehr viele Proteststimmen ihren Weg nach rechts.“

Dem ÖGB ist jedenfalls mit Portisch als Festredner wieder mal der Tritt ins politische Fettnäpfchen geglückt. Thomas Mann hat den Antikommunismus als die „Grundtorheit der Epoche“. Portisch muss da irgendwo stecken geblieben sein…

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