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Wem nutzen staatliche Lehrwerkstätten?

Meinung Von Anita Kainz

Die meisten werden antworten: „Natürlich den Jugendlichen, die keine Lehrstelle in der Wirtschaft finden!“ Aber an erster Stelle profitieren jene Unternehmen, die keine Lehrlinge ausbilden wollen.

Die SteuerzahlerInnen bezahlen die Ausbildung und die Firmen bekommen die fertig ausgebildeten Fachkräfte. Laut AMS flossen 2009 400 Millionen Euro in die Förderung der Bildungseinrichtungen für 15- bis 24-jährige Lehrlinge. 42 Millionen gingen über die 2008 reformierte Lehrlingsförderung an Betriebe für zusätzliche Lehrstellen. Die Firmen fordern zwar gut ausgebildete Fachkräfte, sind aber immer weniger bereit, Lehrlinge auszubilden. Laut Egon Blum (Ex-Lehrlingsbeauftragter der Regierung) gab es 2009 5000 weniger Erstjahrlehrlinge als 2008. Er fordert einen „Treuebonus“ für Klein- und Mittelbetriebe, wenn sie ihren Lehrlingsstand gleich hochhalten.

Da gut ausgebildete Fachkräfte wichtig für alle Firmen sind, sollten sie nicht Geld vom Staat bekommen, sondern – ganz im Gegenteil – wenn sie keine Lehrlinge ausbilden wollen, müssten sie Geld an den Staat zahlen. Momentan schaut es aber so aus, dass Jugendliche, die keinen Lehrplatz finden, im Rahmen der so genannten „überbetrieblichen Lehrausbildung“ ihre Lehre machen. Es springt also wieder einmal der Staat ein und die Unternehmen müssen sich um keine Ausbildung kümmern und bekommen kostenlos Fachkräfte.

Anita Kainz ist GLB-Aktivistin in Wien