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Resolution: Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnverlust

Positionen Die Geschichte der ArbeiterInnenbewegung ist von ihrem Beginn im 19. Jahrhundert an vom Kampf um menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen bestimmt. Neben dem Eintreten für Löhne von denen man leben kann gehört dazu auch die Verkürzung der Arbeitszeit. So prägte der Kampf für den Achtstundentag die Entstehung des 1. Mai als Kampf- und Feiertag der ArbeiterInnenbewegung. In der Folge wurde durch beharrliche Kämpfe die wöchentliche Arbeitszeit bis 1975 auf 40 Stunden verkürzt. Seither herrscht jedoch Stillstand. Während der ÖGB seit 1987 bei jedem Kongress die 35-Stundenwoche forderte, ließ er sich realpolitisch auf die Standortlogik der Unternehmer ein und setzte auf flexible Arbeitszeit. Mit 42,9 Stunden verzeichnet Österreich in der EU den höchsten Wert bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigte. Gleichzeitig werden jährlich 370 Millionen Überstunden (davon ein Viertel unbezahlt) geleistet. Das entspricht rein rechnerisch rund 185.000 Vollzeitarbeitsplätzen.

Die Unternehmen nützen die Krise, um neben direktem Lohndruck auch indirekt durch unbezahlte Mehrarbeit möglichst hohe Profite auf Kosten der Beschäftigten herauszupressen. Die Flexibilisierung Marke Industriellenvereinigung führt zu immer stärkerer Prekarisierung in Form von Teilzeitarbeit, Geringfügigkeit, Scheinselbständigkeit, Leiharbeit usw.

Daher ist es höchste Zeit, dass der ÖGB für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnverlust aktiv wird statt sich auf das fatale Spiel mit immer mehr Flexibilisierung einzulassen: „Gute Arbeit“ als Voraussetzung für ein „Gutes Leben“ bedeutet auch kürzere Arbeitszeit.

Derzeit findet eine „Arbeitszeitverkürzung“ nur in der Form statt, dass immer mehr Beschäftigte arbeitslos, teilzeitbeschäftigt oder prekarisiert werden, während gleichzeitig der Hinaufsetzung des Pensionsalters auf 70 Jahre das Wort geredet wird, obwohl gerade Arbeitslose über 50 kaum noch eine Chance auf einen guten Arbeitsplatz haben.

Nach dem Stand der Produktivität wäre längst schon die 30-Stundenwoche möglich. Der Experte Jörg Flecker (FORBA) fordert mit Verweis auf die enorme Produktivität einen „neuen gesellschaftlichen Arbeitszeitstandard“ bei 30 Stunden pro Woche anzusetzen um tendenziell Teilzeitarbeit überflüssig zu machen. Laut Markus Marterbauer (Wifo) wird es ohne Arbeitszeitverkürzung nicht gelingen die krisenbedingt gestiegene hohe Sockelarbeitslosigkeit zu reduzieren.

Daher fordert der GLB als ersten Schritt die sofortige Reduzierung der gesetzlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden pro Woche ohne Lohnverlust als 1. Schritt zu einer weiteren deutlichen Arbeitszeitverkürzung.

Beschlossen von der GLB-Bundeskonferenz am 11.12.2010