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Zweimal Minus ergibt noch lange kein Plus

Meinung Von Lilian Stadler

Da hat es die Seniorensprecherin der ÖVP, Frau Aubauer aber sehr eilig. Eines ihrer dringlichsten Anliegen für 2011 sei es, das Pensionsantrittsalter für Frauen schneller an das der Männer anzuheben als es gesetzlich geplant ist. Wenn wir uns zurückerinnern, wurde gegen die Angleichung des Pensionsantrittsalters schwerwiegende Argumente ins Treffen geführt: Frauenstaatssekretärin Johanna Dohnal wies auf die Mehrfachbelastung von berufstätigen Frauen in Haushalt, Pflege von Angehörigen, bei der Kindererziehung und auf die eklatanten Unterschiede in der Bezahlung von Männer- und Frauenarbeit hin.

All diese Diskriminierungen von Frauen abzubauen, würde ein gesellschaftliches Umdenken erforderlich machen und da dies nicht von heute auf morgen geschehen würde, hatte man die Angleichung des Pensionsalters auf 65 Jahre für Frauen in langsamen Schritten beginnen mit 2024 bis zum Jahr 2033 geplant. (Allerdings wurde durch darauf folgende „Pensionsreformen“ auch immer mehr Versicherungsjahre als Voraussetzung für die Regelpension festgeschrieben.)

Dass Frauen bis dahin fünf Jahre früher in die Alterspension gehen können - diese „Ungleichbehandlung“ im Pensionsrecht wurde als Ausgleich für die tatsächliche Diskriminierung von Frauen anerkannt und verfassungsrechtlich fixiert -, und hielt auch der EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung stand, wonach Österreich verpflichtet sei, bei sozialrechtlichen Regelungen beide Geschlechter gleich zu behandeln.

Schutzbestimmungen sind kein Bumerang

Frau Aubauer meint nun, dass sich die Zeiten geändert hätten und sich diese Bestimmung „mehr und mehr zum Bumerang für Frauen“ entpuppe und sieht das untermauert durch den Frauenbericht, „aus dem hervorgeht, dass die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern in der Pension extrem groß ist“.

Und um ihr Weltbild abzurunden, wird das Schicksal einer Tiroler Ärztin beklagt, die mit 60 Jahren in Pension geschickt wurde: „Frauen in Spitzenjobs wollten gerne im Unternehmen bleiben, würden aber sobald sie 60 sind in Zwangspension geschickt.“ (Kurier, 5.1.2011).

Hoppla, da werden doch Äpfel mit Birnen verglichen bzw. Äpfel als Verursacher von Birnen dargestellt. Es stimmt schon, dass die Einkommensschere zwischen Frauen und Männer weiter auseinander klafft und es ist auch richtig, dass vielen Frauen aufgrund von Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen Versicherungszeiten fehlen und sie deshalb hohe Abzüge in der Pension in Kauf nehmen müssen.

Wie weltfremd muss man (hier besser ‚frau`) sein, um aus dieser prekären Situation heraus, die Forderung aufzustellen, dass Frauen länger arbeiten sollen, wenn es für Frauen jetzt schon schwer genug ist mit 45 Jahren noch einen halbwegs respektablen Job zu bekommen; wenn immer mehr Menschen nicht vom Berufsleben sondern aus Zeiten der Arbeitslosigkeit in Pension gehen müssen.

Solange Frauen immer noch bis zu einem Drittel weniger Lohn bekommen als Männer und Halbe-Halbe noch nicht umgesetzt ist, benötigt es keinerlei Eile das Pensionsalter für Frauen hinaufzusetzen.

Lilian Stadler ist GLB-Aktivistin in Wien und vertritt den Zentralverband der Pensionisten im Seniorenbeirat