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Wenn Arbeit krank macht….

Meinung Von Anita Kainz

In den Zeitungen jammert die Wirtschaft über Millionen Euro, die ihnen die Krankenstandstage ihrer MitarbeiterInnen jedes Jahr kosten. Gleichzeitig zeigen die Statistiken, dass die Krankenstandstage der DienstnehmerInnen von Jahr zu Jahr weniger werden, obwohl die chronischen Krankheiten steigen. Der Arbeitsplatz spielt dabei eine wichtige Rolle. Je früher erkannt wird, dass er schlecht für die Gesundheit ist, umso früher kann etwas getan werden. Maschinen werden von der Wirtschaft regelmäßig gewartet und gepflegt. Die MitarbeiterInnen aber, die das wertvollste Betriebsmittel sind, werden, wenn sie zu oft krank sind, gekündigt oder in die Pension geschickt. Dabei ist an vielen Krankheiten oft der Arbeitsplatz schuld und somit das Unternehmen.

Wenn jeder Arbeitsplatz rechtzeitig vom Arbeitsinspektorat kontrolliert werden könnte, würde es besser um die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen stehen. Aber das ist schon deshalb nicht möglich, weil es für 210.000 Betriebe mit 2,4 Millionen Beschäftigten nur 500 ArbeitsinspektorInnen gibt, von denen rund 300 im Außendienst tätig sind. Das heißt im Klartext, dass die Kapazität für Kontrollen nur stichprobenartig, oder wenn Gefahr in Verzug ist, ausreicht.

Es gibt schon genügend gesetzliche Vorschriften für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz der ArbeitnehmerInnen, aber mit der Kontrolle hapert es. Dabei ist es in größeren Betrieben einfacher, weil es dort geschulte Sicherheitsvertrauenspersonen, Betriebsräte und Betriebsärztinnen gibt, die für den Schutz und die Gesundheit der MitarbeiterInnen zuständig sind. Aber es kommt natürlich auch auf die Firmen an, ob sie die aufgezeigten Mängel am Arbeitsplatz auch beheben.

In kleinen Firmen müssen sich die ArbeitnehmerInnen selbst um ihren Schutz kümmern, was natürlich wegen der Angst um den Arbeitsplatz nicht immer leicht ist. Da kommt es dann so weit, das die Betroffenen lieber Schmerzmittel einnehmen, statt zum Arzt zu gehen und dann wird die Krankheit chronisch und kann nur mehr mit langwierigen Behandlungen und Kuraufenthalten gelindert werden. Das kommt dann den Firmen und der Sozialversicherung viel teurer als eine rechtzeitige Untersuchung des Arbeitsplatzes.

Aber am schwersten ist es für die ArbeitnehmerInnen, die keinen fixen Arbeitsplatz haben, bzw. ständig unterwegs sind. Kein Arbeitsinspektorat kann kontrollieren, wie schwer die PatientInnen sind, die die mobilen Pflegedienste in deren Privatwohnungen betreuen, oder wie viele Stunden AußendienstmitarbeiterInnen ohne Pausen in ihren Autos verbringen. Auch Arbeitszeitaufzeichnungen sind für das Arbeitsinspektorat nicht immer leicht zu kontrollieren. Durch den immer größer werdenden Arbeitsdruck arbeiten manche MitarbeiterInnen weiter, nachdem sie sich bei der elektronischen Zeiterfassung abgemeldet haben.

Der Sozialminister betont immer, wie wichtig die Prävention am Arbeitsplatz ist. Da müsste er aber das Personal beim Arbeitsinspektorat um ein vielfaches aufstocken, damit jedes Unternehmen in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden kann. Die Strafen für Firmen, die nachlässig mit der Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen umgehen, sind viel zu gering. Auch die Behandlungs- und Rehabilitationskosten, die durch gesundheitsschädliche Arbeitsplätze anfallen, müssten von den Firmen getragen werden.

Die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder wollen immer höhere Profite mit immer weniger Personal machen. Wenn dabei die Gesundheit ihrer MitarbeiterInnen auf der Strecke bleibt, ist ihnen das egal.

Anita Kainz ist GLB-Aktivistin in Wien