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Griechenland: Feinbild und Realität

International (Nicht nur) an heimischen Stammtischen gibt es klare Feindbilder als Erklärungsmuster für die tatsächlichen oder vermuteten Ungerechtigkeiten der Welt: Ein solches Feindbild sind seit einiger Zeit die „faulen Griechen“, die angeblich das Steuergeld der „fleißigen Österreicher“ verprassen. Die Fakten zeigen freilich ein ganz anderes Bild. So arbeiten griechische ArbeiterInnen und Angestellte durchschnittlich 42,1 Stunden pro Woche, das ist die höchste Wochenstundenzahl in der EU.

Schon 2010 – also vor dem Crash-Programm – lagen die Löhne in Griechenland bei nur 73 Prozent des Durchschnitts der Euro-Zone. Löhne und Gehälter sind bis dato im privaten Sektor um 20 und im öffentlichen um bis zu 50 Prozent gesunken. Kürzlich wurde auch der Mindestlohn, bisher 750 Euro, um 22 Prozent auf 590 Euro gesenkt. Alle Löhne in der Privatwirtschaft sollen solange eingefroren werden, bis die Arbeitslosenquote von heute rund 21 Prozent auf zehn Prozent gefallen ist. Im öffentlichen Dienst wurden die Löhne letztes Jahr um bis zu 50 Prozent gekürzt.

Rund eine Million Menschen (21 Prozent) ist arbeitslos. Die Arbeitslosenrate bei Jugendlichen liegt bei rund 50 Prozent. Nur rund ein Drittel hat Anspruch auf staatliche Hilfe, die zudem weniger als 500 Euro im Monat beträgt. Das Arbeitslosengeld soll nun von 460 auf 360 Euro im Monat gesenkt werden.

Bis 2015 sollen 150.000 Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden. Nur jede fünfte Pensionierung in der Verwaltung soll vorerst durch eine Neueinstellung ersetzt werden. Nicht einmal ein Viertel der Griechen waren vor Beginn der Rezession, die mittlerweile schon fünf Jahre dauert, im öffentlichen Sektor beschäftigt.

Laut Eurostat betrug das Renteneintrittsalter in Griechenland im letzten Jahr 61,4 Jahre, in Deutschland 62 Jahre, in Österreich knapp 60 Jahre. Alle Renten von über tausend Euro im Monat wurden um 20 Prozent gekürzt. Weitere Kürzungen sind im letzten Paket enthalten.

Mindestens zwei Drittel der Griechen, das sind vor allem die Lohnabhängigen, zahlen zuverlässig ihre Steuern. Der Rest sind Selbständige, die „es sich richten können“, wie dies in Ösi-Land bekanntermaßen auch der Fall ist. In Griechenland sind 41 Milliarden Euro Steuerschulden (Österreich: 1,7 Mrd. Euro) von 900.000 BürgerInnen ausständig, davon 36 Milliarden von nur 14.000 Personen. Daraus läßt sich ablesen, wer neben den diversen EU-Banken die griechische Misere verursacht hat.

Gleichzeitig besitzen nur 2.000 Familien 80 Prozent des Vermögens in Griechenland. 200 Milliarden Euro haben Griechenlands Superreiche in das Ausland geschafft, davon 20 Mrd. Euro in die Schweiz.

Griechenland gibt 3,6 Prozent seines BIP für sein Militär aus (EU-Schnitt: 1,6 Prozent, Österreich 0,9 Prozent). Oh Wunder, Hauptexporteure von Rüstungsgütern nach Griechenland sind Deutschland und Frankreich. Als Draufgabe übernahm Griechenland einen riesigen Posten ausgemusterter US-Panzer mit enormen Folgekosten.

Gleichzeitig plant die Regierung bis 2015 Staatsbesitz im Wert von 50 Milliarden Euro zu privatisieren, Erlöse sind aber illusorisch. Neue Annahme: Bis Ende 2012 will die Regierung (gerechnet auf 18 Monate) über Privatisierungen mindestens 4,5 Milliarden Euro erlösen.

Die EZB gewährt nur Banken günstige Kredite, nicht aber Staaten. So durfte sich die Deutsche Bank bei der EZB billiges Geld mit einem Prozent Zinsen leihen und gab dieses an Griechenland weiter - mit 18 Prozent Zinsen.

Soweit zu den Fakten.