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Sklavenhatz in Wels

OÖ Von Leo Furtlehner

Anfang April 2012 berichteten mehrere Medien über einen unglaublichen Fall: Im AMEDIA-Hotel Wels war ein aus dem Kongo stammender Küchenhelfer vom Küchenchef als „Sklave“ beschimpft und immer wieder auf das Übelste beleidigt worden.

Als der Betroffene deshalb zum Hoteldirektor ging, verweigerte dieser ihm jede Hilfe. Der Arbeitnehmer erstattete Anzeige – und wurde prompt aus dem Hotel geworfen. Mit Unterstützung der oö Arbeiterkammer gewann er aber vor Gericht. Doch nicht einmal den zugesprochenen Betrag von rund 1.500 Euro zahlte das AMEDIA-Hotel problemlos: Die AK musste ihn durch Pfändung einbringen.

Erst nach einem verheerenden Medienecho registrierte das Hotel, die AMEDIA Hotel GmbH den gravierenden Imageschaden und versuchte, sich am 23. April 2012 per E-Mail an Kultur- und Menschenrechtsgruppen positiv zu präsentieren:

Man sei als „international agierendes Unternehmen“ ein „weltoffener und toleranter Arbeitgeber“ mit einer „bunten Mischung von Mitarbeitern aus vielen Ländern und Bevölkerungsschichten“, der sich um ein „konfliktfreies Klima“ bemühe. Alle am „bedauerlichen Ereignis“ beteiligten Personen (der damalige Direktor, der Küchenchef und der Betroffene) seien nicht mehr im Unternehmen. Auch zeigte sich das Unternehmen verwundert, „warum dieser Fall jetzt an die Öffentlichkeit gebracht wurde, obwohl die Sache seit August letzen Jahres geklärt schien“.

Das OÖ Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus, das zu den Adressaten der E-Mail gehörte, antwortete der AMEDIA Hotel GmbH: Es habe sich nicht einfach um ein „bedauerliches Ereignis“ gehandelt, sondern um zutiefst menschenverachtende Beleidigungen und Herabwürdigungen eines Arbeitnehmers. Auf das Ausscheiden des Küchenchefs und des Hoteldirektors (das später und aus ganz anderen Gründen erfolgt ist) zu verweisen, greife mit Sicherheit zu kurz. Insgesamt habe das Unternehmen massiv gegen seine Fürsorgepflicht als Arbeitgeber verstoßen.

Das Netzwerk schlug dem AMEDIA-Management zwei Konsequenzen vor: Erstens, das Gespräch mit dem betroffenen Arbeitnehmer zu suchen und sich bei ihm für die Diskriminierung und den ungerechtfertigten Hinauswurf zu entschuldigen. Und zweitens, möglichen neuen Diskriminierungen vorzubeugen, etwa durch Schulungen der MitarbeiterInnen und besonders der Führungskräfte.

Die Reaktion der AMEDIA Hotel GmbH war jedoch bezeichnend – es gab nämlich keine. Von der großspurig verkündeten „Firmenphilosophie, Differenzen oder Konflikte, wie sie trotz Bemühen um eine angenehme Atmosphäre vorkommen können lückenlos aufzuklären und auf persönlicher Ebene zu klären“ war somit nicht viel übriggeblieben.

Netzwerk-Sprecher Robert Eiter dazu: „Die schönen Worte sollten nur der Imagepflege dienen und sind völlig inhaltsleer. Das AMEDIA-Management hat nicht einmal den Anstand, sich beim diskriminierten und hinausgeworfenen Arbeitnehmer zu entschuldigen. Wer aus solchen Menschenrechtsverletzungen im eigenen Haus keine Konsequenzen zieht, darf sich nicht weltoffen und tolerant nennen. Den 63 Mitgliedsorganisationen unseres Netzwerks fällt es jetzt leicht zu entscheiden, ob sie mit der AMEDIA-Gruppe Geschäftsbeziehungen haben wollen.“

„Nach vollständiger Renovierung erstrahlt das Businesshotel im Traunpark in neuem Glanz“ so die Schönfärberei auf der Hotel-Website. Hinter den Kulissen dürfte der Glanz allerdings mittlerweile schon wieder abgeblättert sein. Gerade im erklärtermaßen globalisierten Tourismus sind rassistische Vorfälle und rüder Umgang mit dem Personal ziemlich kontraproduktiv.

Das musste etwa auch der Innsbrucker Hotelier August Penz erfahren, der als Spitzenkandidat der FPÖ mit dem Slogan „Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe“ für die Gemeinderatswahl warb. Was prompt zu massiven Protesten, einer Intervention der marokkanischen Botschaft und einem gehörigen Imgageschaden für Penz´ Hotel führte.

Leo Furtlehner ist verantwortlicher Redakteur der „Arbeit“ und im OÖ Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus aktiv