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In den besten Händen?

Wien Von Oliver Jonischkeit

Die SOZIAL GLOBAL Aktiengesellschaft wirbt u.a. mit den Slogans „bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ oder „bei uns sind sie in den besten Händen“. Das gilt offenbar nicht im Umgang mit den eigenen Beschäftigen.

Alleinaktionär dieses u.a. im Bereich der Betreuung und Pflege tätigen Unternehmens ist ein Verein, der unter dem direkten Einflussbereich der SPÖ-Frauen steht. Um zu sparen, hat dieses Unternehmen am 21. Februar 2011 375 Kolleginnen und zehn Kollegen beim Frühwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet. Betroffen waren alle, deren Dienstverhältnis vor dem 1. Juli 2004 begonnen hat und die daher ein paar Cent mehr bekommen haben.

Der Bereich Betreuung und Pflege gehört ohnehin zu den Niedriglohnbranchen, in denen vor allem Frauen arbeiten - viele davon, auch bei Sozial Global, arbeiten Teilzeit. Die zuständigen Gewerkschaften Vida und GPA-djp reagierten rasch, protestierten gegen diesen Schritt und starteten eine Unterschriftenaktion, in der als Alternative Einsparungen durch eine bessere Dienstplangestaltung vorgeschlagen wurden und ein Ende der unsozialen Vorgangsweise bei Sozial Global gefordert wurde.

Diese Aktion wurde auch vom GLB unterstützt - nicht jedoch das, was geradezu zwangsläufig passieren musste. Nämlich ein fauler Kompromiss auf Kosten der ohnehin schlecht bezahlten Beschäftigten als Ergebnis hektischer Verhandlungen hinter geschlossenen Türen im Kreis der „SP-Familie“.

Am 7. März fand beim Wiener Rathaus eine öffentliche Betriebsversammlung statt, bei der auch der stv. Vida-Vorsitzende Willi Haberzettl teilnahm, um den vereinbarten Kompromiss als Erfolg zu verkaufen. Neben einigen bekannten Sätzen wie „soziale Arbeit ist mehr Wert“ oder der auch nicht mehr ganz neuen Forderung nach einer „Sozialmilliarde“, um die es eher ruhig geworden ist, wurde es auch konkret für die 385 betroffenen KollegInnen.

Nachdem im Vorfeld die Anmeldung der Kündigungen beim AMS-Frühwarnsystem wieder zurückgenommen wurden, gab es folgendes Ergebnis: der Sonntagszuschlag wird von hundert auf 80 Prozent gekürzt, die Treueprämie und diverse Pauschalen und Zulagen fallen weg.

Bis 21. März konnten die KollegInnen entscheiden, ob sie diesen Griff in ihre Taschen akzeptieren und damit im Unternehmen verbleiben „wollen“. Angesichts einiger buh-Rufe zeigte sich, die Begeisterung über diesen Kompromiss hielt sich bei den Betroffenen in Grenzen. Sicherheitshalber standen aber ohnehin für die Betriebsversammlung lautstarke, öffentlichkeitswirksame Trommler bereit.

Oliver Jonischkeit ist Bundessekretär des GLB