Rückwirkend für den 1. Mai 2010 wurde „nach zähen und langen Verhandlungen“ (vida - O-Ton) am 4. Mai der KV-Abschluss für die Hotellerie und Gastronomie erzielt.

„Ab Mai 2011 gilt Mindestlohn von 1.000 Euro netto. (…) Die Kollektivvertragsgehälter für die rund 25.000 Angestellten werden für den 1. Mai 2010 um 1,65 Prozent und ab 1. Mai 2011 um 2,05 Prozent erhöht. Außerdem konnte eine bundesweite Angleichung der Lehrlingsentschädigungen und eine Anhebung der Bekleidungspauschale auf 34,50 Euro erzielt werden. (…) Wir konnten in schwierigen Verhandlungen für die Beschäftigen in der Hotellerie und Gastronomie einen zufriedenstellenden Abschluss erzielen “, so dazu die Gewerkschaft vida in ihrer Aussendung.
Wirklich ein guter Abschluss? Noch in der ersten Verhandlungsrunde verwies gleiche Gewerkschaft auf eine Meldung des Obmanns der Tourismuswirtschaft in der WKÖ Hans Schenner, der „von der drittbesten Wintersaison aller Zeiten“ spricht. Gleiches bestätigte übrigens auch der Geschäftsführer der Tirol-Werbung Josef Margreiter am 25. Mai der Tiroler Tageszeitung: „(…) überwiegt die Freude über das Plus an 0,6 % auf 5,01 Millionen Gäste. Das war der drittstärkste Winter der Geschichte. (…) damit habe man weit über den Erwartungen bilanzieren können.“

Mit diesem Hintergrund gesehen wurde mit heurigen Lohnerhöhung im Hotel und Gastgewerbe ab 1.Mai zumindest gerade noch ein Ziel erreicht: der Termin und dafür wurde mit dem 24-monatigen Abschluss sogar auf die nächstjährige KV-Lohnrunde verzichtet. Von einem anderen Ziel, „konkurrenzfähige Löhnen“, wie es der vida-Vorsitzender Rudolf Kaske seit Jahren formuliert, ist nach wie vor nichts zu sehen. Die Hoteliers und Wirte behaupten zwar oft, es werde ja ohnehin weit über den KV bezahlt. Verschwiegen wird allerdings, dass diese Lohnzahlungen sogenannte „All-Inklusiv-Verträge“ sind und 50-, 60- und noch mehr Stunden-Wochen und 6-Tage-Wochen beinhalten.

Und nicht zu vergessen: Viele müssen sich ihre Brötchen bei Saisonjobs verdienen. Ihre Überzahlungen gelten daher nur für 6 bis 8 Monate im Jahr, den Rest der Zeit ist man/frau auf die Arbeitslose angewiesen. In Tirol – dem Tourismusland Nr. 1 – beispielsweise, haben nur mehr die Hälfte aller Beschäftigten einen Vollzeitarbeitsplatz übers ganze Jahr. Von dem heurigen Lohnabschluss sind wir vom Gewerkschaftlichen Linksblock „not und amused“, wie schon die Jahre davor.

Josef Stingl ist Vorsitzender des GLBvida und BR Lamererstube in Innsbruck