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Arbeitsplätze über alles

Meinung Michael Heindl über Kapitalismus und Lohnarbeit

Wenn Unternehmen alles für die Vermehrung ihres Kapitals tun, PolitikerInnen die Macht des Staates mehren, dafür Mittel an sich ziehen und für staatliche Zwecke ausgeben, und wenn die Gewerkschaft dabei mitmischt, dann geschieht das alles zur „Sicherung, Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen“. Das ist zu einer Floskel geworden und gilt als Ehrentitel, der die damit angekündigten „Maßnahmen“ heiligt. Und niemand will mehr nachfragen, was denn eigentlich das feine Etikett „Arbeitsplatz“ ist: Nichts anderes als die Werkelei im Betrieb, jede Form der Ausnutzung von ArbeiterInnen fürs Geschäft der Wirtschaft wird zum höchsten Glück eines Menschenschlags erklärt, der wahrlich nicht wegen der Arbeit in der Früh an dem Platz antritt, wo ihn die Firma gerade hinstellt.

Im modernen Staatswesen gilt der Zwang, dass man zu Bedingungen des Betriebs antreten muss, weil man sonst kein Geld zum Leben hat, als Wohltat erster Güte: ArbeiterInnen werden als „Besitzer“ von Arbeitsplätzen besprochen, als ob das irgendein Reichtum für sie wäre, wo es in Wirklichkeit gerade umgekehrt ist: Wer auf einen Arbeitsplatz angewiesen ist, kann es sich nämlich garantiert nie leisten, dieses schöne Gut dem Herrn Arbeitgeber einmal von sich aus zurückzugeben und ein paar Annehmlichkeiten des Lebens nachzugehen.

Nein, mit dem miesen Lohn erneuert sich ständig die Notwendigkeit, dieses Gut zu „besitzen“ – solange, bis es die Gesundheit ruiniert hat, bis man sich in der Pension auf die Himmelfahrt einstellen darf oder bis es dem Betrieb nicht mehr passt. Das ungeheuerliche Ding „Arbeitsplatz“ ist zur Wohltat der ArbeiterInnen erklärt. Und diejenigen, die nicht arbeiten, sondern als „Arbeitsplatzsicherer“ auftreten, machen sich als Wohltäter vorstellig, gegenüber denen man sich nicht undankbar zeigen darf. Mit dem Hochhalten des Arbeitsplatzes als höchstes Gut der ArbeiterInnen propagieren Kapital, Politik und Gewerkschaft ein Bescheidenheitsprogramm, das an die ArbeiterInnen adressiert ist und dessen Praxis ihnen jede Menge an Schädigung abnötigt.

Kapital als „Arbeitgeber“

Der Arbeitsplatz ist eine praktizierte Kalkulation des Unternehmers auf Profit. Die ArbeiterInnen sind folglich Kosten, die sich zu lohnen haben. Deshalb ist an sie am Arbeitsplatz der Anspruch gestellt, möglichst viel Leistung zu bringen: Die gibt ihnen der Arbeitsplatz vor, und wer nicht entspricht, fliegt raus. Manager, leitende Angestellte werden zu nichts anderem angestellt, als das Verhältnis von Lohn und Leistung, die ArbeiterInnen bringen müssen, dauernd zugunsten des Betriebs zu verbessern. Da wird kalkuliert, wie an Lohnkosten gespart werden kann, welche Tätigkeit laut Betriebskalkulation als überflüssig betrachtet werden könnte, wie man die Arbeit effektiver für den Gewinn „umstrukturiert“, welche ArbeiterInnen entlassen und wo neue hingestellt werden.

Für diese Anwender der Arbeitskraft ist es kein Problem, einen Teil der Arbeiterschaft so viel wie möglich, einen anderen überhaupt nicht arbeiten zu lassen. Im Gegenteil: Genau das ist die goldene Grundregel des Geschäfts. Das produziert nämlich mit möglichst geringen Stückkosten seine Gewinne. Und die steigen, je produktiver gearbeitet wird. Moderne Arbeitsplätze zeichnen sich deshalb durch einen immer größeren Einsatz von Maschinerie aus, die dem Unternehmen Kosten sparen – Lohnkosten natürlich. Aus diesem Grund ersparen Maschinen nicht den ArbeiterInnen Arbeit, sondern machen sie überflüssig.

Aus diesem Grund ist jede Erleichterung der Arbeit ein Argument für ihre Intensivierung und Verbilligung. Erst durch den Einsatz der ArbeiterInnen wird die Anwendung der Maschinerie richtig lohnend. Das Ergebnis dessen, dass alle Betriebe zusammen durch die ständige Verbesserung der Ausbeutung der ArbeiterInnen ihre Erfolge in der Konkurrenz machen, heißt also: mehr Leistung für weniger Geld für die einen, Entlassung für die anderen. Gleichzeitig erfordert ein Arbeitsplatz immer mehr Kapitalaufwand und muss daher auch immer mehr Gewinn abwerfen, sonst gibt’s ihn nicht. So schafft das Wachstum des kapitalistischen Reichtums ständig wachsende Armut auf Seiten derjenigen, die ihn erarbeiten müssen.

Das Kapital produziert mit profitabler Stückkostensenkung eine ständig wachsende Anzahl von Arbeitslosen – in Österreich mittlerweile eine halbe Million. Und dieses Resultat des Wachstums „unserer Wirtschaft“ ist selbst wieder eine Gratisgabe für die Ansprüche der UnternehmerInnen: Eine Masse unterhaltslos gemachter ArbeiterInnen – das macht das Angebot, sich für sie nützlich zu machen, erst so richtig wuchtig.

Seit „Arbeitsplatz“ zum höchsten Gut ausgerufen wurde, kriegen ArbeiterInnen, die auch nur irgendeine Unzufriedenheit anmelden, die eindeutige erpresserische Auskunft zu hören: Wenn es Ihnen nicht passt, suchen sie sich doch einen anderen Arbeitsplatz. Bedingungslose Unterordnung für die ArbeiterInnen – jede Freiheit für ihre Ausbeuter: Das ist die Wahrheit der menschenfreundlichen Unternehmersorge um „Arbeitsplätze“.

Michael Heindl ist GLB-Aktivist in Wien