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Den "Post-Gipfel" erklommen...

Tirol Erwartungsgemäß wurden jetzt weitere 52 Postämter zur Schließung angemeldet. In Tirol sind davon die Gemeinden Weißenbach a. Lech, Ehrwald, Kramsach sowie Ötz, Axams und Kartitisch betroffen. Das ist jedoch nur ein Teil jener 300 Ämter, die wahrscheinlich noch heuer in sogenannte „Post-Partner“ umgewandelt werden sollen... „Solange kein Post-Partner gefunden ist, darf es zu keiner Schließung kommen!“, lautete bisher die sattsam bekannte Beschwichtigung jener, deren Herz und Seele für eine rasche Vermarktplatzung Österreichs schlägt. Kommt es tatsächlich zu keiner anderen Schließung? Oder meint man damit etwa nur, dass diese Verpflichtung nur dann besteht, wenn sich im Umkreis von 10 km (!) kein anderes Postamt vorfindet? Denn laut Post-Vorstandsdirektor Herbert Götz führt an einer Schließung von (derzeit) defizitären Postfilialen kein Weg vorbei: „Wir müssen umwandeln, um nicht noch mehr Verluste zu schreiben!“

Weiters erklärt Gotz, dass diese „Umstrukturierung“ noch weitere zwei bis drei Jahre dauern soll. Wie viele Filialen letztlich davon die „Staatsgemeinschaft Österreich“ behalten darf, ließ Götz gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“ aber geflissentlich offen. Vermutet wird, dass in Tirol von derzeit 97 Postfilialen nur noch 10 erhalten bleiben sollen. Diese Zahl wollte Götz allerdings nicht bestätigen (Anm.: aber auch nicht dementieren...).

Mit der Zerstörung einer tadellosen und bewährten Postamtsinfrastruktur Österreichs wird unser Alltag allerdings nicht unbedingt erträglicher, geschweige denn sicherer! Hatte man bisher (als sich der Staat Österreich anscheinend noch den Luxus einer Institution „Post“ selbst leisten konnte, wollte, durfte...) beispielsweise nicht zustellbare Paket- und Briefsendungen in gewohnter Manier beim örtlichen Postamt abholen können, muss man eben ab nun (insofern überhaupt möglich) erst einmal einige Dinge eruieren und verifizieren:

Wer ist überhaupt der(die) zustellende DienstleisterIn? Wo ist deren Firmensitz? Wann und unter welcher Telefonnummer ist diese dann erreichbar? Wie weit ist der Weg bis dahin? Wann und wo darf man sich schlussendlich die Sendungen abholen? Wie kommen ältere Menschen (z.B.mit einer Mindestrente) ohne eigenes Auto zu ihrer Post, und wer steht für deren entstehenden Mehrkosten gerade? Welche rechtlichen Bestimmungen bestehen im Zweifel gegenüber dem PrivatbetreiberInnen? Und, und, und…

Für sogenannte „echte Postsendungen“ ist dann ebenfalls eine Fahrt von 20 km inklusive halbstündiger „Wegzeit“ kein Ausnahmefall... (Die damit entstehenden Kosten und der Zeitaufwand bzw. das erhöhte Unfallrisko für die Einzelnen, und die durch den Energieaufwand entstehende vermehrte Umweltbelastung sind dabei noch nicht einkalkuliert!)

Dass unsere Post ein Problem hat, wird jetzt schön langsam sogar den „Verantwortlichen“ unseres Landes bewusst! Landeshauptmann Günther Platter lud daher Postgewerkschaftsvertreter Heinz Kirchmair und den derzeitigen Post-Vorstandsdirektor Götz zu einem „Gipfeltreffen“ ein, in dem im Wesentlichen nicht viel mehr als der Verbleib des Status dieser Entwicklung, untermauert wurde.

Treffend meinte Bürgerforum-Chef LAbg. Fritz Dinkhauser nach diesem offiziellen Gespräch, dass Platter „ohne Gipfelsieg geblieben sei“... „Kein, in Tirol zur Schließung angemeldetes Postamt werde jetzt nicht geschlossen. Kein schon geschlossenes Postamt werde wieder geöffnet!“

Platter und FCG-Gewerkschafter Kirchmair formulieren das Problem selbstverständlich etwas anders: „Das Ergebnis ist ein erster wichtiger Schritt, um die Interessen der Tiroler Bevölkerung und der Postbediensteten zu wahren“, meint etwa die Landesfraktion der Christlichen GewerkschafterInnen.

Ihr Volksbegehren „Stopp dem Postraub“, mit den Forderungen:
- nach Aufrechterhaltung der Infrastruktur und Sicherung von Postdienstleistungen zu gleichen Bedingungen für die gesamte Bevölkerung,
- der Novellierung des Postgesetzes und Erhebung in den Verfassungsrang,
- der Fixierung von mindestens 1300 Postfilialen im Postgesetz, welche durch die Post AG zu führen sind,
- und der Schaffung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die auch nach der Liberalisierung einen fairen Wettbewerb sicherstellen,
...sind so nur mehr Schal und Rauch.

Bleibt scheinbar einzig und allein der Gewerkschaftliche Linksblock als „einsamer Rufer in der Wüste“ für die Interessen der Postangestellten und der StaatsbürgerInnen: Er verlangt nachwievor die Rückführung der Post ins öffentliche Eigentum, sowie den verfassungsmäßigen Schutz öffentlicher Dienstleistungen. „Denn wir brauchen mehr, und nicht weniger Postämter mit entsprechendem Service und Personal!“