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Unis: Mehr Geld allein ist nicht genug

Meinung Von Barbara Steiner

Ein Artikel über die Uni und die Studienbedingungen beginnt für mich mit der Betrachtung der Lebensbedingungen von Studierenden. Danach lässt sich argumentieren, dass ein breites „akademisches Prekariat“ einer wieder kleiner werdenden akademischen Eliten- Schicht gegenübersteht. Um sowohl die Prekarisierung als auch die Elitenbildung zu bekämpfen wäre ein gesellschaftlich breiter und Gruppenübergreifender Protest gegen das Belastungssparpaket und eine solidarische Forderung nach Umverteilung notwendig, nicht nur die Forderung nach mehr Geld für die Unis. Nicht, weil er in der „Arbeit“ erscheint beginnt dieser Artikel also mit den Arbeitsbedingungen von Studierenden, sondern weil 60 Prozent der Studierenden schon während des Studiums arbeiten müssen und damit zur lohnabhängigen Schicht gehören. Ihre Jobs zeichnen sich oftmals durch besonders prekäre Bedingungen aus.

Durch die Streichung der Familienbeihilfe für über 24jährige wird der Druck in Mindeststudienzeit (nunmehr „Regelstudienzeit“ genannt) zu studieren nochmals erhöht. Das wird aber meist verunmöglicht durch die Notwendigkeit, nebenher zu arbeiten. Oder durch semesterlange Wartezeiten durch Voraussetzungsketten und Selektionsprüfungen in Studieneingangsphasen und absurde Punkte-Anmeldesysteme. Die Studiengebühren sind de-facto nicht abgeschafft worden. Wer länger als die „Regelstudienzeit“ studiert muss zahlen, genauso Studierende aus Nicht-EWR Staaten. Befreit ist, wer schnell und „effizient“ studieren kann und wer mehr als geringfügig arbeitet, vorausgesetzt der Job ist angemeldet.

Zum prekären weil ungeschützten und total flexiblen Job, in dem von gewerkschaftlicher Organisierung nicht einmal zu träumen ist, gesellt sich noch ein zweiter und dritter. Das Studium ist für die meisten begleitet von Flyerausteilen, Kellnern und Babysitten.

Auch der Uniabschluss ist heute vielmehr Garant für eine Karriere in der prekären Ich- AG als für abgesicherten Lebensunterhalt in der oberen (Einkommens-) Liga der Gesellschaft. Nicht zuletzt zunehmende Verschulung und Unterwerfung des Studiums unter marktwirtschaftliche Anforderungen führten dazu.

Alle letzten Studienreformen liefen auf einen neoliberalen Umbau des Hochschulsektors, eine Nutzbarmachung des Studiums für den Markt und die Wirtschaft. Verschulung, beschränkter Zugang zur Universität, Selektion und somit eine Abschaffung von freiem Hochschulzugang und Massenuni gehen damit einher. Der ideologische Umbau ist praktisch komplett abgeschlossen, Student*innen begreifen sich als Ausbildungs- Konsument*innen und Konkurrent*innen.

Tatsächlich prägen Zeit- und Leistungsdruck, Mehrfachbelastungen und Konkurrenz den Studienalltag. Konkret sprechen wir von nicht oder schlecht bezahlten Praktika, Sommeruni (die, die keinen Sommerjob oder Praktikum machen müssen können sich nach vorne ackern in den Ferien), Konkurrenz um Studienplätze, Sitzplätze und jetzt, kurz vor Auslaufen des Magistra-Studienplans Konkurrenz um Diplomarbeitsbetreuung.

Auch das Kräfteverhältnis in der ÖH, der „Studierenden-Kammer“ tendiert Richtung rechts. Die linke ÖH, ein Ergebnis der Enthierarchisierung und Öffnung der Universitäten in den Siebzigern, wird abgesägt, das beförderte nicht zuletzt die Reform des Wahlrechts unter schwarzblau.

Doch es ist scheinbar paradox: es gibt eine Prekarisierung der Lebensbedingungen der Studierenden auf der einen Seite und neue Elitenbildung auf der anderen. Nicht nur durch Privatunis und kostspielige Lehrgänge und Post- Graduate-Studiengänge sondern auch durch die Schaffung eines passenden Titelsystems zum „akademischen Prekariats“: den Bachelor. Nur die fittesten oder die Kinder der Reichen sollen den Master schaffen.

Nun leben die Hälfte der Studierenden an oder unter der Armutsgrenze, Mitleid hat aber niemand mit den ach so armen Student*innen. Laut Umfragen erachtet ein Drittel der österreichischen Bevölkerung die Kürzung der Familienbeihilfe für Student*innen über 24 Jahren als gerecht. Zudem ist eine Mehrheit für Studiengebühren und für Aufnahmetests als zugangsbeschränkende Maßnahmen für die Universität.

Das wollen auch die Wissenschaftsministerin, die Uniräte und Rektor*innen. Qualitätssicherung statt Massenuni, zurück zur Elite. Und sie wollen mehr Geld. Und mehr Geld wollen auch die Studierenden: Auf bunten und lauten Studi- Demos werden jetzt neben der Weiterzahlung der Familienbeihilfe auch immer zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes für die Unis gefordert.

Doch die Forderung nach mehr Geld allein greift zu kurz und stellt mehr eine ständische Forderung dar: klar, dass sie auf Unverständnis bei der restlichen Bevölkerung stößt. Die Forderung nach mehr Geld muss verknüpft sein mit der Forderung nach Umverteilung, Demokratisierung und Enthierarchisierung der Universitäten und der gesamten Gesellschaft.

Der Kampf der Studierenden für bessere Studienbedingungen ist mittlerweile ein Kampf von Prekarisierten. Dieser Kampf sollte verknüpft werden mit den Kämpfen und Protesten anderer prekarisierter gesellschaftlicher Gruppen und den Gewerkschaften. Nicht zurück in den Elfenbeinturm sollen die Akademiker*innen, sondern es soll Bildung für und durch alle, und das gratis, geben.

Barbara Steiner studiert in Wien und vertritt den KSV-LILI in der ÖH-Bundesvertretung