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Das Ende der Tabakindustrie in Österreich

News Die Schließung der Zigarettenproduktion der Austria Tabak in Hainburg – durch welche 240 Arbeitsplätze in Hainburg und 80 in der Zentrale in Wien vernichtet werden – bis Jahresende 2011 ist der Schlußpunkt einer unseligen Privatisierungsstory, stellt Josef Stingl, Bundesvorsitzender der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) fest. Der Mutterkonzern Japan Tobacco Industries (JTI) verlegt die Produktion in ein anderes EU-Land, in Österreich bleibt nur mehr der Vertrieb mit 250 Beschäftigten beim Großhandelsunternehmen Tobaccoland, 50 bei der Forschungseinrichtung Ökolab und 200 zur Bearbeitung des heimischen Marktes. Einmal mehr bestätigt sich, dass die Privatisierung öffentlichen Eigentums letztlich zur Vernichtung von Arbeitsplätzen führt.

„Die Weichenstellung für die systematische Zerstörung der österreichischen Tabakindustrie wurde von der damaligen rotschwarzen Bundesregierung im Jahre 1997 mit dem Börsegang des staatlichen Unternehmens eingeleitet“ erinnert Stingl. Billige Schuldzuweisungen der SPÖ an die schwarzblaue Regierung sind daher völlig fehl am Platze, auch wenn diese dann die endgültige Privatisierung des „Goldesels“ Austria Tabak durchgezogen hat.

Nach dem Börsegang und damit der Teilprivatisierung von 1997 wurden 2001 die restlichen 41,1 Prozent Staatsanteile der Austria Tabak nach einem vom ÖIAG-Aufsichtsrat in einer regelrechten Nacht- und Nebelaktion und unter strikter Geheimhaltung gefassten Beschluss an den britischen Gallaher-Konzern verkauft.

„Pünktlich“ wurden nach Ablauf einer aus taktischen Gründen gewährten Standortgarantie die Werke in Fürstenfeld (50 Beschäftigte) und Schwaz (110 Beschäftigte) zugesperrt, obwohl keines davon defizitär war. Gallaher verkaufte das Unternehmen im April 2007 an JTI. Das Management versprach einmal mehr „den Standort Österreich zu sichern“ und „die verbleibenden österreichischen Fabriken zu stärken“. Wie sich heute zeigt, nichts als Lug und Trug. Nach der Schließung der Linzer Tabakfabrik 2009 und der Vernichtung weiterer 275 Arbeitsplätzen kündigte der japanische Konzern ganz im Sinne der Profitmaximierung die Konzentration der Produktion am Standort Hainburg an, jetzt wird auch dieser zugesperrt.

Der ehemalige AT-Chef Beppo Mauhart hatte zur Vollprivatisierung gemeint „Wir wären aber anders damit ungegangen, auch wenn am Ende dasselbe herausgekommen wäre“ und resignierend festgestellt „Finanzminister Andreas Staribacher wollte die Austria Tabak nur loswerden, die SPÖ hat dem nichts entgegengesetzt.“ Die Weichen für den Verkauf des „Tafelsilbers der Republik“ wurden also schon in der Regierungszeit der SPÖ gestellt, nämlich mit dem auch vom Betriebsrat unterstützten Börsengang von 1997. Vom Management wurde dazu das passende Motto ”Mild im Risiko - Kräftig im Ertrag” ausgegeben.

Austria Tabak ist ein exemplarisches Beispiel, wohin der Ausverkauf öffentlichen Eigentums führt, noch dazu eines Unternehmens das jahrzehntelang als „Goldesel der Republik“ gegolten hat und dem Finanzminister Jahr für Jahr enorme Einnahmen beschert hat: „Der GLB sieht sich auch in diesem Fall einmal mehr in ihrer grundsätzlichen Kritik an der hemmungslosen neoliberalen Privatisierungspolitik bestätigt“, so Stingl abschließend.