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Verschenkte Goldgrube

Meinung Michael Graber über die Lithium-Story

Lithium ist ein Leichtmetall, das derzeit einen Höhenflug an Nachfrage erfährt. Wird es doch für Handys, Laptops, Tablets etc. vor allem aber für Elektroautos gebraucht. Lithiumbatterien sind die bisher effektivsten Batterien für alle diese Geräte und Fahrzeuge. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass sich im Grenzgebiet zwischen Kärnten und der Steiermark, unter der Weinebene, eine bedeutende Lagerstätte befindet. In den 70er und 80er Jahren wurden bereits Probebohrungen durchgeführt. Mit der Liquidierung der Verstaatlichten Industrie und den dazugehörigen Bergbauen wurden auch 1991 die Schürfrechte von der damaligen Verstaatlichten-Holding ÖIAG um einen (!) Schilling an die Kärntner Montanindustrie (KMI) des Industriellen Henckel-Donnersmarck verschenkt.

Die damaligen Verantwortlichen waren der Ansicht der Abbau lohne sich nicht, da es günstigere Tagbaue in Asien und Amerika gebe. Henckel-Donnersmarck war weitsichtiger. Zwanzig Jahre später verkaufte er die Mine und die Schürfrechte um rund 10 Millionen Euro (130 Millionen Schilling) an eine australische Firma, die auf Bergbauprospektionen spezialisiert ist. Selbst bei Einrechnung der seither angefallenen Kosten für die Instandhaltung hat sich Henckel-Donnersmarck am gestiegenen Wert des Lithiumlagers eine goldene Nase verdient.

Nun stellt sich nach Angaben der prospektierenden Firma European Lithium (die Australier) heraus, dass, das Vorkommen etwa dreimal so groß ist als zum Zeitpunkt des Kaufs angenommen wurde, nämlich 18 Millionen Tonnen Erz. Bei einem Lithiumgehalt von über einem Prozent ist die österreichische Lagerstätte nicht nur die einzige in Europa, sondern auch eine der größten weltweit. Inzwischen ist European Lithium an die Börse gegangen und deren Aktien erleben einen Höhenflug. Die EU hat das Rohstoffvorkommen in Europa zur strategischen Reserve erklärt, um die Importabhängigkeit zu verringern.

Mit 200 Millionen Euro könnte die Lagerstätte aufgeschlossen und 2019 mit dem Abbau begonnen werden. Wer wird daran verdienen? Natürlich die Investoren, die das Kapital zur Verfügung stellen. Für die seinerzeitige ÖIAG, selbst für die heutige ÖBIB, die Holding für strategische Beteiligungen der Republik Österreich, wäre das natürlich leicht machbar. Aber verschenkt ist verschenkt. Jetzt ist zu befürchten, dass die notwendige Infrastruktur für den Abbau und für den Extraktionsbetrieb, aber auch für die erforderlichen Umweltschutzmaßnahmen aus Mitteln der öffentlichen Hand erfolgen werden. Statt an der Wertschöpfung zu verdienen, dürfen wir noch für die privaten Profiteure zahlen, statt eine Goldgrube zu nutzen, müssen die angrenzenden Gemeinden um Arbeitsplätze betteln.

Michael Graber ist Volkswirt und Wirtschaftssprecher der KPÖ