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Ein Sieg der Gleichberechtigung?

Meinung Von Lilian Stadler

Nachdem sich Frauen immer mehr in Männerdomänen breit machen, müssen offenbar Männer zusammenhalten und sich gegen Diskriminierungen wehren, wo’s nur geht.

So wie einst Sozialminister Herbert Haupt die Sektion 6/6 gründete um benachteiligten Männern ein offenes Ohr zu leihen oder auch, wenn Männerverbände die gemeinsame Obsorge für Scheidungskinder fordern und dabei ein offenes Ohr bei der Justizministerin finden, so musste sich der Verfassungsgerichtshof (VfGH) nun mit der Ungleichbehandlung von Seniorentarifen bei Verkehrsmitteln befassen.
Und siehe da, der VfGH kam zu folgender Auffassung: „… jene Bestimmung der Verordnung über die allgemeinen Beförderungsbedingungen für den Kraftfahrlinienverkehr .., die bei der Gewährung von Preisermäßigungen für Seniorinnen und Senioren zwischen Männern und Frauen unterscheidet und an unterschiedliche Lebensalter (Männer ab dem 65. bzw. Frauen ab dem 60. Lebensjahr) anknüpft“ aufzuheben und mit 31.12.2011 außer Kraft zu setzen. Diese Bestimmung würde eine nach §40b Gleichbehandlungsgesetz verbotene Diskriminierung aufgrund des Geschlechts darstellen.

In der Begründung ist zu lesen: „Der VfGH kam zur Auffassung, dass das bloße Anknüpfen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter nicht geeignet ist, um tatsächlich bestehende Nachteile von Frauen in Hinblick auf geringere Pensionshöhe oder einen nachteiligen Versicherungsverlauf aufgrund von Kinderbetreuungspflichten angemessen auszugleichen.“

Soweit - so richtig: Niemand hätte ernsthaft geglaubt, dass Frauen ab 60 Jahren aufgrund von Fahrpreisermäßigungen für alle Diskriminierungen, denen sie in ihrem Leben ausgesetzt waren und sind, entschädigt werden. Es erhebt sich nur die Frage, wem damit geholfen sein wird?

Demzufolge könnten auch Frauen einen teureren Kurzhaarschnitt einklagen oder auch einen kostenlosen Pissoir-Besuch fordern. Ob damit dann endlich alle Ungleichheit beseitigt wäre und die Gleichberechtigung gesiegt hätte?

Lilian Stadler ist GLB-Aktivistin in Wien und vertritt den Zentralverband der PensionistInnen im Seniorenrat